Nach Kritik Berlinale-Chefin verteidigt Pläne für genderneutralen Schauspielpreis

Die Änderung werde Ungerechtigkeit nicht abschaffen: Dass es auf der Berlinale ab 2021 genderneutrale Schauspielpreise geben soll, wurde stark kritisiert. Festspiel-Chefin Mariette Rissenbeek bekräftigt nun ihre Pläne.
Wird nun genderneutral vergeben: der Silberne Bär

Wird nun genderneutral vergeben: der Silberne Bär

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Kay Nietfeld / picture alliance / dpa

Nach der Kritik an der Vergabe eines genderneutralen Schauspielpreises hat Berlinale-Chefin Mariette Rissenbeek die Pläne verteidigt. Geschlechtergerechtigkeit müsse zuerst an der Basis, also in den Produktionsfirmen geschaffen werden und nicht im Nachhinein, wenn die Filme entstanden seien, sagte sie Deutschlandfunk Kultur. Beim neuen Preis könne es durchaus sein, dass sowohl für die beste Haupt- als auch die beste Nebenrolle eine Frau gekürt werde.

Vor einer Woche war bekannt geworden, dass die Auszeichnungen für den besten Darsteller und die beste Darstellerin ab 2021 wegfallen sollen. Stattdessen werden auf der Berlinale die genderneutralen Preise "Silberner Bär für die Beste Schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle" und "Silberner Bär für die Beste Schauspielerische Leistung in einer Nebenrolle" vergeben. Dies sei "ein Signal für ein gendergerechteres Bewusstsein in der Filmbranche", so das Leitungsduo der Berlinale.

Diese Entscheidung rief einige Kritik hervor: Die Berlinale versuche, politisch korrekter zu sein als korrekt. Damit erweise sie der Gender- und Diversitätsgerechtigkeit einen Bärendienst, hieß es vom Deutschen Schauspielverband. Dieser "pseudogenderneutrale Schauspielpreis" werde nichts an dem System der Chancenungleichheit ändern, kritisierte auch der Verein Pro Quote Film. "Die Berlinale Leitung ignoriert bei ihrer Entscheidung die bestehenden ungleichen Machtverhältnisse die, wie überall, in der Branche und in den Strukturen der Festivals fest verankert sind." Diese würden noch verstärkt, so Barbara Rohm, Vorsitzende von Pro Quote Film.

Kein Preis für gendersensible Darstellung

Rohms Vorschlag, einen Preis für gendersensible Darstellung zu schaffen, wies Berlinale-Chefin Rissenbeek bei Deutschlandfunk Kultur zurück. Sie glaube nicht, dass die Berlinale-Leitung ihre Entscheidung, genderneutrale Preise zu vergeben, überdenken werde.

evh
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