Almodóvar-Werk auf DVD Die Lust an der Leidenschaft

Drogensüchtige Nonnen, schwule Islamisten: Die Leinwandhelden des spanischen Regisseurs Pedro Almodóvar sind so skurril wie legendär. Jetzt kann man das geniale Kinowerk noch einmal entdecken: mit einer 14 Filme umfassenden DVD-Edition.

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Es heißt, den neueren Filmen von Pedro Almodóvar fehle der anarchische Geist seiner früheren Werke, viele rechnen den spanischen Regisseur seit Oscar-Gewinn und weltweiten Kassenerfolgen mittlerweile gar zum cineastischen Mainstream.


Könnte daran liegen, dass seine Filme heutzutage erheblich teurer sind als früher und damit einfach besser aussehen. Ansonsten hat sich die Welt des Almodóvar eigentlich gar nicht so sehr verändert in den letzten 28 Jahren.

Es sind immer noch die Außenseiter und Randfiguren der Gesellschaft, denen das Herz des Regisseurs gehört. Waren die Hauptfiguren einst nymphomane Arzttöchter oder schwule Islamisten ("Labyrinth der Leidenschaften"), sind es heute immerhin noch Ehemann-mordende Putzfrauen ("Volver"), schwule Klosterschüler ("La Mala Educación") oder komatöse Stierkämpferinnen ("Sprich mit ihr").

Die Filme sind weniger hysterisch geworden – im Vergleich zu den Werken, Anfang der achtziger Jahre, als sich Almodóvar als Anführer einer vor Energie berstenden Madrider Subkultur profilierte, die sich nach Francos Tod so sehr nach Erneuerung sehnte. Doch der Sinn für Anarchie durchdringt seine Filme bis heute, genau wie seine klassischen Themen: Liebe, Lust, Leidenschaft und der ganz große Schmerz.

Überzeugen kann man sich davon mit einer neuen 14 Filme umfassenden DVD-Edition, die fast das gesamte filmische Schaffen des Künstlers seit 1982 abbildet. Für Fans ist das natürlich ein Muss, auch wenn mit Almodóvars wunderbar wüstem Spielfilmdebüt "Pepi, Luci, Bom" und tragischerweise auch mit dem spektakulären und umstrittenen "Matador" zwei Schlüsselwerke fehlen.

Sonst ist alles da – seien es die lesbischen, drogensüchtigen Nonnen aus "Das Kloster zum heiligen Wahnsinn" oder die legendären "Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs", die seinerzeit den internationalen Durchbruch bedeuteten.

Sinnlos, darüber zu lamentieren, welche Filme nun besonders gut gelungen sind und welche eher nicht. Bei Almodóvars Emotionskino hat jeder seine eigene Favoriten, die er im Falle eines Angriffs glühend verteidigt (der Autor plädiert für: "Kika", "La Mala Educación"), aber eben auch die Stiefkinder, bei denen es nicht richtig geklickt hat ("Fessle mich", "Live Flesh").

Wenigstens auf "Alles über meine Mutter" – das große Hollywood-Melodram, das Hollywood nie richtig zu Stande bekommen hat – können sich dann doch immer alle einigen.

Und vielleicht noch auf die Tatsache, dass Pedro Almodóvar zu den Größten gehört, die das Kino hervorgebracht hat.


"Pedro Almodóvar – Die große Edition", ab 3.11. (Universum).



insgesamt 1 Beitrag
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phboerker 31.10.2008
1. Alles über meine Mutter
Ich mag ja Almodóvars Filme, aber gerade "Todo sobre mi madre" finde ich abgesehen von der Photographie etwas schwach. Oder es liegt ein von mir ungewürdigter tieferer Humor eines schwulen Regisseurs darin, dass auf "oje, ich bin HIV-infiziert" direkt die Beerdigungsszene folgt...
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