Filmregisseur Bernardo Bertolucci ist tot

Ein Großer des italienischen Kinos ist tot: Bernardo Bertolucci bekam den Oscar für "Der letzte Kaiser", sein "Letzter Tango in Paris" ist bis heute umstritten. Nun ist der Regisseur im Alter von 77 Jahren gestorben.

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Der Filmregisseur Bernardo Bertolucci ist gestorben. Das berichten italienische Medien. Für "Der letzte Kaiser" von 1987 bekam er den Oscar für die beste Regie, einer von insgesamt neun Academy Awards, mit denen der Film ausgezeichnet wurde. Schon in den Siebzigerjahren war Bertolucci für das Drehbuch zu "Der große Irrtum" und die Regie von "Der letzte Tango in Paris" nominiert worden.

"Regisseur und Weltbürger" war ein Filmporträt Bertoluccis aus den Nullerjahren betitelt: Bernardo Bertolucci war ein integraler Bestandteil der italienischen Filmszene, wirkte aber weit darüber hinaus und arbeitete auch immer wieder mit internationalen Teams. Für seinen Welterfolg "Der letzte Kaiser" durfte er als erster westlicher Regisseur überhaupt in der Verbotenen Stadt in China drehen.

Bernardo Bertolucci wurde am 16. März 1941 in Parma in eine intellektuelle, großbürgerliche Familie hineingeboren. Als Student in Rom gab er eine Gedichtsammlung heraus, zugleich machte er aber als Assistent von Pier Paolo Pasolini für dessen Film "Accattone" erste Schritte ins Filmgeschäft. Auf einem Drehbuch von Pasolini basierte auch Bertoluccis erster eigener Film, "La commare secca" (1962).

Wie Pasolini sah auch Bertolucci das Filmemachen verbunden mit seiner politischen Arbeit. 1968 trat er der Kommunistischen Partei Italiens bei. Für "Prima della rivoluzione" ("Vor der Revolution") bekam er 1964 einen Kritikerpreis bei den Filmfestspielen in Cannes, doch der größere Durchbruch kam erst 1970 mit "Der große Irrtum" über einen anpassungsfähigen Professor (gespielt von Jean-Louis Trintignant) zu Zeiten des Faschismus.

Andauernde Kontroverse um den "Letzten Tango"

Weltweit bekannt wurde Bernardo Bertolucci 1972: "Der letzte Tango in Paris" wurde bewundert, war aber auch umstritten wegen der Sexszenen, die der Weltstar Marlon Brando und die seinerzeit kaum bekannte Schauspielerin Maria Schneider miteinander drehten. Regisseur und Schauspieler wurden mit Haftstrafen bedroht und der Film durfte anfangs in italienischen Kinos nicht gezeigt werden.

"Der letzte Tango" wurde in den Siebzigern für zahlreiche Preise nominiert, doch in jüngerer Zeit ist er im Zuge der Debatte um Machtmissbrauch und Gewalt gegen Frauen im Filmgeschäft wieder stark in die Kritik geraten. "An alle Leute, die diesen Film lieben. Ihr seht euch an, wie eine 19-Jährige von einem 48 Jahre alten Mann vergewaltigt wird. Der Regisseur hat diese Attacke geplant. Mir ist schlecht", twitterte die US-Schauspielerin Jessica Chastain 2016. Bertolucci gab in einem Interview zu, dass er die Sequenz, in der Schneider anal vergewaltigt wird, gemeinsam mit Brando geplant und die Schauspielerin nicht informiert habe: "Ich wollte ihre Reaktion als Mädchen, nicht als Schauspielerin", erklärte er sich.

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In den Siebzigerjahren nutzte Bertolucci seinen neuen Ruhm, um das über fünf Stunden lange Bauern- und Klassenkampf-Epos "1900" zu verwirklichen. 1979 sorgte der Film "La Luna" über die inzestuöse Beziehung zwischen einer Opernsängerin und ihrem Sohn für neue Kontroversen.

Ehrenlöwe, Ehrenpalme

Von Italien weg wandte Bernardo Bertolucci seinen Blick in den Achtziger- und frühen Neunzigerjahren seinen Blick in fernere Weltregionen. Gemeinsam mit seinem kongenialen Kameramann Vittorio Storaro verfilmte er in China die Biografie des Kaisers Puyi, der als Zweijähriger gekrönt wurde und drei Jahre später wieder abdanken musste. "Der letzte Kaiser" war ein Welterfolg, er bekam in allen neun Kategorien, in denen er bei den Academy Awards 1988 nominiert war, die Auszeichnungen zugesprochen. Bertolucci drehte in der Folge die Literaturverfilmung "Himmel über der Wüste" (1990) und das Monumentalwerk "Little Buddha" (1993).

Als "Fantasien eines alten Mannes" wurde "Gefühl und Verführung" mit der Hauptdarstellerin Liv Tyler bei den Festspielen in Cannes 1996 kritisiert. Bessere Kritiken erhielt 2003 "Die Träumer" über eine Dreierbeziehung im revolutionären Jahr 1968. "Ich und du" von 2012 sollte Bernardo Bertoluccis letzter Film bleiben. Der Regisseur wurde schon 2007 beim Filmfestival von Venedig mit einem Ehrenlöwen fürs Lebenswerk ausgezeichnet, 2011 gab es die Ehrenpalme in Cannes.

cpa/feb/dpa/AFP



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