Berlinale 2020 Goldener Bär geht an iranischen Film "Es gibt kein Böses"

Ein iranischer Episodenfilm über die Todesstrafe hat den Hauptpreis der 70. Berlinale gewonnen. Regisseur Mohammed Rassulof war bei der Auszeichnung nicht vor Ort - er bekam keine Reiseerlaubnis.
Die Schauspieler aus Mohammed Rassulofs Film "Es gibt kein Böses"

Die Schauspieler aus Mohammed Rassulofs Film "Es gibt kein Böses"

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MICHELE TANTUSSI/ REUTERS

Der Goldene Bär der 70. Berlinale geht an den Episodenfilm "Es gibt kein Böses" (englischer Titel: "There Is No Evil") des iranischen Regisseurs Mohammed Rassulof. Der Filmemacher erzählt darin vier Kurzgeschichten, die sich mit der Todesstrafe im Land beschäftigen.

Die Jury zeichnete das Filmteam in Abwesenheit von Rassulof aus, der selbst keine Reiseerlaubnis bekam. Lesen Sie hier eine Kritik zu "Es gibt kein Böses".

Es ist der dritte Goldene Bär für einen Regisseur aus Iran: 2011 gewann "Nader und Simin - Eine Trennung" von Asghar Farhadi, 2015 "Taxi Teheran" von Jafar Panahi. "Es gibt kein Böses" ist eine deutsch-tschechisch-iranische Koproduktion.

Die Berlinale zählt neben Cannes und Venedig zu den wichtigsten Filmfestivals der Welt. In diesem Jahr konkurrierten 18 Beiträge im Wettbewerb. Erstmals leiteten die Niederländerin Mariette Rissenbeek und der Italiener Carlo Chatrian die Filmfestspiele.

Paula Beer und Elio Germano ausgezeichnet

Die deutsche Schauspielerin Paula Beer wurde als beste Darstellerin geehrt - sie bekam den Silbernen Bären für ihre Rolle in Christian Petzolds Liebesfilm "Undine". (Lesen Sie hier eine Kritik.)

"Vielen, vielen Dank", sagte Beer. Sie freue sich wahnsinnig. Man könne aber nur so gut sein wie sein Gegenüber - ihr Kollege Franz Rogowski sei der "wunderbarste Spielmann", den man sich wünschen könne. In Petzolds Film spielen die beiden ein Liebespaar.

Schauspielerin Paula Beer mit Regisseur Christian Petzold

Schauspielerin Paula Beer mit Regisseur Christian Petzold

Foto: MICHELE TANTUSSI/ REUTERS

Bester Darsteller wurde der Italiener Elio Germano, der im Künstlerdrama "Hidden Away" ("Volevo nascondermi") einen Maler spielt, der lange als Ausgestoßener lebte.

Großer Preis der Jury für Film über ungewollte Schwangerschaft

Der Große Preis der Jury ging an das Coming-of-Age-Drama "Never Rarely Sometimes Always": US-Regisseurin Eliza Hittman erzählt darin von einer 17-Jährigen, die ungewollt schwanger ist. (Lesen Sie hier eine Kritik.)

Der Südkoreaner Hong Sang-soo gewann den Silbernen Bär für die beste Regie: In seinem Film "Die Frau, die rannte" unternimmt eine Frau erstmals wieder etwas ohne ihren Mann. Die italienischen Brüder Fabio und Damiano D'Innocenzo erhielten den Silbernen Bären für das Drehbuch zum Drama "Bad Tales" ("Favolacce").

Ausgezeichnet wurde auch der deutsche Kameramann Jürgen Jürges, der schon mit Größen wie Wim Wenders und Rainer Werner Fassbinder drehte. Er erhielt nun den Silbernen Bären für eine "herausragende künstlerische Leistung" für seine Arbeit an "DAU. Natasha". Der umstrittene Experimentalfilm ist Teil eines groß angelegten Kunstprojekts.

Ein Sonderpreis zur 70. Berlinale ging an die französische Komödie "Delete History" ("Effacer l'historique").

Nicht mehr vergeben wurde dafür der Alfred-Bauer-Preis. Hintergrund sind Recherchen zur Vergangenheit des ersten Festivalleiters Alfred Bauer, der einem Bericht der "ZEIT" zufolge ein "hochrangiger Funktionär der NS-Filmbürokratie" gewesen sein soll.

kko
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