Berlinale Goldener Bär für britischen Flüchtlingsfilm

Das Flüchtlingsdrama "In This World" hat bei der Berlinale gleich doppelt abgeräumt: Der Beitrag des britischen Regisseurs Michael Winterbottom wurde mit dem Goldenen Bären und dem Friedensfilmpreis ausgezeichnet.


Michael Winterbottom
REUTERS

Michael Winterbottom

Berlin - Winterbottom erzählt in seinem Film vom Schicksal zweier afghanischer Flüchtlinge, die in den vermeintlich goldenen Westen wollen. Der Weg der Beiden führt von einem Flüchtlingslager in Pakistan über die Türkei nach Westeuropa. Eingepfercht mit Dutzenden anderen Menschen in einem Frachtcontainer, stirbt einer der Beiden.

"In This World" ist der vierte Kinofilm von Winterbottom, einem Stammgast der Berlinale. Sein neuestes Werk bedient sich eines fast dokumentarischen Stils, um die erschütternde Geschichte der Flüchtlinge zu schildern. Bei den Dreharbeiten in Pakistan gab Winterbottom gegenüber den offiziellen Stellen an, er wolle einen Film über historische Handelswege realisieren, sonst hätte er keine Dreherlaubnis bekommen. Großbritannien hatte zuletzt 1994 mit der britisch-irisch- amerikanischen Koproduktion "Im Namen des Vaters" einen Goldenen Bären erhalten.

Einen Silbernen Bären als beste Darstellerinnen erhielten die drei Hollywood-Stars Nicole Kidman, Meryl Streep und Julianne Moore für ihre Ensemble-Leistung in Stephen Daldrys Romanverfilmung "The Hours". Der bereits für neun Oscars nominierte Film verknüpft auf raffinierte Weise Leben und Werk von Virginia Woolf (Kidman) mit dem Schicksal einer in den fünfziger Jahren lebenden Hausfrau (Moore) und einer in der Gegenwart lebenden Lektorin (Streep).

Bester Hauptdarsteller wurde Sam Rockwell für die Hauptrolle in George Clooneys Regiedebüt "Confessions of a Dangerous Mind". Der US-Film erzählt vom Doppelleben des amerikanischen Gameshow- Erfinders Chuck Barris. Mit dem Regiepreis wird der Franzose Patrice Chéreau für sein Psychodrama "Son Frère" (Sein Bruder) ausgezeichnet.

Der Große Preis der Jury ging an die Hollywood-Satire "Adaption" von Spike Jonze mit Nicolas Cage in der Hauptrolle. Die deutsche DDR-Komödie "Good Bye, Lenin!" von Wolfgang Becker erhielt den "Blauen Engel" für den besten europäischen Film. Hans-Christian Schmids "Lichter" erhielt die Auszeichnung des internationalen Filmkritikerverbandes FIPRESCI. Oskar Roehlers "Der Alte Affe Angst" ging leer aus.

Ein Silberner Bär für eine künstlerische Einzelleistung als Drehbuchautor und Regisseur ging an den Chinesen Li Yang für seinen Film "Blinder Schacht" über illegale Arbeiter in Bergwerken. Den Silbernen Bären für die beste Filmmusik erhielten Majoly, Serge Fiori, Mamadou Diabaté für ihre Kompositionen zum senegalesischen Film "Madame Brouette".



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