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Chris Hemsworth in "Blackhat": Sexiest Nerd Alive

Foto: DPA/ Marvel

Hollywoodstar Chris Hemsworth "Bescheidenheit macht sexy"

Müssen Hacker blass und picklig sein? In "Blackhat" spielt Hollywood-Schönling Chris Hemsworth den Super-Nerd, der Cyberterroristen jagt. Hier spricht er über Klischees und Superhelden-Rollen.

SPIEGEL ONLINE: Mr. Hemsworth, "Blackhat" zeichnet ein ziemlich deprimierendes Bild davon, wie unsicher unsere Daten sind. Haben Sie Konsequenzen gezogen?

Hemsworth: Ich habe meinen Laptop im Garten vergraben. Nein, ernsthaft: Unser Berater Christopher McKinaly, ein ziemlich profilierter Hacker, hat mir geraten, dies und jenes abzuspeichern, mein Passwort regelmäßig zu ändern - die offensichtlichen Dinge halt. Aber wenn jemand wirklich ins System will und genügend Zeit hat, dann wird er das vermutlich schaffen. Ich halte mich privat mit Computer und Internet eher zurück. Und meine Geheimnisse bewahre ich hier oben auf (tippt sich an die Stirn). Das ist vielleicht die sicherste Art damit umzugehen.

SPIEGEL ONLINE: Sie spielen im Film einen Hacker, der im Auftrag des FBI einem internationalen Cyber-Terroristen das Handwerk legen soll. Dabei sehen sie gar nicht wie ein Hacker aus.

Hemsworth: Ich habe dem Regisseur Michael Mann dieselbe Frage gestellt: Entspreche ich diesem Bild? Er sagte, unsere Vorstellung von einem Hacker sei sowohl demografisch als auch in vielerlei anderer Hinsicht bloß ein Klischee - Computer-Freaks und Hacker setzten sich aus allen Schichten und Altersklassen zusammen. Das hat mich beruhigt.

SPIEGEL ONLINE: Wir warten noch drauf, dass jemand wie Edward Snowden zum "Sexiest Man Alive" erkoren wird, wie das Ihnen neulich passiert ist. Was an Ihnen finden die Leute sexy?

Hemsworth: Wie beantwortet man solche Fragen, ohne wie ein Idiot zu klingen? Bescheidenheit hilft ein Stück weit, Sinn für Humor. Wenn ich überlege, wen ich früher bewundert habe und attraktiv fand: Das waren Leute, die riesige Fantasien ausgelebt haben. Es geht nicht um mich persönlich. Die Figuren, die ich spiele, sind viel wichtiger.

SPIEGEL ONLINE: Sie ziehen inzwischen so oft ihr Hemd aus wie Matthew McConaughey das früher getan hat.

Hemsworth: Man darf das nicht allzu ernst nehmen. Ich hatte damit ja nichts zu tun, meine Eltern haben mich gemacht. Danken Sie ihnen.

SPIEGEL ONLINE: Hatten Sie noch nicht die Idee, wie Christian Bale in "American Hustle" mit Bauch und Glatze aufzutreten?

Hemsworth: Das muss ich wohl demnächst tun, oder? Ich habe mich oft körperlich verändert: Mal mehr Muskeln, mal weniger Muskeln. Vor einer ungesunden Gewichtszunahme habe ich Angst, weil ich schon von einigen Kollegen gehört habe, dass sie damit ihren Stoffwechsel durcheinandergebracht haben. Matt Damon hat davon erzählt. Er hat ja für "Courage Under Fire" zugenommen und dann wieder viel Gewicht verloren. Er sagte, es falle ihm verdammt schwer, sein Gewicht zu halten. Und ich frage mich halt, ob es das wert ist - den Körper zu ruinieren.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind mit Matt Damon befreundet. Ist er für Sie auch ein Berater?

Hemsworth: Er ist eher ein Vorbild als ein Berater. Bevor ich ihn kennengelernt habe, hatte ich schon beobachtet, wie er sich in der Öffentlichkeit gibt: Er ist einfach immer der normale Typ - ohne irgendwelche seltsamen Allüren. Er kam mir früher schon wie ein guter Kerl vor, und das gefiel mir. Wir haben uns neulich über Paparazzi und dergleichen unterhalten und er sagte: "Es gibt kein Gegenrezept, aber das beste ist einfach, normal zu bleiben. Sei langweilig."

