Berlinale Goldener Bär für "Intimacy"

"Mutige Entscheidung": Das französische Erotik-Drama "Intimacy" von Patrice Chereau hat den Goldenen Bären der 51. Berlinale gewonnen. Benicio Del Toro wurde für seine Rolle in "Traffic" als bester Darsteller ausgezeichnet.


"Intimacy": Ungewöhnlich freizügige Sex-Szenen
Internationale Filmfestspiele Berlin

"Intimacy": Ungewöhnlich freizügige Sex-Szenen

Berlin - Mit dem Goldenen Bären für das französische Erotik-Drama "Intimacy" von Patrice Chereau hat Europa das übermächtige Hollywood bei der 51. Berlinale aus dem Feld geschlagen. Der Film, der bereits vor der Verleihung als Favorit gehandelt worden war, erhielt zum Abschluss der Internationalen Filmfestspiele am Sonntag außerdem den Silbernen Bären für die beste Darstellerin (Kerry Fox) und den mit 50.000 Mark dotierten "Blauen Engel" für die beste Regie. Frankreich und damit Europa hatte zuletzt 1995 einen Goldenen Bären mit dem Film "Der Lockvogel" von Bertrand Tavernier gewonnen.

Silberne Bären gingen an den chinesischen Film "Beijing Bicycle" von Wang Xiaoshuai und an die umjubelte dänische Komödie "Italienisch für Anfänger" von Lone Scherfig. Der Abschlussfilm der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin "My Sweet Home" von dem seit Jahren in Berlin lebenden griechischen Regisseur Filippos Tsitos ging leer aus.

Im Wettbewerbs-Sieger "Intimacy" erzählt der 56-jährige Regisseur Chereau, Opernregisseur des "Jahrhundert-Rings" bei den Bayreuther Richard-Wagner-Festspielen 1976, in ungewöhnlich freizügigen Bildern von der sexuellen Obsession zwischen einem Mann und einer Frau. "Die Sex-Szenen beginnen dort, wo sie in anderen Filmen aufhören", erklärte Chereau. "Man kann den Film aber nicht auf die Sex-Szenen reduzieren, denn plötzlich geschieht zwischen den beiden so etwas wie Liebe". Der Film wurde in London in englischer Sprache gedreht und basiert auf Kurzgeschichten von Hanif Kureishi.

De Hadeln: "Die Berlinale ist nicht der Vatikan!"

Der nach 22 Jahren aus dem Amt scheidende Festivalleiter Moritz de Hadeln zeigte sich hocherfreut über diese "mutige Entscheidung" der Jury unter dem Vorsitz des amerikanischen Filmproduzenten William "Bill" Mechanic ("Titanic"). "Ich war begeistert von diesem fantastisch gespielten Film mit einem bewegenden Thema." Zu den von manchen Seiten geäußerten Vorwurf, der Film sei pornografisch, meinte er: "Wo leben wir denn? Die Berlinale ist nicht der Vatikan!"

Silberner Bär für Benicio Del Toro

Der auf der Berlinale viel beachtete amerikanische Drogen-Thriller "Traffic" von Steven Soderbergh erhielt nur einen Silbern Bären für Benicio del Toro als besten Darsteller des Festivals. Er spielt in dem Film mit Michael Douglas einen mexikanischen Drogenfahnder. In der vergangenen Woche war der Film in den USA fünf Mal für den Oscar nominiert worden.

Ein Silberner Bär ging auch an den taiwanesischen Regisseur Lin Cheng-Sheng für sein Jugenddrama "Ai Ni Ai Wo"("Betelnut Beauty"). Als bester Kurzfilm des Festivals wurde "Ame Noire" ("Schwarze Seele") von Martine Chartrand (Kanada) mit einem Goldenen Bären ausgezeichnet.

© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.