Berlinale 2014 Kennen Sie die?

George Clooney! Matt Damon! Tilda Swinton! Am Donnerstag startet die 64. Berlinale, dann sind die meisten Augen auf die Stars gerichtet. Dabei sind andere Talente viel interessanter.

Pierre Niney und Charlotte Le Bon im Berlinale-Film "Yves Saint Laurent"
Berlinale/ Tibo & Anouchka - SquareOne/ Universum

Pierre Niney und Charlotte Le Bon im Berlinale-Film "Yves Saint Laurent"

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23 Filme im Wettbewerb, 51 in der Forumsreihe, 52 im Panorama - insgesamt 409 Filme in 959 Vorführungen: Wenn am Donnerstag die Berlinale beginnt, kann man vom Angebot überfordert sein. Schnell richten sich die Blicke auf die großen Stars und ihre Prestigeprojekte - und davon gibt es in diesem Jahr reichlich zu sehen. George Clooney stellt sein Historiendrama "The Monuments Men" vor, David O. Russell präsentiert seine für zehn Oscars nominierte Gangster-Farce "American Hustle", Lars von Trier zeigt die Weltpremiere des ungekürzten ersten Teils von "Nymph()maniac".

Jenseits der Blitzlichter hat die Berlinale aber die interessanteren Talente und Filme zu bieten - von ungewöhnlichen Darstellern über experimentierfreudige Regisseure und Debütanten bis zu überraschenden Quereinsteigern stellt SPIEGEL ONLINE vier Mal drei Entdeckungen vor.

Drei Gesichter, die wir uns merken werden

Die Schauspieler Ellar Coltrane, Trine Dyrholm, Pierre Niney (v.l.)
Getty Images; Franne Voigt/ Berlinale (m)

Die Schauspieler Ellar Coltrane, Trine Dyrholm, Pierre Niney (v.l.)

Vor der Kamera aufzuwachsen, das machen Kinderstars in der Regel nur im übertragenen Sinne. Bei Ellar Coltrane (erster von links) trifft das buchstäblich zu. Über elf Jahre lang hat ihn Richard Linklater ("Before Midnight") jedes Jahr für vier Tage gefilmt und dabei eingefangen, wie aus einem 6-jährigen Schuljungen ein 18-Jähriger Mann wurde. "Boyhood", der daraus resultierende Film, wurde bereits beim Sundance-Festival gefeiert und gilt nun als einer der vielversprechendsten Beiträge im Wettbewerb.

Trine Dyrholm (Mitte) ist auf dieser Berlinale gleich doppelt vertreten: Als Mitglied der internationalen Jury entscheidet der dänische Filmstar ("Das Fest", "Die Königin und der Leibarzt") über die Vergabe der Goldenen und Silbernen Bären, als Schauspielerin ist sie in "En du elsker" (Berlinale-Special) zu sehen. Dem deutschen Publikum dürfte sie sich aber bald mit einer TV-Rolle ins Gedächtnis brennen: Dyrholm ist Hauptdarstellerin im neuen dänischen Serienhit "Arvingerne" ("Die Erben").

Himmel, sieht der gut aus! Das sagen nicht nur die Models im Biopic "Yves Saint Laurent" (Panorama-Special), in dem Pierre Niney die Titelrolle spielt. Halb Frankreich liegt dem 21-jährigen Nachwuchsstar zu Füßen, der bereits Mitglied des französischen Staatstheaters Comédie-Française ist. Mit seiner hinreißenden Darstellung des manisch-depressiven Stardesigners dürfte ihm Ähnliches bald auch in Deutschland gelingen. Hier kommt der Film am 17. April in die Kinos.


Drei Regie-Debütanten

Die Regisseure Benjamin Naishtat, Sudabeh Mortezai, Josephine Decker (v.l.)
Berlinale

Die Regisseure Benjamin Naishtat, Sudabeh Mortezai, Josephine Decker (v.l.)

