Besetzungsringelreihen Wer wird wer beim "Herrn der Ringe"?

Bei Peter Jacksons Verfilmung des Tolkien-Romans "Herr der Ringe" häufen sich die Gerüchte um die Rollenverteilung.

Von Rüdiger Sturm


Bruce Willis hat gebettelt. Der Star wollte unbedingt eine Rolle in dem Film "Jamboree", egal welche. Unter diesem Decknamen läuft die Besetzungsaktion für eines der größten Projekte, das Hollywood in den nächsten Jahren stemmen wird: Ab Oktober dreht der Neuseeländer Peter Jackson die dreiteilige Verfilmung von J.R.R. Tolkiens Fantasy-Epos "Der Herr der Ringe". Die Besetzungsfragen sorgen für ähnlich heftige Spekulationen wie bei "Star Wars Episode I - Die dunkle Bedrohung". Um die Flut an Gerüchten einzudämmen, veröffentlichte das produzierende New Line Studio eineungewöhnliche Stellungnahme: Aktuelle Vertragsverhandlungen werden nicht mehrkommentiert; stattdessen soll die 100-köpfige Besetzung bei einer großen PR-Aktion bekannt gegeben werden. Doch vergeblich, denn kaum ist ein Schauspieler für einen der sagenumwobenen Parts gebucht, landet diese Information auch schon auf den einschlägigen Websites. Ein regelrechtes Netzwerk von Fan-Spionen lauert auf jede Neuigkeit aus der Ring-Schmiede. Bisher stehen folgende Akteure definitiv fest: Elijah Wood ("The Faculty", "Deep Impact", "Der Eissturm") und Sean Astin ("Bulworth", "Die Goonies") spielen die Hobbit-Helden Frodo und Sam, Ian Holm ("Die Stunde des Siegers", "Brazil") Frodos Cousin Bilbo, und der Oscar-nominierte englischen Bühnenstar Ian McKellen ("Gods and Monsters", "Richard III") wird den Zauberer Gandalf abgeben. Regisseur Jackson, der letztes Jahr noch versprochen hatte, in erster Linie auf Unbekannte zu setzen, ist diesem Prinzip wenigstens teilweise treu geblieben. Als heroischen Thronerben Aragorn, eine der zentralen Figuren, engagierte er Stuart Townsend, der nur in britischen Produktionen wie "Simon Magus" oder durch eine Nebenrolle in John Sayles "Passion Fish" aufgefallen war. Die kleine, aber feine Nebenrolle des heimtückischen Ratgebers Schlangenzunge geht an Jeffrey Combs ("Re-Animator"). Doch auch einige renommierte Hollywood-Namen wie Uma Thurman und Gatte Ethan Hawke sollen sich auf der Besetzungsliste finden. Kate Winslet verhandelt angeblich wegen der Rolle der amazonenhaften Königstochter Eowyn. Während diese Gerüchte noch als glaubhafte Insider-Tips gelten dürfen, kursieren auch die wildesten Falschmeldungen durch Internet und Printmedien. Die "Wellington Evening Post" sah Danny DeVito in der Rolle des Bilbo. Im "Stern" wurde Christopher Lee als Gandalf ins Spiel gebracht; "Der Tagesspiegel" bezeichnete den "Herrn der Ringe" wegen seines 180-Millionen-Dollar-Budgets als das zweitteuerste Kinowerk aller Zeiten, ohne zubedenken, dass mit diesem Geld gleich drei Filme produziert werden. Hartnäckighielt sich auch das Gerücht, Peter Jackson hätte sich gegenüber einer Websitenegativ über "Star Wars Episode I - Die dunkle Bedrohung" geäußert. Seine PR-Beraterin Sian Clement verwahrte sich daraufhin öffentlich gegen "die unseriösen Versuche, eine Rivalität zwischen den beiden Trilogien zu fabrizieren." Die Konfrontation Lucas-Tolkien lässt sich jedoch nicht so leicht aus den Köpfen der Fans kriegen. Kurz nach dem US-Start von "Star Wars Episode I - Die dunkle Bedrohung" wollte eine Website wissen, welche Filme heißer erwartet werden: die nächsten "StarWars"-Fortsetzungen oder "Der Herr der Ringe"? Damals behielten die Jedi-Ritter noch mit 55 zu 45 Prozent die Oberhand.Während fast jeden Tag neue Infos und Irrtümer im Internet verbreitet werden, steht Jackson im heimischen Wellington unter Belagerungszustand. Als er Mitte Juli das Umland von Queenstown nach Schauplätzen auskundschaftete, stürzten sich am örtlichen Flughafen die Lokalreporter auf ihn. Offizielle Interviews gibt er ohnehin nicht mehr. Sein Büro wird gleichzeitig mit Anrufen von Fans und Möchtegern-Schauspielern bombardiert, die auf eine der 20.000 Statisten-Rollen hoffen. Vielleicht bekommt ja auch Bruce Willis hier eine Chance.



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