Ausländer in Hollywood Das Streben der Anderen

Hollywood hat ausländische Regisseure genau im Blick. Wenn sie erfolgreich sind, werden sie schnell von der Traumfabrik verpflichtet. Doch amerikanische und europäische Arbeitsweise passen oft nicht zusammen. Konflikte sind programmiert.


Wenn es nach Lou Dobbs, Moderator bei CNN, geht, ist es jetzt höchste Zeit für Abwehrmaßnahmen. Nach der Oscar-Verleihung witzelte er, man müsse einen 20 Fuß hohen Zaun um den Veranstaltungsort, das Kodak Theatre, ziehen, damit die Ausländer nicht mehr reinkommen.



Es stimmt: Die amerikanische Filmbranche schätzt ausländische Regisseure mehr als je zuvor. Bei den diesjährigen Oscars lagen nicht-amerikanische Künstler vorne: Alejandro González Inárritus Drama "Babel" trat mit sieben, Guillermo del Toros Fantasy-Werk "Pans Labyrinth" mit sechs Nominierungen an. Und der Deutsche Florian Henckel von Donnersmarck nahm die Trophäe für den besten ausländischen Film mit nach Hause.

Doch wen muss der Zaun wirklich schützen? Glaubt man der "Los Angeles Times", sind es die Europäer, die sich vor der Begeisterung der amerikanischen Kollegen in Acht nehmen müssen. Hollywood engagiere ausländische Regisseure, die einen Erfolgsfilm vorzuweisen haben, und verheize sie dann.

Tatsächlich entwickelte sich für zahlreiche europäische Filmemacher das Märchen von der Hollywood-Karriere zur Horrorstory. Oliver Hirschbiegel zum Beispiel war für sein Bunkerdrama "Der Untergang" für den Auslands-Oscar nominiert und wurde sofort von den Warner Brother Studios für die Inszenierung des Thrillers "Invasion" verpflichtet. Die Hauptrolle übernahm Superstar Nicole Kidman. Der fertige Film allerdings gefiel den Produzenten überhaupt nicht: Man heuerte die "Matrix-Macher Andy und Larry Wachowski für die Drehbuchbearbeitung an und ersetzte Hirschbiegel schließlich durch James McTeigue ("V wie Vendetta"). Der Argentinier Alejandro Agresti konnte seine Romanze "The Lake House" mit Sandra Bullock und Keanu Reeves zwar noch zu Ende drehen, die Postproduktion aber entzog man ihm.

Del Toro, der auch Blockbuster wie "Hellboy" und "Blade II" drehte, sieht das Problem in den grundlegend verschiedenen Produktionsbedingungen: "In Europa und Mexiko gibt es eine kreative Pyramide mit dem Regisseur an der Spitze", sagte er der "Los Angeles Times". "In Hollywood ist es eher ein Paket, bei dem der Regisseur nur ein weiteres Element ist, das das Gesamtprodukt attraktiv machen soll." In Europa sei es ein Skandal, wenn der Regisseur abgesetzt werde - in Hollywood an der Tagesordnung.

Diese Erfahrung machen vor allem Jungstars, die von Hollywood-Produzenten zur Belebung des Blockbuster-Kinos angeworben werden. Statt ihnen anspruchsvolle Stoffe anzubieten, werden sie für Genre-Ware verpflichtet. Doch mit der Maschinerie kommen die Novizen oft nur schwer zurecht: Sie halten an der Rolle des Regisseurs als Autor fest, der souverän über sein Werk bestimmen kann. In Hollywood werden Entscheidungen jedoch oft von mächtigen Produzenten, einflussreichen Filmstars oder den Studios selbst getroffen.

Für Del Toro liegt die Lösung in der Wahl des richtigen Producers, Man brauche jemanden, der an einen glaube. Und man müsse lernen, nein zu sagen. "Ein sehr mächtiges Wort in Hollywood, und wenn man nicht eine Menge tun will, die dem eigenen Film schaden können, sollte man gewillt sein, es auszusprechen."

dan

Korrektur: In der ersten Version unseres Textes hieß es irrtümlich unter Bezugnahme auf die "Los Angeles Times", dem deutschen Regisseur Mennan Yapo ("Lautlos") sei während der Dreharbeiten zum Thriller "Premonition" zeitweise die Regie entzogen worden. Tatsächlich aber wurden die Cutter ausgetauscht, der Regisseur aber blieb im Amt.



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