Marvels schwarzer Superheld Black Power aus Wakanda

Ist die Zeit reif für einen Superheldenfilm mit fast ausschließlich schwarzen Darstellern? Regisseur Ryan Coogler und seine Hauptdarsteller erklären, wie sie "Black Panther" vorbereitet haben.

Ryan Coogler erinnert sich noch, wie er als Grundschüler in einem Comic-Laden in der Bay Area von San Francisco nach einem Superhelden fragte, "der so aussieht wie ich." "Ich habe Comics geliebt", sagt Coogler, heute 31, "und die waren ja ein großes Ding in den Neunzigern - all diese Zeichentrickserien, X-Men, Iron Man, Ninja Turtles. Aber es gab nicht viele schwarze Figuren. Hier und da eine, aber es waren nie die stärksten oder besten." Doch dann führte ihn jemand zum Regal mit den "Black Panther"-Heften.

Der Marvel-Comic, mit dem Stan Lee und Jack Kirby 1966 den ersten schwarzen Superhelden des amerikanischen Comic-Mainstreams schufen, dreht sich um eine technologisch hoch entwickelte afrikanische Zivilisation namens Wakanda, die in Isolation von der restlichen Welt existiert. Und um ihren König, der als Superheld sein Reich beschützt und verteidigt.

Diese Geschichte kommt jetzt als Teil von Marvels "Cinematic Universe" ins Kino. Regie führte Comic-Fan Coogler, der sich in den letzten Jahren mit "Fruitvale Station" und der "Rocky"-Neuauflage "Creed" als eines der größten jungen Regietalente Hollywoods empfahl. "Black Panther", dem für sein US-Startwochenende ein sagenhafter Umsatz von 150 Millionen Dollar vorhergesagt wird, ist ein Meilenstein des Kinos, der Kritiker wie Fans schon vorab elektrisiert: eine Blockbuster-Produktion mit einem schwarzen Regisseur und hauptsächlich schwarzen Schauspielern.

Der Weg zum Durchbruch

Es ist kein Film "mit einem schwarzen Superstar, der von einer weißen Besetzung umringt wird", wie Coogler sagt. Auch wenn "Black Panther" Chadwick Boseman ("Get on Up") seinen ersten Auftritt 2016 in einem ebensolchen Umfeld hatte: Eingeführt in die Heldenriege der Marvel-"Avengers" wurde er in "Captain America: Civil War". Jetzt bekommt er einen Solo-Auftritt, der, ähnlich wie DCs "Wonder Woman" im vergangenen Jahr, zu den politisch symbolträchtigsten Filmen des Genres zählt.

Der Weg zu diesem Durchbruch für afroamerikanische Künstler und Motive war allerdings länger als geplant.

Als Wesley Snipes im Juni 1992 ankündigte, "Black Panther" verfilmen zu wollen, war das für viele eine Sensation: Eine schwarze Utopie, die ein schwarzer Superstar einem weltweiten Kinopublikum bekannt machen würde, als "Gegenentwurf zu den Stereotypen von Afroamerikanern", wie Snipes damals sagte.

In den Chefetagen der Filmstudios allerdings wurde man blass: War dies der richtige Zeitpunkt für einen Film, dessen Titelheld an jene revolutionär radikale Partei erinnerte, die in den Sechziger- und Siebzigerjahren Polizeiübergriffe gegen Schwarze dokumentierte und schließlich zur bewaffneten Selbstverteidigung aufrief? Damals hatten sich die schweren Unruhen gerade erst beruhigt, die unter der schwarzen Bevölkerung in Los Angeles ausgebrochen waren, nachdem vier Polizisten, die den Afroamerikaner Rodney King vor laufenden Kameras fast zu Tode geprügelt hätten, freigesprochen worden waren.

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"Black Panther": Eine Vision von Wakanda

Foto: Disney

Schauspieler Snipes zeigte sich unbeeindruckt und begann mit der Arbeit an dem Projekt. Columbia Pictures war interessiert, John Singleton ("Boyz N The Hood") war als Regisseur im Gespräch. Aber dann versandete das Ganze. Statt als "Black Panther" war Snipes 1993 in der Sci-Fi-Action-Satire "Demolition Man" zu sehen - als schwarzer Bösewicht, gejagt von Sylvester Stallones Cop. Seine größte Rolle sollte nicht der Mann aus Wakanda sein, sondern 1998 der Vampirjäger "Blade" - immerhin der erste Blockbuster mit einem schwarzen Superhelden. "Aber wie viele schwarze Figuren gab es darin? Zwei?", fragt Ryan Coogler.