SPIEGEL ONLINE: Sie könnten es auch mit einer "McConnaissance" versuchen: Dunkel und nihilistisch statt strahlend und sexy. Mögen Sie Antihelden?

Hemsworth: Antihelden ziehen mich nicht sonderlich an. Aber Underdogs mag ich. Das ist ja auch das Ding mit Thor: Wenn er ein Gott ist und soviel Kraft und Macht hat, wer kann ihn dann schlagen? Und wen kümmert er dann überhaupt noch? Ich gebe allerdings zu: Noch ein Superheldenkostüm möchte ich nicht unbedingt anziehen. Das reicht mir erstmal. Manchmal denke ich: Ich hab keine Lust mehr zu kämpfen.

SPIEGEL ONLINE: Zuletzt haben Sie mit "Vacation" sogar eine Komödie gedreht.

Hemsworth: Das hat großen Spaß gemacht. Es war ziemlich angsteinflößend. Ich hatte so etwas noch nie gemacht, und um mich herum waren lauter große Komiker - wie Ed Helms oder Christina Applegate. Aber es war toll: Wir haben zwei Wochen lang nur gelacht.

SPIEGEL ONLINE: Wie man hört, sind Sie bei der Arbeit ein sehr disziplinierter Mensch.

Hemsworth: Für mich geht es immer um alles oder nichts. Ich bin ziemlich streng mit mir selbst. Vielleicht bringt mich das dazu, besser zu werden. Ich arbeite besser in einem strukturierten System. Wenn ich frei habe, lasse ich mich hängen. Dann weiß ich manchmal nicht, was ich mit mir anfangen soll.

SPIEGEL ONLINE: Ihren drei kleinen Kindern fällt bestimmt immer etwas ein, um sie zu beschäftigen, oder?

Hemsworth: Das stimmt, bei uns ist immer was los. Es ist chaotisch, aber es ist ein gutes Chaos. Die Jungs fangen gerade an zu krabbeln und man kann ihnen keine Sekunde lang den Rücken zuwenden. Zack, sind sie weg, erkunden irgendeinen Schrank.

SPIEGEL ONLINE: Welche Art von Vater sind Sie?

Hemsworth: Ich bin selbst ein großes Kind. Deshalb habe ich Spaß daran, mit den Kleinen die Welt zu entdecken: "Stimmt, das ist ganz schön interessant, unter dem Tisch herzukrabbeln und auf Gegenständen herumzukauen, die man eigentlich nicht in den Mund stecken soll." Ich hoffe, ich bin ein lustiger Vater, und ich möchte meinen Kindern das bieten, was meine Eltern mir gegeben haben: Eine Umgebung, in der man sich geliebt fühlt, in der man selbstsicher erwachsen werden kann und in der man sich traut, Neues auszuprobieren.

SPIEGEL ONLINE: Was hat Sie am Vatersein überrascht?

Hemsworth: Die Tatsache, dass man nicht ahnt, wie sehr man jemanden lieben kann. Natürlich liebe ich meine Familie, meine Frau. Aber Kinder: Das ist nochmal eine ganz andere Art von Liebe. Ihr Wohlbefinden ist alles, was zählt. Mir kommen die Tränen, wenn ich daran denke, dass ihnen etwas zustoßen könnte oder dass sie traurig sind.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind vor Kurzem in Ihre australische Heimat zurückgezogen. Kehren Sie Hollywood den Rücken?

Hemsworth: In Hollywood ist es auch schön - ich will mich auf keinen Fall beschweren, weil mir da so vieles ermöglicht wurde. Aber man wird in Hollywood auf Schritt und Tritt vom Showbusiness verfolgt. An jeder Straßenecke stehen Schilder mit Filmen, in denen man auch manchmal selbst mitspielt; jeder redet nur vom Business. Das ist erstickend. In Australien fühle ich mich wieder wie ein Mensch.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Bruder Liam ist mit den "Hunger Games" ebenfalls sehr erfolgreich in Hollywood.

Hemsworth: Einmal ist eine Frau am Flughafen auf mich zugekommen und hat gesagt: "Sie sind doch Schauspieler, oder?" - "Ja." - "Chris Hemsworth, nicht wahr?" - "Ja." - "Sie haben in 'Thor' mitgespielt." - Ja. - "Cool! Könnten Sie Ihren Bruder Liam von mir grüßen?"

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