Was passiert eigentlich hinter den Toren einer gated community? Wie lebt es sich, wenn man die Außenwelt vor allem als Bedrohung empfindet? Davon erzählt der Argentinier Benjamin Naishtat (erster von rechts), der es mit seinem Debütfilm "Historia del Miedo" auf Anhieb in den Wettbewerb geschafft hat.

Als Debütant ist Naishtat im Wettbewerb allerding nicht allein: Auch die Österreicherin Sudabeh Mordezai (Mitte) ist mit ihrem ersten Spielfilm in die prestigereichste Reihe der Berlinale eingeladen worden. In "Macondo" bietet sie Einblicke in das Leben in einer Flüchtlingsiedlung, die mitten in Wien entstanden ist.

Josephine Decker ist der Doppelschlag unter den Regiedebüts gelungen. Die New Yorker Filmemacherin und Schauspielerin zeigt sowohl ihren ersten als auch ihren zweiten Spielfilm im Forum: das Freundschaftsdrama "Butter on the Latch" und den romantischen Thriller "Thou Wast Mild and Lovely" nach Motiven von John Steinbecks "Jenseits von Eden".


Drei Quereinsteiger

Die Quereinsteiger Axel Stein, Stuart Murdoch, Hossein Amini (v.l.)
DPA; AP; Curtis Brown Group

Die Quereinsteiger Axel Stein, Stuart Murdoch, Hossein Amini (v.l.)

Nein, das ist nicht der jüngere und besser angezogene Bruder von Stefan Raab - das ist Axel Stein (erster von links). Lange Zeit war sein Gesicht nicht aus der Sat.1-Comedy-Schiene ("Hausmeister Krause", "Axel!") wegzudenken. Jetzt hat der Schauspieler nicht nur ein paar Pfunde ab- und ein bisschen schickere Kleidung angelegt. Mit dem Horrorfilm "Tape_13", einer smarten Hommage an das "Blair Witch Project", ist er als Regisseur und Co-Produzent in der Reihe Perspektive Deutsches Kino vertreten.

Fans des verschmitzt-verspielten Indie-Pops vergöttern Stuart Murdoch (Mitte) seit bald 20 Jahren. Jetzt hat der Bandleader von Belle and Sebastian seine Begeisterung für den goldenen Sound der Sechziger im Filmbereich ausgelebt. Sein Coming-of-Age-Film "God Help the Girl" über eine junge Musikerin in Glasgow ist in der Generation-Reihe zu sehen.

Mit "Drive" hat er einen der stilsichersten Thriller aller Zeiten geschrieben, mit "Snow White and the Huntsman" einen echten Boxoffice-Hit gelandet, und für die historische Liebesgeschichte "Die Flügel der Taube" wurde er sogar für den Oscar nominiert. Jetzt beweist der iranisch-amerikanische Drehbuchautor Hossein Amini noch mehr Vielseitigkeit und stellt sein Regiedebüt, den Thriller "Die zwei Gesichter des Januars" mit Viggo Mortensen und Kirsten Dunst, im Special vor.


Drei Experimentierfreudige

Die Regisseure Corneliu Porumboiu, Göran Hugo Olsson, Michel Gondry (v.l.)
Berlinale ; Getty Images (m)

Die Regisseure Corneliu Porumboiu, Göran Hugo Olsson, Michel Gondry (v.l.)

"Das kann doch niemals ein Film werden", sagt Adrian Porumboiu, während er ein Fußballspiel der Vereine Steaua und Dinamo Bukarest aus dem Jahr 1988 sieht und kommentiert. Doch, daraus kann ein Film werden - wenn der Sohn der rumänische Regisseur Corneliu Porumboiu (erster von links, "Police, Adjective") ist und der Vater der Schiedsrichter des denkwürdigen Duells war. "Al doilea joc" (Forum) zeigt einen absurden Ausschnitt aus dem noch absurderen Alltag des letzten Jahres der Ceaucescu-Herrschaft.

