Berlinale Goldener Bär für einen kraftvollen Chinesen

Überraschungssieger bei der Berlinale: Das chinesische Werk "Tuyas Ehe" hat den Goldenen Bären bekommen. Die Berliner Schauspielerin Nina Hoss erhielt den Silbernen Bären als beste Darstellerin - und auch Martina Gedeck ging nicht leer aus.


Berlin - Der Film "Tuyas Ehe" unter der Regie von Wang Quan'an schildert die Geschichte einer Hirtin in der Inneren Mongolei, die sich allen Widrigkeiten zum Trotz von ihrem Schicksal nicht unterkriegen lässt. Wang sagte in seiner Dankesrede, als er mit dem Filmen begonnen habe, habe sein Lehrer ihm geraten, er solle die Träume der Menschen zeigen. "Dieser Film hat meine Träume wahr werden lassen", sagte Wang, der die Auszeichnung von US-Regisseur und Jury-Präsident Paul Schrader entgegen nahm.

Der in sehr ruhigen, kraftvollen Bildern erzählte Film entwickelt seine Sogkraft aus einer geschickten Balance von Humor und Tragik. Besonders beeindruckt das Spiel der Hauptdarstellerin Yu Nan. Der Film beschwört vor allem die Kraft der Frauen, selbst schwierigste Situationen zu bewältigen.

Nina Hoss erhielt den Silbernen Bären für ihre Titelrolle in Christian Petzolds Drama "Yella". Der Film erzählt vom Schicksal einer Ostdeutschen, die im Kapitalismus Fuß fassen will und scheitert. Nina Hoss sagte, sie habe nicht damit gerechnet, den Preis zu erhalten. "Mein Herz schlägt so doll", gab sie zu. Sie habe gedacht, Schauspielerin Marianne Faithfull würde für ihre Hauptrolle in "Irina Palm" geehrt werden. Das dachten auch einige Zuschauer, die sich über Zwischenrufe bemerkbar machten.

Noch eine weitere deutsche Schauspielerin durfte sich über den Silbernen Bären freuen. Martina Gedeck nahm den Preis stellvertretend für das Team des Films "Der gute Hirte" entgegen. Der Streifen von Regisseur Robert de Niro schildert die Gründungsgeschichte des US-Geheimdienstes CIA. Neben Gedeck spielen in dem dreistündigen Opus so namhafte Filmstars wie Matt Damon und Angelina Jolie.

Den silbernen Bären für den besten Darsteller erhielt Julio Chavez in "Der Andere". Der Film des argentinischen Regisseurs Ariel Rotter heimste auch den Großen Preis der Jury ein. Der Silberne Bär für die beste Filmmusik ging an den britischen Film "Hallam Foe" von Regisseur David MacKenzie. Der israelische Film "Beaufort" von Joseph Cedar hat den silbernen Bären für die beste Regie gewonnen.

Als Bester Erstlingsfilm wurde "Vanaja" ausgezeichnet. Der indische Film schildert die Ausbildung einer armen Fischertochter zur Tänzerin. Der im Wettbewerb leer ausgegangene koreanische Streifen "Ich bin ein Cyborg, aber das macht nichts" erhielt den Alfred-Bauer Preis für einen Film, der "neue Perspektiven der Filmkunst eröffnet".

Im Rennen um den Goldenen und die Silbernen Bären der Internationalen Filmfestspiele waren insgesamt 22 Filme, die von der Internationalen Jury unter Vorsitz von US-Regisseur Paul Schrader bewertet wurden. Charlotte Roche moderierte die Veranstaltung mit rund 1600 Gästen.

Über den roten Teppich am Potsdamer Platz schritt allerlei Prominenz: Neben den Preisträgern waren einige Berühmtheiten aus der Filmbranche zu sehen, unter anderem Otto Sander, Joachim Krol, Wim Wenders, Eva Mattes, Daniel Barenboim und Barbara Schöneberger.

Das Interesse an der Berlinale 2007 war nach Angaben der Veranstalter sowohl seitens der Fachbesucher als auch des Publikums größer denn je. Mehr als 19.000 Akkreditierte aus 127 Ländern, darunter 4000 Journalisten, kamen zum Festival. Die Berlinale zählte rund 430.000 Kinobesuche, davon gingen etwa 200.000 Tickets ans Publikum. Insgesamt wurden 373 Filme aus über 50 Ländern in 1190 Vorführungen gezeigt. Das Festival geht am Sonntag mit dem "Kinotag" zu Ende, der ganz dem Publikum gehört.

reh/ler/ddp/dpa/AFP/AP



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