Amazon-MGM-Deal 007 nur noch weichgespült? Drehbuchautor fürchtet um künstlerische Freiheit

John Logan schrieb die Drehbücher zu »Skyfall« und »Spectre«. Dass Amazon nun die Rechte an James-Bond-Klassikern besitzt, lässt ihn erschauern: Nimmt der Onlinehändler 007 seine Ecken und Kanten?
Szene aus »Skyfall«: Ecken, Kanten und Tote

Szene aus »Skyfall«: Ecken, Kanten und Tote

Foto: Francois Duhamel / Columbia Pictures / Everett Collection / ddp images

Für über acht Milliarden Dollar hat Amazon das Filmstudio MGM gekauft und besitzt nun die Rechte an vielen Kinoklassikern – inklusive der James-Bond-Filme. Für viele in der Branche wirkt der Deal wie eine feindliche Übernahme mit unabsehbaren Folgen .

Auch Drehbuchautor John Logan befürchtet das Schlimmste, schreibt er in einem Gastbeitrag in der »New York Times« . Logan hat an den Bond-Filmen »Skyfall« und »Spectre« mitgearbeitet und war für drei Oscars nominiert. Nun fürchtet er, Amazon könne demnächst versuchen, James Bond dem Mainstream-Geschmack anzupassen.

Die Arbeit an einem Bond-Film beschreibt Logan in seinem Beitrag als »Familienangelegenheit«, mit langen Tischgesprächen, bei denen auch die verrückten Tanten und exzentrischen Onkel hätten zu Wort kommen dürfen. Von Diskussionen sei nichts nach außen gedrungen, alles sei in der Familie James Bond geblieben. Die Marke Bond sei von dieser Familie vor Einflüssen von außen beschützt worden: »Geschäftspartner kommen und gehen. James Bond bleibt«, schreibt Logan.

Zwar sei gegenüber Produzentin Barbara Broccoli, deren Vater die Rechte an Ian Flemings Agentenromanen erworben hat und die seitdem über das Familienerbe wacht, eisern beteuert worden, dass sie weiterhin die künstlerische Kontrolle innehabe. »Doch wird das immer so sein?«, fragt Logan zynisch. »Was, wenn eine Testgruppe angibt, sie stehe nicht auf Martinis? Oder darauf, dass Bond so viele Menschen umbringe? Was, wenn sie den britischen Akzent abschreckend finden und empfehlen, für die Marktnähe mehr Amerikaner in der Geschichte unterzubringen?«

Wenn Konzerne in kreative Prozesse eingriffen, passiere stets dasselbe, beschwert sich Logan: Ein Film würde zu einem möglichst leicht zu konsumierenden Produkt verwässert. »Der Film wird zu einem harmlosen Schatten seiner selbst, ohne Ecken, Kanten oder Anflügen cineastischer Verrücktheit. Feuer und Leidenschaft veröden Stück für Stück, weil der Film kommerziellen Absichten und Umfragewerten unterworfen wird.« Große Filme entstünden aber nicht durch Vorgaben zu Synergien, crossmedialem Marketing oder Spin-offs.

Logan führt einige Beispiele aus seinem eigenen Portfolio an, bei denen nur Leidenschaft zu großer Kunst geführt habe, etwa »Gladiator«, »Aviator« und »Sweeney Todd«. Er beschreibt auch, wie Barbara Broccoli und Michael Wilson bei MGM Studios den kommerziellen Druck vom künstlerischen Prozess ferngehalten hätten und sich nicht von unternehmerischen Aspekten hätten leiten lassen.

Das wünscht sich Logan auch in für die Zukunft: »Bitte lasst 007 seinen Martini in Frieden trinken. Schüttelt ihn nicht, rührt ihn nicht.«

cpa
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