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Berlinale-Blog: Ein Fest der Frauen

Foto: ROBYN BECK/ AFP

Berlinale-Blog Wir müssen über die Frauen reden

Schon gemerkt? Wenn wir über Männer auf der Berlinale reden, dann meistens über Schluffis und Problembären. Dabei dominieren große Filmdiven und tolle, sogar tierische Newcomerinnen das Filmfestival. Steven Soderbergh erschuf für seinen Actionfilm "Haywire" sogar einen weiblichen James Bond.

Liebe Geschlechtsgenossen, habt ihr heute schon mal in den Spiegel geschaut? Ja? Und was habt ihr gesehen? Also bei mir waren es ziemlich dunkle Augenringe und ein Gesichtsausdruck, der nach einer Woche Berlinale ins Jämmerliche tendiert. Nicht schön. Passt aber zu den Männerfiguren, die den Wettbewerb des Festivals bevölkern.

Elend weit und breit: In Hans-Christian Schmids "Was bleibt" wollen Söhne eigentlich nur in Mamas Schoß, im Zhang Yimous "The Flowers of War" spielt Christian "Batman" Bale einen Anti-Indiana-Jones in China, der sich zweieinhalb Stunden lang von Frauen zu Heldentaten hintragen lässt. In "Jayne Mansfield's Car" grämen sich gleich drei Generationen Kerle wegen ihrer Kriegstraumata - und der sexy Mönch in "Metéora" kriegt seine scharfe Nonne am Ende auch nicht, sondern bleibt im Kloster. Herrje. Allein Ronald Zehrfeld macht als smarter DDR-Arzt in Christian Petzolds "Barbara" eine gute Figur. Aber, aufgepasst: Womit schafft er es, die toughe Titelheldin Nina Hoss einzuwickeln? Kleingarten und Kochkünste. Na toll.

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Berlinale-Blog: Gefährliche Blicke, verbotene Taten

Foto: Berlinale

Nein, man hat es ja schon zu Beginn der Berlinale gemerkt: Dieses Festival ist fest in Frauenhand. Bis Dienstag ging es ohnehin meistens um Angelina Jolie. Gut, zwischendurch auch mal kurz um Nina Hoss und "Iron Sky"-Nazi-Blondine Julia Dietze. Aber als Frau Jolie mit ihrem Kriegsdrama "In The Land of Blood and Honey" am Dienstag die Stadt verließ, sprang gleich Ehrenbären-Trägerin und Hollywood-Kollegin Meryl Streep in die Bresche, um die weibliche Dominanz hochzuhalten. Und dann spielt sie auch noch ausgerechnet die "eiserne Lady" Margaret Thatcher.

Schon der Eröffnungsfilm "Les Adieux à la Reine" drehte sich nur um Frauen; Hauptdarstellerin Léa Seydoux spielte sogar noch in einem zweiten Wettbewerbsfilm mit ("L'enfant d'en haut") und zeigte dabei eindrucksvoll, dass sie sowohl Historienfilm als auch Sozialdrama mit trotzigem Schmollblick beherrscht. Währenddessen hatte Corinna Harfouch in "Was bleibt" auch als depressive Mutti noch alle Fäden in der Hand. Und im leider misslungenen spanischen Beitrag "Dictado" ist es sogar ein kleines, süßes Mädchen, das einen erwachsenen Mann um den Verstand bringt.

Mit Pauken und Trompeten in einen dreistündigen Bilderreigen

So ging es denn auch bei Doris Dörrie weiter. Sie zeigte ihren neuen Film "Glück" in der Special-Reihe des Festivals, wo die recht konventionell erzählte Liebesgeschichte zwischen einer illegalen mazedonischen Immigrantin und einem Berliner Herumtreiber auch gut aufgehoben ist. Vorlage war eine Kurzgeschichte von Gerichts-Prosaiker Ferdinand von Schirach. Wirklich aufsehenerregend daran ist aber eigentlich nur die Hauptdarstellerin Alba Rohrwacher, die vor ein paar Jahren auf der Berlinale zum Shooting-Star gewählt wurde und seitdem vor allem in ihrer Heimat Italien berühmt wurde.

Berührend ist es, wie sie in "Glück" als vergewaltigter und vertriebener Teenager Irina in Berlin ihr Schicksal erst als Prostituierte selbst in die Hand nimmt und dann dem Taugenichts Kalle (Vinzenz Kiefer), in den sie sich verliebt, die Flausen aus dem Kopf treibt. Man möchte Frau Rohrwacher jetzt bitte öfter in deutschen Produktionen sehen.

