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Jolies Regiedebüt: Blut und Honig

Foto: Ken Regan/ AP

Berlinale-Blog Krieg und andere Naturgewalten

Nächstes Berlinale-Highlight: Angelina Jolie stellt ihr Regiedebüt vor. "In the Land of Blood and Honey" ist ein Kriegsmelodram, das von Liebe - aber mehr noch von ihrem Scheitern - in finsteren Zeiten erzählt. Und das mit starken Bildern, kräftig gezeichneten Szenen und einfachen Formeln.
Von Jörg Schöning

Der Glanz ist da. Von Angelina Jolie geht ein Strahlen aus, das alle erfasst. Die letzten Fotos von ihr sind gemacht; nun hat sie, mit nur einer Viertelstunde Verspätung, zwischen ihren Schauspielern auf dem Panel vor der internationalen Presse Platz genommen. Gerade noch haben die Journalisten um Einlass und Plätze gekämpft. Nun sind sie befriedet.

Was Angelina Jolie in Berlin präsentiert, hat mit Glamour allerdings wenig zu tun - ebenso wenig wie mit irgendeiner Glorie des Krieges. "In the Land of Blood and Honey" ist alles andere als ein Zuckerschlecken. Jolie hat einen Film gemacht, den niemand gerne dreht. Und den auch niemand gerne sieht. Wenn dieses Regiedebüt dennoch die ungeteilte Aufmerksamkeit findet, liegt das ganz allein an ihr. Seit zehn Jahren ist sie Sonderbotschafterin für das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR.

Im US-Kino mögen der Krieg auf dem Balkan und die Kriegsverbrechen in Bosnien kein Thema mehr sein. Im europäischen Kino ist beides präsent. Vor zwei Jahren lief im Berlinale-Wettbewerb Hans-Christians Schmids Spielfilm "Sturm", über ein Verfahren beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. "Sturm" war ein politischer Thriller. "In the Land of Blood and Honey" ist ein unpolitisches Melodram. Es beginnt als Liebesgeschichte.

Sarajevo, 1992. Sie ist Malerin, er Polizist. Ajla ist muslimische Bosnierin, Danijel ein Serbe und Christ. Sie gehen zusammen aus, und man sieht, sie könnten sich mögen. In diese Beziehung bricht nun der Krieg mit der Macht einer Naturgewalt ein. In der Disco, in der sie sich verabredet haben, explodiert eine Bombe. Sie markiert den Beginn der "ethnischen Säuberung" - von Verschleppungen, deren Opfer auch Ajla wird. Man deportiert sie in ein Camp serbischer Soldaten, zu denen Danijel inzwischen gehört. Während die anderen Frauen hier systematisch erniedrigt und vergewaltigt werden, bleibt Ajla unter seinem Schutz deren Schicksal zunächst erspart.

In seiner Darstellung des Krieges lässt "In the Land of Blood and Honey" nichts aus. Der Film zeigt Exekutionen, Massaker und Massengräber, über deren Leichenberge Planierraupen fahren. Die Internierungslager erscheinen als wiedererstandene KZs. Angelina Jolie zeigt aber eben auch, dass dies ein Krieg der Männer gegen die Frauen ist. Sie zeigt nicht, wie Gewalt entsteht. Aber sehr drastisch, wohin sie im Verhältnis zwischen den Geschlechtern führt.

Aijla wird misshandelt, zusammengeschlagen, vergewaltigt, als menschliches Schutzschild im Kugelhagel missbraucht. Dazwischen kommt es zu Momenten zweifelhafter Zärtlichkeiten, die den Schrecken nur verstärken. Wenn Angelina Jolie die Schönheit und Schwäche des weiblichen Körpers in ihrem Film zeigt, dann als kalkuliertes Mittel des Kontrasts.

Effekt durch die Pathosformel

Ajla (Zana Marjanovic) ist also die Gefangene und Geliebte Danijels (Goran Kostic). Einmal besucht er mit ihr in der Nacht ein Museum, in dem auch ein Bild ihres Lieblingsmalers hängt. Immer schon habe sie es berühren wollen, gesteht sie ihm, sich aber nie getraut. Generös gestattet ihr der "Kriegsherr" das. Daraufhin streicht Ajla mit den Fingerspitzen über den Firnis und bewundert den kräftigen Auftrag, mit dem der Maler die Farben übereinander geschichtet hat.

Solch einen kräftigen Farbauftrag besitzt auch Jolies Film. Und das ist sein Problem. Um nur ja alles plastisch hervortreten zu lassen, macht er vieles überdeutlich. In der Bildenden Kunst kennt man den Begriff von der "Pathosformel". In einem wörtlicheren Sinn, als er ihn dort besitzt, passt das Wort auch hier. Damit der Zuschauer berührt wird, ist alles sehr kräftig gezeichnet. Nichts bleibt ausgespart. Um sicher zu gehen, dass auch jeder alles versteht, werden pathetische Formeln bemüht.

Der Krieg erhält so etwas Atavistisches. Nun leitet Jolie ihn zwar nicht gerade aus der Antike her. Doch in den Erzählungen der Elterngeneration erscheint er als etwas Althergebrachtes, sozusagen als der "Normalfall" - mindestens seit den Auseinandersetzungen mit den osmanischen Horden und dem Schlachten auf dem Amselfeld, also seit dem 14. Jahrhundert.

Beim Museumsbesuch Ajlas und Daniels in Sarajevo war im Hintergrund auch ein Raum zu sehen, der den Olympischen Spielen von 1984 gewidmet ist. Die Kamera betritt ihn nicht. Die Möglichkeit eines friedlichen Zusammenlebens, das es doch einmal gegeben hat, bleibt hier ausgeblendet. Die politischen und sozialen Voraussetzungen, die es einmal ermöglicht haben, kommen ihm nicht in den Sinn.

Aber soll man ihm das zum Vorwurf machen? "In the Land of Blood und Honey" ist erkennbar der Film einer Schauspielerin. Gesten, Sprache, Mimik stehen ganz im Dienste "starker" Bildern, die der Anklage und schließlich einer Selbstanklage dienen. Täter und Opfer des Krieges als Individuen kenntlich zu machen, ist ja nun wirklich nicht wenig.

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