Berlinale 2007 Ehrung für US-Regisseur Arthur Penn

Den Konventionen Hollywoods hat Arthur Penn sich nie unterworfen - und feierte trotzdem große Kinoerfolge mit Filmen wie "Bonnie und Clyde" und "Little Big Man". Jetzt wird der Regisseur mit dem Goldenen Ehrenbären ausgezeichnet.


Berlin - Die 57. Berlinale wird den US-Amerikaner zudem mit einer Hommage feiern und zehn Filme des 84-Jährigen zeigen, wie die Festspielleitung heute bekannt gab. Arthur Penn sei ein großer Regisseur, der mit seinen Werken in den sechziger und frühen siebziger Jahren das amerikanische Autorenkino nachhaltig geprägt habe. Dadurch habe er das damals krisengeschüttelte US-Kino revitalisiert, begründete Berlinale-Direktor Dieter Kosslick die Wahl. Er sei "ein aufmerksamer Beobachter, der sich kritisch mit der amerikanischen Gesellschaft auseinander setzt und außerhalb der üblichen Studio-Konventionen agiert", sagte der Festival-Chef. Tatsächlich gilt Penn als einer der Wegbereiter des New Hollywood. Mit seinen Werken war er insgesamt dreimal für den Oscar nominiert.

US-Regisseur Penn: Hinterfragte in seinen Filmen amerikanische Mythen
Getty Images

US-Regisseur Penn: Hinterfragte in seinen Filmen amerikanische Mythen

Arthur Penn wurde 1922 als Sohn eines Uhrmachers in Philadelphia geboren. Sein Studium absolvierte er am experimentellen Black Mountain College, an dem unteren anderen auch der Komponist John Cage wirkten, und in Florenz. Vielleicht war es der Umzug nach Europa, der ihn sein Heimatland schärfer beobachten ließ. Kein anderer Regisseur hat amerikanische Mythen und Legenden so radikal hinterfragt, Widersprüche in der eigenen Gesellschaft so klar aufgedeckt wie er. Zunächst aber sammelte er, wie viele andere große Regisseure seiner Generation, Erfahrung beim Fernsehen.

In seinem ersten Spielfilm 1958, dem Western "Einer muss dran glauben" machte Penn aus Billy the Kid einen unverstandenen Rebellen im Stil der fünfziger Jahre. Paul Newman in der Rolle des jugendlichen Westernhelden irritierte Kritiker und Zuschauer gleichermaßen. Mit "Licht im Dunkel" und Anne Bancroft in der Hauptrolle erhielt er seine erste Oscar-Nominierung.

Seinen vielleicht bekanntesten Film drehte er 1967: "Bonnie und Clyde". Faye Dunaway und Warren Beatty als mordendes Gangsterpärchen bildeten damals einen völlig neuen Gegenentwurf zum Establishment. Zwei Anti-Helden waren geboren, welches ein zerrissenes Amerika in Zeiten des Vietnamkrieges, der Studenten- und Rassenunruhen repräsentierten und dabei auch noch sympathisch wirkten. Der Film hatte großen Erfolg und löste einen regelrechten Retro-Kult aus.

Mit seinem Detektiv-Film "Heiße Spur" im Jahre 1975 gelang ihm ein letzter großer Kino-Erfolg, bevor er sich wieder verstärkt seiner Arbeit beim Fernsehen zuwendete.

Von 1992 bis 2000 war er außerdem Leiter der legendären Schauspielschule Actors Studio in New York, an der auch Stars wie Robert De Niro und Al Pacino Schauspiel studierten. Insgesamt wurden, den Angaben zufolge, unter Penns' Regie acht seiner Darsteller für den Oscar nominiert.

kam/ap/dpa



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