Sein "Black Power Mixtape 1967-1975" über die US-amerikanische Bürgerrechtsbewegung war einer der Doku-Hits auf der Berlinale 2011. Nun zeigt der schwedische Filmemacher Göran Hugo Olsson (Mitte) im Panorama eine noch wildere Collage: In "Concerning Violence" unterlegt er Archivmaterial des schwedischen Staatsfernsehens von afrikanischen Befreiungskämpfen mit der Stimme Lauryn Hills, die aus Frantz Fanons Dekolonialisierungs-Klassiker "Die Verdammten dieser Erde" rezitiert.

Haben Sie sich schon mal gefragt, ob der Mann, der groß ist, auch glücklich ist? Nach Ende des Interviewfilm "Is the Man Who is Tall Happy" (Panorama), den Oscar-Preisträger und Jury-Mitglied Michel Gondry mit dem legendären Linguisten und Aktivisten Noam Chomsky gedreht hat, werden Sie keine Antwort darauf bekommen haben, aber wissen, warum Sie die Frage instinktiv grammatikalisch korrekt stellen. Und ziemlich viele von Gondry handgemalte und animierte Hunde werden Sie auch gesehen haben.

Der Berlinale-Wettbewerb im Überblick
Berlinale/ 20th Century Fox

The Grand Budapest Hotel
Ein einsames Hotel, irgendwo in den Bergen. Was sich anhört wie die erste Szene in Stanley Kubricks Horrorkultfilm "Shining", wird in den Händen des amerikanischen Weirdo-Regisseurs Wes Anderson zur Fabel über Gesellschaft, Familie und Liebe im Europa der zwanziger Jahre: Als ein Hotelconcierge nach einer Affäre mit einer steinreichen Greisin zu deren Alleinerben erklärt wird, überschlagen sich die Ereignisse. Besetzt u.a. mit einer Tilda Swinton, die mal nicht ihre androgyne Schönheit ausspielt, sondern als steinalte Millionärin vor lauter Hängebacken kaum zu erkennen ist. Anderson eröffnet dieses Jahr die Berlinale, 2002 war er bereits mit "The Royal Tenenbaums" und 2005 mit "Die Tiefseetaucher" im Wettbewerb vertreten, gewonnen hat er noch nicht.

Berlinale

Kraftidioten
Vielleicht drehen Filmemacher aus dem hohen Norden so viele Komödien mit Brutalo-Touch, weil Blut auf weißem Schnee besonders gut aussieht. Der norwegische Regisseur Hans Petter Moland bildet mit seinem Wettbewerbsbeitrag keine Ausnahme: Als Schneepflugfahrer Nils vom Tod seines Sohns erfährt, beginnt er eigene Nachforschungen. Und taucht in die norwegische Unterwelt ab. Regisseur Hans Petter Moland war schon vor vier Jahren mit der Tragikomödie "Ein Mann von Welt" im Berlinale-Wettbewerb. Stellan Skarsgård spielte damals einen schweigsamen Ex-Häftling. Jetzt gibt er den schweigsamen Schneepflugfahrer. Auch dabei: Bruno Ganz als serbischer Mafiaboss.

Berlinale/ Bjoern Kommerell/ Independent Artists

Zwischen Welten
Vor zehn Jahren gewann Fatih Akin mit "Gegen die Wand" den Goldenen Bären. Seitdem konnte sich kein deutscher Film mehr im Wettbewerb durchsetzen. Dieses Jahr starten mit vier Filmen immerhin so viele deutsche Produktionen im Wettbewerb wie seit 18 Jahren nicht mehr. Einer von ihnen ist Feo Aladags Drama über den Einsatz von Isaf-Soldaten in Afghanistan: Obwohl sein Bruder beim Dienst in Afghanistan ums Leben kam, meldet sich der deutsche Soldat Jesper wieder zum Einsatz, um in dem Land ein abgelegenes Dorf vor den Taliban zu schützen. In den Hauptrollen: Ronald Zehrfeld und der noch unbekannte Mohamad Mohsen.

