"Basic Instinct"-Autor "An meinen Händen klebt Blut"

"Basic Instinct"-Drehbuchautor Joe Eszterhas bereut zutiefst, mit seinen Filmen das Rauchen verherrlicht zu haben. Der an Lungenkrebs erkrankte Ex-Raucher startet nun seine ganz persönliche Anti-Tabak-Kampagne.


Exponierte Rauch-Szene in "Basic Instinct": Sogar eine Zigarette wurde nach dem Film benannt
Columbia Tristar

Exponierte Rauch-Szene in "Basic Instinct": Sogar eine Zigarette wurde nach dem Film benannt

Lasziv zieht Sharon Stone im weißen Kleid an ihrer Zigarette, inhaliert den Rauch tief, pustet ihn Michael Douglas ins Gesicht. Einer der bekanntesten Momente aus "Basic Instinct" ist die Szene, die der Mann hinter dem Film am meisten bereut. Späte Einsicht zeigt Joe Eszterhas, Drehbuchautor des Erotikthrillers, heute. Er bereue es, mit solchen Szenen das Rauchen verherrlicht zu haben, schrieb er in einem Kommentar in der "New York Times".

Als überzeugter Raucher seit seiner Kindheit ließ es sich Eszterhas nicht nehmen, in seine Filme exponierte Zigaretten-Szenen einzubauen. "Es war Teil von meinem Bad-Boy-Image, welches ich für lange Zeit gepflegt habe - rauchen, trinken, feiern, Rock 'n' Roll", erklärt der 57-Jährige. "Sliver", "Flashdance", "Showgirls" - kein Drehbuch von Eszterhas, in dem nicht mindestens einer der Darsteller raucht.

Der Erotikthriller "Basic Instinct" (1992) mit Sharon Stone und Michael Douglas ist wohl einer der Filme, über die sich die Tabak-Industrie am meisten gefreut haben dürfte. "Eine Firma hat kurze Zeit später sogar Zigaretten der Marke "Basic" herausgebracht."

Heute macht er sich schwere Vorwürfe, in den Köpfen seiner Zuschauer ein glamouröses Bild von Tabak verewigt zu haben. "An meinen Händen klebt Blut", stellt Eszterhas fest. "Ich war als Komplize am Mord von unzähligen Menschen beteiligt."

Vor 18 Monaten wurde bei dem Drehbuchautor die Diagnose Lungenkrebs gestellt. Auf der Suche nach Läuterung will er nun offenbar alle Schandtaten wieder gut machen. Ein Geschäft mit Gott sei die Ursache seines Feldzugs gegen das Rauchen, erzählt er. Im Zwiegespräch mit ihm habe er gesagt: "Verschone mich und ich werde versuchen, andere davon abzuhalten, die gleichen Verbrechen wie ich zu begehen."

Wie Eszterhas' Kampf gegen eine solche Verherrlichung weitergehen wird, dafür hat der Frank Freudberg, Drehbuchautor von Anti-Tabak-Filmen, bereits zahlreiche Ideen. Er selbst kämpft seit Jahren gegen die Verherrlichung des Rauchens und möchte nun Namen und Kontakte Eszterhas' nutzen. Einen Film mit folgender Szene schlägt er ihm vor: "Wie wäre es mit Leonardo di Caprio, wie er auf Händen und Knien rutschend Blut auf einen blank geputzten Linoleumboden spuckt?"

Eszterhas belässt es zunächst dabei, an die Vernunft seiner Hollywood-Kollegen zu appellieren. Er fordert sie auf, Rauchen nicht länger zu beschönigen, sondern Verantwortung zu übernehmen: "Was wir da tun ist gewissenlos." Hollywood-Filme hätten für Bürgerrechte und Homosexellenrechte gekämpft, hätten aufgerufen, Rassismus und Intoleranz zu beenden, nun würden sie eine Industrie unterstützen, die 10.000 Menschen täglich tötet.



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