Im Sinne des Afrofuturismus

Im "Black Panther"-Film kann man nun, 20 Jahre später, die weißen Darsteller an einer Hand abzählen: Martin Freeman spielt einen CIA-Agenten, Andy Serkis ist als Schurke Klaue zu sehen. Cooglers Film ist aber nicht allein deswegen bedeutend. Er zelebriert zudem den sogenannten Afrofuturismus, also den Entwurf einer idealisierten, hochtechnisierten und autarken afroamerikanischen Utopie.

Boseman ist T'Challa, der nach dem Tod seines Vater T'Chaka zum rechtmäßigen Herrscher der Hochzivilisation in Wakanda aufsteigt und damit als "Black Panther" zum Beschützer der Nation wird. Aber es gibt Konkurrenten um die Herrschaft, und es gibt Fragen nach der zukünftigen Rolle des Wakanda-Volkes in der Welt - große Themen, die, wie Coogler sagt, an die Gegenüberstellung des militanten Malcolm X und des friedliebenden Martin Luther King anknüpfen und darüber hinausweisen.

Der bewegliche Begriff des Rassismus

Dass "Black Panther" einst von zwei weißen Männern geschrieben wurde, findet Coogler keineswegs ironisch. "Man darf ja nicht vergessen, dass Kirby und Lee jüdisch sind, und damals, als sie diese Geschichten erfanden, bedeutete das, fremd und anders zu sein." Rassismus, sagt Coogler, sei in Amerika ein beweglicher Begriff, Leute wie Kirby und Lee hätten in den Fünfzigern und Sechzigern nicht unbedingt als Weiße gegolten. "Wohl deswegen hat Lee, der für Marvel Helden wie Spider-Man, den Hulk und die X-Men schuf, mit seinen Comics stets die Kultur als Ganzes kommentiert - alle seine Figuren waren Außenseiter und Benachteiligte, die um Anerkennung und Gleichberechtigung rangen."

Vor einigen Jahren lernte Coogler den inzwischen 95 Jahre alten Lee auf dem Sundance-Filmfestival persönlich kennen. "Er beschrieb mir, wie wichtig es ihm war, eine schwarze Figur zu schreiben, die beste Voraussetzungen hatte, die ihre Abstammung kannte, die finanziell nicht übertölpelt werden konnte. Er schärfte mir ein, das richtig zu machen."

Also gingen Coogler und sein Hauptdarsteller die Dinge mit Bedacht an. Boseman versah seinen T'Challa mit einem afrikanischen Akzent. "Denn wenn Wakanda sich mit seiner hochzivilisierten Technologie und Intelligenz von der Welt isoliert hat", so der Schauspieler im Interview, "muss hier niemand nach Cambridge oder Yale gehen, um eine hochrangige Ausbildung zu genießen. Diese Leute sind nicht kolonialisiert." Untereinander spreche das Wakanda-Volk im Film die Sprache der Xhosa in Südafrika, der Stamm Nelson Mandelas.

Aber "Black Panther" ist auch ein Frauenfilm. Die Leibgarde des Königs, die "Dora Milaje", besteht aus Elitesoldatinnen, und T'Challas 16-jährige Schwester Shuri (eine Entdeckung: Laetitia Wright) ist, wie in einem Bond-Film, eine Art Q, die technologische Chefdesignerin Wakandas. "Für mich als Afroamerikaner", sagt Coogler, "sind Frauen die Eckpfeiler unserer Communities. Sie müssen es sein." Diese Erfahrung, sagt er, habe sowohl ihn als auch den Film geprägt. Laetitia Wright findet noch klarere Worte. "Frauen und farbige Frauen machen die ganze Zeit tolle Sachen. All das existiert! Man sieht es bloß nie im Kino. Aber jetzt holen wir das endlich nach!"

Video: Kino-Trailer zu "Black Panther"

Dass die aktuelle politische Situation in Amerika einen Einfluss auf den Film hatte, steht außer Frage, sagt Ryan Coogler. T'Challa sei auch deswegen eine wichtige Figur, "weil er seine Verantwortung auf eine Weise trägt, wie wir das lange nicht mehr gesehen haben." Im Film muss sich der Monarch die Frage stellen lassen: "Was für eine Art König willst du sein?" Das, findet Coogler, sei die zentrale Frage, nicht nur für die hochzivilisierten Menschen in Wakanda, sondern auch für alle Afroamerikaner: "Jetzt, wo wir eine Stimme haben - was wollen wir sagen?"

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