Berlinale/ Senator

Die geliebten Schwestern
Seit acht Jahren hat Dominik Graf bei keinem abendfüllenden Kinofilm Regie geführt, erschuf mit der Mini-Serie "Im Angesicht des Verbrechens" dafür aber das Interessanteste, was der deutsche TV-Krimi in den letzten Jahren zu bieten hatte. Doch auf Genres oder gar aufs Medium festlegen lässt sich der Mann nicht. So geht es in seinem Berlinale-Wettbewerbsbeitrag um ein polyamouröses Beziehungsgeflecht zur Zeit der Weimarer Klassik: Der Dichter Friedrich Schiller liebt zwei Schwestern. Die unglücklich verheiratete Caroline und ihre Schwester Charlotte teilen sich den Autor. Als Caroline schwanger wird, zerbricht das fragile Gleichgewicht der Dreierbeziehung.

Camino

Jack
Jack schmeißt den Haushalt, weckt morgens den kleinen Bruder, macht das Essen. Denn einen Vater hat der Zehnjährige nicht, und die Mutter ist kaum da. Als sie eines Tages ganz verschwindet, macht sich Jack zusammen mit seinem jüngeren Bruder auf die Suche nach ihr. Filmemacher Edward Berger ist ein Neuling im Berlinale-Wettbewerb. Fernsehfans kennen ihn als Regisseur der ZDF-Erfolgskomödie "Mutter muss weg" mit Bastian Pastewka in der Hauptrolle.

Berlinale/ Alexander Sass

Kreuzweg
Maria lebt zwischen zwei Welten: In der Schule ist die 14-Jährige ein ganz normaler Teenager, der entdeckt, dass Jungs mehr als nur Freunde sein können. Zu Hause muss sie den Lehren der erzkonservativen Priesterbruderschaft folgen. Wie viel kann ein Mensch ertragen, bis er am gelebten Gegensatz zerbricht? Regisseur Dietrich Brüggemann ist 2014 zum ersten Mal mit einem Film im Wettbewerb vertreten – seine Tragikkomödie "Renn, wenn Du kannst" lief aber schon vor vier Jahren in der Sektion "Perspektive deutsches Kino".

Berlinale/ FreibeuterFilm

Macondo
Knapp 45 Minuten entfernt von Wiens Zentrum liegt die Flüchtlingssiedlung Macondo. 3000 Asylsuchende sind hier untergebracht. Diese real existierende Lebenswelt beschäftigt die Regisseurin Sudabeh Mortezai in ihrem ersten langen Spielfilm: Der muslimische Junge Ramasan ist gemeinsam mit Mutter und Schwestern aus Tschetschenien hergekommen, der Vater des Elfjährigen ist im Kampf gegen die Russen gefallen – so lautet zumindest die Version, die Ramasan kennt. Als plötzlich ein Freund des Vaters aus alten Tagen auftaucht, wird Ramasans Weltbild auf eine harte Probe gestellt.

Berlinale/ Travis Wei

Tui Na
Starker Auftritt für den chinesischen Film im Wettbewerb: Insgesamt drei Filme schickt das Land ins Rennen um den Goldenen Bären. Einer von den chinesischen Hoffnungsträgern: Der Regisseur Lou Ye mit seinem Porträt des blinden Manns Ma, der zusammen mit anderen Blinden in einer Massagepraxis arbeitet. Yes Filme liefen schon auf den Festivals von Cannes und Venedig. Auf der Berlinale ist der Regisseur, der für Tui Na mit sehenden und blinden Schauspielern zusammenarbeitete, aber zum ersten Mal Gast.

Berlinale

Boyhood
Richard Linklater ist ein alter Bekannter auf der Berlinale: Mit seiner zarten Liebesgeschichte "Before Sunrise" gewann er 1995 einen Silbernen Bären für die beste Regie. Für seinen diesjährigen Wettbewerbsfilm versammelte der amerikanische Regisseur sein Schauspielerensemble seit 2002 jedes Jahr für einige Tage Dreharbeit. So konnte er den Hauptcharakter, den er von den schulischen Anfängen bis zum Eintritt ins College begleitet, immer mit demselben Schauspieler besetzen. Neben Ellar Coltrane mit dabei: Ethan Hawke als freakiger Vater und Patricia Arquette als alleinerziehende Mutter.

