Comicverfilmung "Ant-Man" Liebling, ich hab' den Superhelden geschrumpft

Erst die Gigantomanie der "Avengers", jetzt ein Comicheld in Hosentaschenformat: Das Marvel-Studio hat für "Ant-Man" den Komiker Paul Rudd engagiert - er mimt den bislang ungewöhnlichsten Weltretter.
Von Andreas Busche
Comicverfilmung "Ant-Man": Liebling, ich hab' den Superhelden geschrumpft

Comicverfilmung "Ant-Man": Liebling, ich hab' den Superhelden geschrumpft

Foto: Disney/ Marvel

Marvel-Fans wissen natürlich, dass es sich bei "Ant-Man" nicht um eine neue Dokumentation des Discovery Channel handelt. Das Kinopublikum, das mit Marvel-Comics nur so weit vertraut ist, wie für die nächste Superproduktion des "Marvel Cinematic Universe" (MCU) nötig, braucht dagegen ein wenig Nachhilfe.

Hank Pym, der ursprüngliche Ant-Man, hat die subatomaren "Pym"-Partikel entdeckt und schrumpft mithilfe eines Spezialanzugs auf die Größe einer Ameise, ohne an Kraft zu verlieren; ein eigens hierfür entwickelter Helm erlaubt es ihm zudem, mit den Insekten zu kommunizieren. Pym gehörte zwar zu den Gründungsmitgliedern der Avengers, hinterließ an der Seite der XXL-Superhelden Iron Man, Captain America und Hulk aber schon in den Comics keinen bleibenden Eindruck.

Vor allem im Blockbuster-Zeitalter der Transformer und Riesenechsen hat der Ant-Man ein nicht zu unterschätzendes Größenproblem. Nach dem Avengers-Gipfeltreffen "Age of Ultron" endet die zweite Phase des MCU mit "Ant-Man" einigermaßen antiklimaktisch - und das nicht nur, weil die Superkräfte des Ameisenmanns die Blockbuster-Logik außer Kraft setzen. In Fan-Foren kursierten schon nach "Age of Ultron" Gerüchte, wie Marvel die virtuose Zerstörungsorgie überbieten wolle. Die Antwort liegt auf der Hand: Man denkt einfach ein paar Nummern kleiner.

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"Ant-Man": Der geschrumpfte Superheld

Foto: Disney/ Marvel

"Ant-Man" ist dennoch ein gutes Beispiel dafür, wie kalkuliert das Marvel-Studio inzwischen Franchise-Strategie und Fan-Nostalgie unter einen Hut bringt. Das jüngste Spin-off des "Avengers"-Zyklus' führt pragmatisch verschiedene Handlungsstränge der "Ant-Man"-Geschichten zusammen. Im Film übernimmt Hank Pym, gespielt von Michael Douglas, nur die Mentorenrolle für Scott Lang (Rudd), einen Ingenieur, der im Kampf um das Sorgerecht für seine Tochter zum Dieb wurde.

Pym rekrutiert den gerade aus dem Gefängnis entlassenen Lang als neuen Ant-Man, um zu verhindern, dass sein ehemaliger Protegé Darren Cross einen zweiten Schrumpfanzug, den Yellowjacket, waffenfähig macht und an die Terrororganisation Hydra verkauft. Pyms Tochter Hope van Dyne (Evangeline Lilly) hilft ihrem patriarchalischen Vater und dessen verhindertem Superhelden zunächst nur widerwillig. Es bleibt also nicht aus, dass sie irgendwann ein Auge auf Scotty wirft.

Die Besetzung der Hauptrolle mit Paul Rudd, sonst vor allem im cinematic universe von Judd Apatow zu Hause, deutete früh an, dass Marvel nach "Guardians of the Galaxy" weiter das komödiantische Potenzial ihrer Geschichten erkunden wolle, um auch noch das Publikum zu ködern, das sich von Superhelden-Bonding und kollabierenden Metropolen bislang wenig beeindruckt zeigte. Dem Proll-Charme der "Guardians" setzt "Ant-Man" nun eine familienfreundliche Variante der Neuen Amerikanischen Komödie entgegen. Rudd ist ja eher die Idealbesetzung des suburban dad. Als Superheld muss er also zwangsläufig ein paar andere Qualitäten ins Spiel bringen, weshalb sein Scott Lang Elektroingenieur ist, der sein Know-how für extravagante Einbrüche nutzt.

Showdown im Kinderzimmer

Rudd erledigt seine Sache denn auch solide - das wahre Casting-Problem steckt eher hinter der Kamera, denn Peyton Reed ist kein sonderlich visionärer Regisseur. Rückblickend lässt sich kaum rekonstruieren, wie viele Ideen ursprünglich aus der Feder von Edgar Wright ("Shaun of the Dead") und Joe Cornish ("Attack the Block") stammen, die vergangenes Jahr von dem Projekt entbunden wurden. Nach einem Rechtsstreit teilen sie sich jetzt die Autoren-Credits mit Paul Rudd und Adam McKay, die den Popkultur-affinen, stellenweise surrealen Humor von Fanboy Wright, der auch Regie führen sollte, merklich geglättet haben.

Gerüchten zufolge überwarf sich Wright mit Marvel-Produzent Kevin Feige, weil er die "Ant-Man"-Geschichte inhaltlich deutlicher vom "Avengers"-Komplex abgrenzen wollte - und damit Marvels Franchise-Strategie durchkreuzt hätte. Wrights Abgang ist in "Ant-Man" schmerzlich zu spüren. Die vereinzelten Querverweise auf die Existenz der Avengers wirken bemüht, im Wesentlichen sind sie notdürftig im Prolog und Abspann als Cliffhanger untergebracht. Der Zweikampf zwischen Ant-Man und Falcon ist immerhin ein nettes Intermezzo, wenn auch ohne inhaltlichen Belang.

In seinen besten Momenten löst "Ant-Man" die physische Disposition seines Helden in visuellen Witzen auf. Wo in den "Avengers"-Filmen ganze Städte plattgemacht werden, ist es in "Ant-Man" das Modell einer Stadt. Das Duell mit Yellowjacket findet auf einer fahrenden Modelleisenbahn statt. Spätestens hier ist der Witz mit wechselnden Größenverhältnissen ausgereizt.

Dass der Showdown in einem Kinderzimmer stattfindet, darf man da durchaus programmatisch verstehen: "Ant-Man" will ein Superhelden-Abenteuer für die ganze Familie sein. Doch ihm fehlt der Biss, wie ihn Joe Dante in seinem Kinderzimmer-Kriegsfilm "Small Soldiers" 1998 zeigte. Dante stammt allerdings aus einer vergangenen, nostalgischeren Blockbuster-Ära, an die "Ant-Man" Anschluss zu finden versucht. Auch wenn seine state of the art-Produktionsmittel etwas anderes nahelegen.

Sehen Sie hier den Trailer zu "Ant-Man":

Ant-Man

USA 2015

Regie: Peyton Reed

Drehbuch: Adam McKay, Paul Rudd, Edgar Wright, Joe Cornish

Darsteller: Paul Rudd, Michael Douglas, Evangeline Lilly, Corey Stoll, Bobby Cannavale

Produktion: Marvel Studios

Verleih: Walt Disney Germany

Länge: 117 Minuten

FSK: Ab 12

Start: 23. Juli 2015

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