Black and White Mit der Digicam auf Identitätssuche

Was hat Claudia Schiffer in einem HipHop-Film zu suchen? Ungefähr so viel wie Mike Tyson. "Black and White" ist eine hypernervöse Identitätssuche mit vielen Prominenten.

Von Cristina Moles Kaupp


Reality bites: Digicam meets HipHop
Columbia Tri Star

Reality bites: Digicam meets HipHop

Schwarz wär gern Weiß wär gern Schwarz - eigenartig? Nicht, seitdem sich HipHop aus den Ghettos der Bronx hinauskatapultierte, um die Welt zu erobern. Das war Ende der Siebziger, und die Faszination an der Schwarzenmusik ist bis heute ungebrochen. Wuchtige Beats, frech gerappte Sprüche und ein supercooles Image, dazu eine Mixtur aus Weltanschauungen, Religion und Gangstermythos - Street Culture wird zum Millionengeschäft. Kids von der Straße setzen alles daran, um sich nach oben zu rappen, hin zu den Designerklamotten und Platinkreditkarten, und ihre weißhäutigen Altersgenossen, fasziniert von der coolen Szene, kopieren deren Sprache, Gestus und ihren Style, authentisch bis ins letzte Detail. Kein neues Phänomen, erst recht nicht für einen New Yorker Regisseur wie James Toback, der auch das Buch zu "Black And White" geschrieben hat - leider ziemlich krude und voller Klischees.

"Black and White" mischt Promis wie Claudia Schiffer und Mike Tyson mit Laien aller Couleur. Gemeinsam sind ihnen Identitätskonflikte, mit denen sie sich durch den Betondschungel New York schlagen. Warum allerdings eine Gruppe reicher weißer Teenies in der schwarzen Jugendkultur Authentizität und Lebenssinn sucht, erklärt der Film nicht. Toback nimmt sich nicht die Zeit für kleine Geschichten. Stattdessen zerrt er die Dokumentarfilmerin Sam (Brooke Shields) auf den Plan, die ebenfalls von dieser Thematik besessen ist. Mit ihrem schwulen Ehemann Terry (Robert Downey Jr.) im Schlepptau begleitet Sam die Schnöselclique durch die kaputten Straßen und schnuppert dabei in schwarzes Musiker- und Kleingangstermilieu hinein. Sie begegnet Rapper Method Man, Cigar (Raekwon) und Oli "Power" Grant, Mitglieder des Rap-Kollektivs Wu-Tang Clan. Ein leuchtendes Vorbild, denn der Weg dieses geschäftstüchtigen Kollektivs an die Spitze des Rap-Business ist beispiellos.

Claudia Schiffer als Anthropologin Greta
Columbia Tri-Star

Claudia Schiffer als Anthropologin Greta

Anders als im wahren Leben spielt Power im Film den Ex-Ganoven Rich, der sich nun legal am millionenschweren HipHop-Geschäft bereichern will. Wäre da nicht sein alter Freund Dean, der seine Basketballkarriere aus lauter Raffgier aufs Spiel setzt. Bestochen von dem dubiosen Undercover-Cop Mark (Ben Stiller), versiebt Dean ein Spiel. Dann fliegt der Handel auf, und ihm bleibt nichts anderes übrig, als Rich zu verraten, um seine Haut zu retten. Doch der ist längst informiert, ausgerechnet von Deans Freundin Greta - eine kühle Claudia Schiffer als Doktorandin der Anthropologie mit eindeutiger Vorliebe für schwarze Muskeln und Intrigen.

Natürlich muss es einen Toten geben, dazu Sex, Verrat und Rache. Nur Reue nicht, denn die wäre störend bei dieser oberflächlichen, hypernervösen Identitätssuche von Schwarz und Weiß, Hetero und Schwul, Reich und Arm. Übrig bleibt eine ungewöhnliche Prominentenparade, inklusive einem nach Ruhe und Frieden lispelnden Mike Tyson.

Black and White - Leben ohne Graustufen, USA 2000, Regie und Buch: James Toback. Darsteller: Scott Caan, Claudia Schiffer, Ben Stiller, Alan Houston, Brooke Shields, Oli "Power" Grant, Method Man, Mike Tyson. Länge: 98 Minuten, Verleih: Columbia, Start: 10. August.



© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.