Berlinale/ A. Borrel

Aimer, boire et chanter
Vor 16 Jahren wurde Altmeister Alain Resnais auf der Berlinale für sein Lebenswerk mit dem Silbernen Bären geehrt – eine irgendwie verfrühte Auszeichnung, denn der mittlerweile 91-jährige Franzose ist nach wie vor filmisch umtriebig. In seinem diesjährigen Wettbewerbsfilm beschäftigen ihn einmal mehr die Leidenschaften, die hinter der Fassade bürgerlichen Lebens lauern: Mitten in den Proben zu einem Theaterstück erfährt Kathryn, dass ihr alter Freund George todkrank ist. Nicht nur für Kathryn, die mal mit George liiert war, sondern auch für ihre Freundinnen gerät die Alltagswelt aus den Fugen. Getrieben von Begehren und Sehnsüchten entbrennt unter ihnen ein Streit darüber, wer George auf eine letzte Reise begleiten darf.

Berlinale/ Tessalit-Pathé

La voie de l'ennemi
Eine Kleinstadt mitten in der texanischen Wüste: In diesem Niemandsland wird ein Häftling aus dem Gefängnis entlassen. William Garnett will ein neues Leben beginnen. Jedoch wissen die anderen Einwohner um seine kriminelle Vergangenheit. Bald sitzen Garnett ein auf Vergeltung sinnender Sheriff und ein ehemaliger Kumpan aus der Unterwelt im Nacken. In den Hauptrollen des Films von Rachid Bouchareb: Forest Whitaker als Häftling William Garnett und Harvey Keitel als sein Gegenspieler. Bouchareb war bereits dreimal für einen Goldenen Bären nominiert – ob er ihn 2014 mit diesem starken Schauspielerensemble im Rücken mit nach Hause nehmen darf?

Berlinale

'71
Belfast, 1971: Der Nordirland-Konflikt wird immer mehr zum Bürgerkrieg. Mitten in den unübersichtlichen Machtkämpfen auf den Straßen Belfasts wird der junge Rekrut Gary beim Streifegehen von seiner Einheit getrennt. Zwischen paramilitärischen Einheiten, radikalen Streetgangs und Undercoveragenten muss er seinen Weg zurück zum Stützpunkt finden – und erlebt eine Nacht voller Angst und Ungewissheit. Schon 2007 nahm Regisseur Yann Demange am "Berlinale Talent Campus" teil. Dieses Jahr läuft mit "'71" sein erster Spielfilm im Wettbewerb. In der Hauptrolle: Der britische Nachwuchsstar Jack O'Connell, bekannt aus der britischen Teenager-Serie "Skins".

Berlinale/ Tresmilmundos Cine

La tercera orilla
Nicolás' Vater führt ein Doppelleben: Der angesehene Arzt in einer Kleinstadt im Nordosten Argentiniens hat zwei Familien – ein Geheimnis, von dem alle wissen, über das aber keiner spricht. Als er Nicolás nahelegt, in seine Fußstapfen als Arzt und Ranchbesitzer zu treten, erwacht in dem Jugendlichen Widerstand gegen den autoritären Machismo des Vaters. Vor zwei Jahren zeigte die argentinische Regisseurin Celina Murga auf der Berlinale in der experimentierfreudigen Nebensektion "Forum" den feinen Dokumentarfilm "Escuela Normal" über die Wahlkampfvorbereitungen der Kandidaten einer Schülervertretung. Jetzt hat sie zum ersten Mal Chancen auf einen Goldenen Bären

Berlinale

Bai Ri Yan Huo
Den Ruf eines cineastischen Krimi-Lands hatte China in Filmkreisen bislang eher nicht – noch nicht. Dieses Jahr schickt Regisseur Diao Yinan ("Night Train") einen klassischen Detektivfilm ins Rennen um den Goldenen Bären: 1999 werden in einer Kleinstadt im Norden Chinas eine Reihe von Leichen gefunden. Bei der Festnahme des mutmaßlichen Mörders kommt es zu einem blutigen Zwischenfall, zwei Polizisten sterben. Als fünf Jahre später wieder mysteriöse Morde geschehen, nimmt ihr ehemaliger Kollege auf eigene Faust die Ermittlungen auf.

