Großer französischer Filmemacher Bertrand Tavernier ist tot

Er war vielseitiger und publikumsnäher als die Granden der Nouvelle Vague – Bertrand Tavernier prägte das französische Kino drei Jahrzehnte lang. Nun ist der Regisseur gestorben, er wurde 79 Jahre alt.
Bertrand Tavernier (1941-2021)

Bertrand Tavernier (1941-2021)

Foto: Mary Evans Picture Library / imago images/Ronald Grant

Er war einer der wichtigsten Regisseure des französischen Kinos: Bertrand Tavernier wurde mit dem Goldenen Bären (»Der Lockvogel«, 1995) und dem Jurypreis (»Der Uhrmacher von St. Paul«, 1974) bei der Berlinale sowie dem Regiepreis in Cannes (»Ein Sonntag auf dem Lande«, 1984) ausgezeichnet. Er gewann fünf Césars und erhielt 2015 den Goldenen Löwen von Venedig für sein Lebenswerk.

Tavernier wurde am 25. April 1941 in Lyon geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog er mit seiner Familie nach Paris. Seine Liebe zum Film entdeckte er dort zusammen mit dem späteren deutschen Filmemacher Volker Schlöndorff, der an seinem Gymnasium Austauschschüler war. Zunächst arbeitete er als Filmkritiker, interviewte Regisseure und analysierte ihre Filmografien; seine Leidenschaft galt dem US-Kino, über das er mehrere Bücher verpasste, insbesondere dem Western. Er assistierte Jean-Pierre Melville und arbeitete als Presseattaché für Jean-Luc Godard.

Als Regisseur wanderte Tavernier in seiner Karriere zwischen Krimis, Psychothrillern, Historienfilmen, Science-Fiction, Romanzen und Satire. Er führte bei mehr als 50 Filmen Regie. Der erste, die Simenon-Verfilmung »Der Uhrmacher von St. Paul«, entstand auch Dank der Unterstützung durch seinen Hauptdarsteller Philippe Noiret, mit dem Tavernier in der Folge immer wieder zusammenarbeitete, es waren einige von Noirets größten Rollen, darunter in »Das Fest beginnt...«, »Der Richter und der Mörder« und »Der Saustall«, einer Abrechnung mit der französischen Kolonialherrschaft in Afrika.

Tavernier (links) mit Philippe Noiret

Tavernier (links) mit Philippe Noiret

Foto: photo / imago images/Prod.DB

Seine Auszeichnung in Cannes erhielt Tavernier für »Ein Sonntag auf dem Lande« über einen impressionistischen Maler, der in seiner Farbwahl selbst an die künstlerische Epoche erinnerte. Bertrand Tavernier scheute nicht vor Kostümfilmen zurück (»Die Passion der Beatrice« mit Julie Delpy oder »D'Artagnans Tochter« mit Sophie Marceau), drehte aber auch Kriminalfilme wie den Berlinale-Erfolg »Der Lockvogel«. Darin zeichnete er das ernüchternde Porträt einer jungen Generation, die für Geld buchstäblich über Leichen geht.

Bei den Dreharbeiten zu »Um Mitternacht«

Bei den Dreharbeiten zu »Um Mitternacht«

Foto: Rights Managed / imago images/Mary Evans

Eine besondere Stellung in Taverniers Werk nimmt »Um Mitternacht« von 1986 ein, in dem er die Pariser Jazz-Szene porträtiert. Herbie Hancock wurde für seinen Soundtrack mehrfach mit Preisen ausgezeichnet.

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Am Donnerstag ist Bertrand Tavernier in Sainte-Maxime im Département Var gestorben, wie französische Medien melden – mit Bezug auf das Institut Lumière für die Erhaltung und Verbreitung des französischen Filmerbes mit Sitz in Lyon. Dem Institut zufolge hinterlässt Tavernier seine Frau, zwei Kinder sowie Enkelkinder. Er wurde 79 Jahre alt.

feb/AFP/dpa
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