Ausbeutung in Bangladesch Herzschlag aus Stahl

Arm, hungrig, perspektivlos: Die Arbeiter in den Abwrackwerften Bangladeschs riskieren ihr Leben, um Geld zu verdienen. Der neue Dokumentarfilm "Eisenfresser" zeigt, wie Wohlstand auf Kosten verzweifelter Seelen produziert wird.

Es ist die Verzweiflung, die sie diesen Job annehmen lässt. Für die Männer aus dem Norden Bangladeschs, wo es kaum Arbeit gibt und der Hunger allgegenwärtig ist, sind die Strände um Chittagong im Süden des Landes die letzte Hoffnung. Hier werden immer Arbeiter gebraucht in den Abwrackwerften, wo die gigantischen, verrosteten Containerschiffe und Luxus-Liner auseinander genommen und zu Schrott gemacht werden.

Stählerne Ruinen stecken im öldurchtränkten Sand, und die Arbeiter zersägen sie, schweißen und schleppen, balancieren auf scharfkanigem Metall. Barfuß meist, ohne Handschuhe, Schutzkleidung oder gar Atemschutz. Immer wieder kommen Menschen zu Tode, man findet sich damit ab. Der Schrott ist eine gute Handelsware, er ist viel wert hier. Die Arbeiter sind es nicht.

Der aus Bangladesch stammende, heute in Berlin lebende Regisseur Shaheen Dill-Riaz taucht mit seinem Dokumentarfilm "Eisenfresser", der heute in die Kinos kommt, tief in die Welt dieser Menschen ein. Er begleitet die Bauern aus dem Norden, die in den Werften das Überleben ihrer Familien sichern wollen, in ein tückisches System der Ausbeutung, aus dem nur schwer wieder ein Ausweg zu finden ist.

Denn bevor sie irgendwann bezahlt werden, leben die Arbeiter auf Kredit. Sie wohnen in Werksunterkünften und versorgen sich bei den örtlichen Lebensmittelhändlern, beides ist am Ende der Saison zu bezahlen, es wird vom Lohn abgezogen, der dann manchmal nicht mal mehr reicht, um die Reise nach Hause zu bezahlen.

Wohlstand auf Kosten verzweifelter Seelen

Es sind spektakuläre Bilder, die Dill-Riaz zeigt. Die Zerlegung eines Ozeanriesen mit bloßen Händen ist ein so faszinierender Anblick, dass das Grauen dahinter, das Elend der Arbeiter, zunächst fast in den Hintergrund gerät. Doch je länger er den Männern in ihr Unglück folgt, desto greifbarer macht er es.

Bezeichnend, dass die Besitzer der Werft ihm eine monatelange Drehgenehmigung erteilt haben und ihm rigoros ehrlich über ihre Methoden berichten - sie sind davon überzeugt, dass sie das Richtige tun, den Menschen in der Not ja nur helfen zu wollen. Die Armut der Leute sei eben Schicksal, dafür könne man ja nichts, und wer bei der Arbeit einen Unfall hat, sei wohl nicht vorsichtig genug gewesen.

Schon vor zwei Jahren kam mit einer Episode des Dokumentarfilms "Workingman's Death" von Michael Glawogger ein erschütternder Bericht über das Leben auf einer Abwrackwerft in die Kinos, damals in Pakistan. Dill-Riaz schafft mit "Eisenfresser" trotz bescheidener finanzieller Mittel ein noch tiefer gehendes, berührenderes Porträt einer unfassbaren Ungerechtigkeit. Es sind Bilder einer menschlichen Tragödie, die sich fern der öffentlichen Aufmerksamkeit in einem bitteren Kreislauf der Perspektivlosigkeit befindet.

PHP heißt die Werft, auf der Dill-Riaz gedreht hat, eine Abkürzung für Peace, Happiness und Prosperity. Friede, Glück und Wohlstand, ganz leicht zu erreichen, auf Kosten ein paar verzweifelter Seelen.


Shaheen Dill-Riaz: "Eisenfresser", Aries Images

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