Berlinale/ Courtesy of Visit Films

Historia del miedo
Ein Polizeihubschrauber kreist über einer Gated Community am Rande einer Großstadt. Etwas muss vorgefallen sein - die Ordnungshüter sind schon zur Stelle. In seinem Spielfilmdebüt arbeitet sich der argentinische Regisseur Benjamin Naishtat an den Ängsten der argentinischen Wohlstandsklasse ab, für die schon ein Loch im Zaun eine lebensgefährliche Bedrohung darstellt. Mit seiner "Geschichte der Angst" schaffte es der erst 27-jährige Naishtat in das Rennen um dem Goldenen Bären.

Berlinale

Praia do futuro
Identitätssuchen sind das Spezialgebiet des brasilianischen Regisseurs Karim Aïnouz: Sein Spielfilmdebüt, das 2002 in Cannes gezeigt wurde, beschäftigte sich mit dem Leben eines Brasilianers, der Transvestit, Vater, Verbrecher und Koch zugleich war. Im Berlinale-Wettbewerb präsentiert Aïnouz jetzt die Sinnsuche des brasilianischen Rettungsschwimmers Donato. Als eines Tages zwei Männer in eine gefährliche Strömung geraten, kann er nur einen von ihnen retten: Den deutschen Touristen Konrad. Die beiden verlieben sich, Donato folgt Konrad in dessen Heimat Berlin – um dort im Strudel der Stadt auf der Suche nach sich selbst mehr Fragen als Antworten zu finden.

Berlinale/ Falirohouse Productions

To Mikro Psari
Nachts arbeitet Stratos in einer Brotfabrik, tagsüber bringt er gegen Bezahlung Menschen um, weil er das Geld braucht. Für Stratos gebietet es die Ehre, dass er die Gefängnisbefreiung seines Kumpels finanziert, weil der ihm mal das Leben rettete. In seinem vierten Spielfilm nutzt Yannis Economides die Kinofigur des Auftragsmörders für einen Blick in eine desolate Welt. Der Regisseur nimmt zum ersten Mal an der Berlinale teil.

Berlinale/ China Film Company

Wu Ren Qu
"Das ist eine Geschichte über Tiere", kündigt der Held des Films an, ein aus der Großstadt stammender Rechtsanwalt. Ob damit tatsächlich nur die Falken gemeint sind, die im nächsten Bild zu sehen sind? Denn als der Anwalt für einen Prozess in das felsenreiche Niemandsland in Xinjiang reisen muss, wird er zum Getriebenen von Menschen ohne Moral. "Wu Ren Qu" wurde schon vor vier Jahren fertiggestellt, doch die chinesische Filmbehörde stellte immer wieder neue Schnittauflagen an den staatskritischen Regisseur Ning Hao. Auf der Berlinale läuft eine Version, für die einige Szenen nachgedreht wurden.

Berlinale/ The Little House Film Partners

Chiisai Ouchi
Ein junger Mann entdeckt durch Zufall das Tagebuch einer verstorbenen Verwandten: Die alte Frau beschreibt darin ihr Leben als Angestellte bei einer reichen Familie aus Tokio. Als Hausmädchen bekommt die junge Frau mit, wie die Hausherrin eine heimliche Liebesaffäre mit einem jungen Kunstschulabsolventen beginnt – und muss eines Tages eine schwere Gewissensentscheidung treffen. Regisseur Yoji Yamada, Schüler des japanischen Meisterregisseurs Ozu Yasujiro, feierte mit dem Film "Tokyo Kazoku" schon im vergangenen Jahr eine internationale Premiere bei der Berlinale.

