Araber im Hollywood-Film Bombenlaune mit Hakennase

Hollywood war nie gut zu den Arabern. Schon als der Film noch stumm und die Bilder schwarzweiß waren, mussten Araber den schmierigen Scheich oder die lüsterne Haremsdame geben. Heute verkörpern sie Terroristen und Fanatiker.

Von Julia Jaki


Film-Bösewicht F. Murray Abraham, Leinwandschönheit Salma Hayek und Teenie-Star Shannon Elisabeth - hätten Sie"s gewusst? All diese amerikanischen Schauspieler sind arabischer Abstammung! Und sie haben in Hollywood Karriere gemacht. So durfte Frau Hayek ihren schauspielerischen Tiefgang als Malerin Frida Kahlo im viel gelobten Streifen "Frida" präsentieren. Mrs. Elisabeth mochte es etwas weniger anspruchsvoll und verkörperte die sexy ukrainische Austauschschülerin Nadia in der Highschool-Komödie "American Pie". Wahrscheinlich half ihnen bei der Karriere auch, dass man das Arabische an ihnen nicht mehr wirklich ahnt. Der Schauspieler F. Murray Abraham ("Amadeus", "Scarface") verheimlichte gar jahrelang, dass das F. in seinem Namen für "Farid" steht, so sehr fürchtete er die Diskriminierung durch die Studio-Bosse.

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Araber im Hollywood-Kino: Filmreifes Schurkenspiel

Hollywood und die Araber - eine lange Geschichte von Stereotypisierung und Diskriminierung. Vom Beginn der bewegten Bilder an diente Arabien der amerikanischen Filmindustrie als Kulisse für schwüle Romanzen und kernige Abenteuer. In Filmen wie "Palace of Arabian Nights" aus dem Jahr 1905 sieht man Araber als dickbäuchige Scheichs und rohe Banditen, die Frauen als unterwürfige Haremsdamen und verführerische Bauchtänzerinnen. In der Zeit zwischen 1910 und 1920 wurden jährlich vier bis sechs solcher Schmonzetten vor nordafrikanischer Kulisse gedreht. "T and S", kurz für "tits and sand", nannten die Produzenten diese Art von Streifen.

Scheichs auf Blondinenjagd

Der amerikanische Medienwissenschaftler Jack G. Shaheen spricht in seinem Buch "Reel Bad Arabs. How Hollywood vilifies a people" von "Instant Ali-Baba-Kits". Diese enthielten alles, was man damals für die Ausstattung eines "richtigen" Arabers brauchte: Krummsäbel, Fez, Wunderlampen, Palmwedel und natürlich Wasserpfeifen. Shaheen hat mehr als 900 Hollywood-Filme analysiert. Seine Bilanz würde jedem Diskriminierungs-Gegner schlimme Bauchschmerzen bereiten: In nur einer Handvoll Filmen kommen Araber gut weg, so in "Lion of the Desert" (1981), "Robin Hood, Prince of Thieves" (1991) oder dem Golfkriegsdrama "Three Kings" (1999).

Die meisten Hollywood-Produktionen, so Shaheen, schreiben Arabern einen von fünf Rollentypen zu: Bösewicht, Scheich, jungfräuliches Mädchen, Ägypter oder Palästinenser - wobei der hakennasige und sonnenbebrillte Scheich meist hinter westlichen Blondinen vom Typ Kim Basinger her ist, der Ägypter immer etwas mit Mumien zu tun hat und der Palästinenser etwas Terroristisches im Schilde führt. "Sohn eines weiblichen Kamels" oder "wandelndes Bettlaken" gehören noch zu den harmloseren Bezeichnungen, die westliche Protagonisten dem bösen Araber in solchen Filmen entgegenschleudern.

Diese stereotypen Darstellungen haben sich im Laufe der Jahrzehnte nicht verbessert. Im Gegenteil: Die arabisch-israelischen Kriege, zahlreiche Flugzeugentführungen in den Siebzigern und Achtzigern , die iranische Revolution und die Intifada Ende der achtziger Jahre verfestigten das Bösewicht-Image der Araber in den Köpfen der Produzenten und somit in den Hollywood-Streifen. Nach dem zweiten Golfkrieg wurden die Araber noch gemeiner: In Filmen wie "True Lies" (1994) rücken sie den Amerikanern im eigenen Land auf die Pelle und sprengen in "The Siege" (1998) das FBI-Gebäude in New York in die Luft.

Klischees zahlen sich aus

"Bei all der Aufregung darf man aber nicht vergessen, dass Hollywood-Filme nie realistisch und Araber nicht die einzigen Stereotypisierten sind", wiegelt der deutsch-iranische Filmkritiker Amin Farzanefar ab. Eine berechtigter Einwand: Genauso wie Araber stets Terroristen spielen, sind Afrikaner gewissenlose Crack-Dealer, Italiener Mafiosi und Mexikanerinnen arme Hausmädchen, die auf den Namen "Concepcion" hören. Uns Deutschen kommt dabei die undankbare Rolle des strohblonden und tumben Grobians zu, der sich "Jawoll" bellend in den Dienst "der Bösen" stellt. Schön ist das nicht, aber es verkauft sich gut. So funktioniert nun mal das große Kino.

Einen Unterschied gibt es bei der Darstellung von Arabern im amerikanischen Mainstream-Film dennoch: Andere Minderheiten wie Indianer, Afro-Amerikaner und Latinos haben es im Laufe der Jahre geschafft, ihre Position gegenüber den Produzenten zu verbessern. Hollywood reagiert inzwischen sensibler auf ihre Gemütszustände, ihr Repertoire hat sich um positive Rollen erweitert. Nicht so bei den Arabern. "Oder haben sie schon einmal eine normale arabische Familie in einem Hollywood-Film gesehen?", fragt Buchautor Shaheen.

Seiner Meinung nach gibt es mehrere Gründe für die Misere: "Das amerikanische Kino reflektiert die US-Politik gegenüber den arabischen Staaten. Filme, in denen Araber dämonisiert werden, verkaufen sich gut und die Produzenten wissen, dass keiner etwas dagegen unternimmt. Die arabische Gemeinde ist jedoch selbst Schuld - im Gegensatz zu anderen Minderheiten haben sie keine Lobbygruppe in Los Angeles."

Wer jedoch in den letzten Wochen im Kino war, konnte beobachten, wie bewusst mit dem Klischee vom arabischen Bösewicht gespielt wird. In dem Hollywood-Blockbuster "Flight Plan" sucht die Botschafter-Witwe Kyle, gespielt von Jodie Foster, ihre kleine Tochter, die ihr an Bord eines Jumbojets abhanden gekommen ist. Zunehmend hysterisch attackiert sie schließlich zwei arabische Passagiere und beschuldigt sie der Entführung des Mädchens.

Doch während sich der Zuschauer noch über diese plumpe Rollenverteilung aufregen will, nimmt die Szene eine unerwartete Wendung. Einer der (unschuldigen) Araber setzt zu einem wütenden Plädoyer gegen die Vorverurteilung seiner Person an, "nur weil ich ein Araber bin!" Kritik im Film am Film - und an dem paranoiden Verhalten vieler Amerikaner nach dem 11. September 2001. Lernt die Traumfabrik also allmählich dazu? Schwer zu sagen; der Regisseur von "Flight Plan" heißt Robert Schwentke und gehört selber einer Minderheit an: Er ist Deutscher in Hollywood.



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