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Familiendramen auf der Berlinale: Mensch, redet doch miteinander!

Foto: 23/5 Filmproduktion

Mit Frauen kennt sich auch der chinesische Filmemacher Wang Quan'an aus, immerhin gewann er 2006 mit einem tragikomischen Film über eine junge Mongolin, die für ihren behinderten Mann und ihre Kinder sorgen muss, den Goldenen Bären. Die leisen Töne von "Tuyas Hochzeit" legte Wang aber für sein Historienepos "Bai Lu Yuan" ("White Deer Plain") komplett ab und stürzte sich mit Pauken und Trompeten in einen dreistündigen Bilderreigen, der ins China des beginnenden 20. Jahrhunderts führt. Am Schicksal einer Gemeinde von Weizenbauern in der Provinz Shaanxi wird gezeigt, wie sich die chinesische Gesellschaft zwischen dem Zusammenbruch des Kaiserreichs und dem Einmarsch der Japaner Ende der dreißiger Jahre politisch und ethisch selbst zerfleischt.

Zentrale Figur in diesem von Trieben, Gier, überkommenen Traditionen und politischen Ideologien verblendeten Männern handelnden Drama ist jedoch eine Frau, die als Fremde in das Bauerndorf kommt, erst dem Sohn des Clanchefs und obersten Tugendwächters den Kopf verdreht, dann seinem besten Freund und letztlich sogar dem Bürgermeister - bis die Moral ins Mörderische kippt. Zhang Yuqi spielt die schöne Xiao'e als femme fatale und dient Regisseur Wang gleichzeitig als Metapher für sein bezauberndes, aber geschundenes und zum Unglück verdammtes Mutterland. Denn natürlich geht das Gerangel auch für Xiao'e nicht gut aus.

Gina rennt, schießt, tritt und kloppt

Wangs Film basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Chen Zhongshi, der in China lange Zeit wegen seiner expliziten Sexszenen verboten war. Die finden sich im Film nun (leider) nicht wieder, dafür bedient sich die verführerische Xiao'e gerne auf unterschiedliche Weise ihres Urins, um Macht über ihre verschiedenen Männer auszuüben. Lassen wir es dabei.

Einer weiblichen Heldin hat sich auch US-Regisseur Steven Soderbergh bedient, der sich mit seinem grundsoliden und elegant gefilmten Actionfilm "Haywire" wieder eine kleine Mainstream-Fingerübung leistete, um den Geldbeutel aufzufüllen. Dafür erfanden er und Drehbuchautor Lem Dobbs die ultraharte Agentin Mallory Kane, verkörpert von der mehrfachen Martial-Arts-Weltmeisterin Gina Carano, die sich nicht nur beim Verprügeln Dutzender Kontrahenten sehen lassen kann. Carano ist natürlich eigentlich keine Schauspielerin, daher gruppierte Soderbergh ("Ocean's Eleven") gleich eine ganze Riege erlesener Mimen um sie herum: Michael Fassbender, Ewan McGregor, Antonio Banderas, Mathieu Kassovitz, Bill Paxton und Michael Douglas. Die Jungs dürfen ihre Charaktergesichter in die Kamera halten, während Gina rennt, schießt, tritt und kloppt. Ein großer Spaß - und eine Actionheldin, die es locker mit Bourne und Bond aufnehmen kann.

Jetzt ist Ihnen sicher schon etwas aufgefallen. Nämlich, dass es, mit Ausnahme von Doris Dörrie ("Glück") und Phyllida Lloyd ("The Iron Lady"), durchweg Männer sind, die hier mit viel Verve starke Frauen inszenieren. Männerfiguren sind wohl gerade langweilig, darüber sollten wir mal nachdenken. Indonesiens große Regie-Hoffnung Edwin geht beim Feiern der Weiblichkeit gleich noch einen beherzten Schritt weiter: Hauptfigur in seinem Regie-Debüt "Kebun Binatang" ("Postcards from the Zoo") ist nämlich nicht nur ein entzückendes Mädchen, das im Zoo lebt, sondern vor allem eine wunderschöne und sehr anmutige Giraffe.

Frau Hoss, ziehen Sie sich warm an am Samstag, vielleicht gibt es eine tierische Überraschung bei der Verleihung des Silbernen Bären an die beste Darstellerin.

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