Berlinale/ José Haro

Aloft
2009 gewann die peruanische Regisseurin Claudia Llosa den Goldenen Bären mit "La teta asustada". Jetzt startet Llosa mit dem Drama "Aloft" im Wettbewerb: Zusammen mit einer jungen Dokumentarfilmerin reist Iván durch eine unbekannte Winterlandschaft. Der Grund der Reise: Iván ist auf der Suche nach seiner Mutter Nana. Llosas Film über die Vereinbarkeit von Verantwortung und Neuanfang ist mit Cilian Murphy und Jennifer Connelly in den Hauptrollen hochkarätig besetzt.

Berlinale/ Christian Geisnæs

Nymphomaniac Volume I
Nach 20 Jahren kehrt Regisseur Lars von Trier, berühmt und berüchtigt für Provokation und Radikalität, zurück zur Berlinale. 1984 präsentierte er in der Panorama-Sektion seine Abschlussarbeit von der Dänischen Filmhochschule. Jetzt zeigt er im Wettbewerb außer Konkurrenz den ersten Teil seines neuen Epos "Nymphomaniac": Die selbstdiagnostizierte Nymphomanin Joe (Charlotte Gainsbourg) erzählt einem alten Junggesellen (Stellan Skarsgård) ihre lustvolle, schmerzhafte Lebensgeschichte. Die Berlinale-Besucher sehen die ungekürzte – sexuell explizitere - Fassung des Films.

Berlinale/ Concorde

La belle et la bête
Die Berlinale hat unter den internationalen Filmfestivals den Ruf, den Wettbewerb vor allem mit Gesellschaftsdramen mit hohem sozialkritischen Anspruch zu bestücken. Christophe Gans' Fantasy-Verfilmung des französischen Märchenklassikers "Die Schöne und das Biest" fällt da irgendwie aus der Reihe. Der bekannte Plot: Um ihren Vater vorm Todesurteil zu retten, begibt sich seine Tochter in den Palast eines mysteriösen Gutsbesitzers. Besetzt ist Gans' opulenter Fantasyfilm mit dem Nachwuchsstar Léa Seydoux und Vincent Kassel, Hollywoods Franzosen für alle Fälle – eine Chance auf den Sieg hat der Film aber nicht, weil er außer Konkurrenz läuft

Berlinale/ 20th Century Fox

Monuments Men
Im Zweiten Weltkrieg wurde eine amerikanische Sondereinheit von den Alliierten beauftragt, wertvolle Schätze und Kunstwerke vor den Nationalsozialisten zu retten. Nach dem realen Vorbild dieser Kunstschutzoffiziere inszeniert George Clooney die Truppe in seinem vierten Spielfilm als launigen Männerbund. Der Cast bietet mit Matt Damon, Cate Blanchett und selbstverständlich Clooney selbst, handverlesenes Hollywood. Nun hat der spektakuläre Raubkunstfall um den Kunstsammler Cornelius Gurlitt Clooneys neuestem Werk vermutlich schon den Boden für volle Kinokassen bereitet. Aber auf den Goldenen Bären kann der Hollywood-Star nicht hoffen. Sein Film läuft im Wettbewerb außer Konkurrenz.



insgesamt 3 Beiträge
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vulcan 05.02.2014
1.
Also für mich gilt das nicht - sollte es sich dabei tatsächlich um Talente handeln, sollte die Anerkennung und damit die Popularität (als Schauspieler, wohlgemerkt) nicht ausbleiben. Wird man ja sehen. Es gab schon eindeutig zuviele hochgejubelte Jungschauspieler, von denen man nie wieder gehört hat. Oft genug zu recht. Von daher: Abwarten.
fatal.justice 06.02.2014
2. Kaum...
... ist das medienwirksame Dschungelcamp beendet, wird man von irgendwelchen dahergekrochenen öden A-Promis belästigt, die für semi-interessante Gastauftritte in kinofüllenden Mainstreamblockbustern das Bruttosozialprodukt Djibouti's erhalten. Gähäähn....
Miere 06.02.2014
3. Also erstmal muss der Film was taugen.
Wenn ein Film gleich mit Stichwörtern wie "begabter Jungschauspieler" oder "wagemutiger Nachwuchsregisseur" punkten will und die Handlung nichtmal erwähnenswert ist, ist das ein klares Signal, da nicht rein zu gehen.
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