"007"-Produzenten "Bond ist als Mann konzipiert, das wollen wir nicht ändern"

Gerade haben die Dreharbeiten von "Bond 25" begonnen, die Vorbereitung war chaotisch. Die Produzenten Broccoli und Wilson über die realen Bösewichte, Rollenbilder - und Diversität im Bond-Universum.

Daniel Craig als James Bond in "Spectre" von 2015
ddp/ INTERTOPICS/ LMKMEDIA

Daniel Craig als James Bond in "Spectre" von 2015

Ein Interview von


Zur Person
  • Mark Cuthbert/ Getty Images
    Barbara Broccoli wuchs als Tochter des Bond-Produzenten Albert R. Broccoli quasi mit Bond auf. Ihren ersten Job hatte sie bei 1983 "Octopussy", seit "Goldeneye" (1995) ist sie als Produzentin für die Reihe verantwortlich. Michael G. Wilson schrieb für fünf Bond-Filme, darunter "Der Hauch des Todes" und "Lizenz zum Töten", die Drehbücher. Als Produzent ist er seit 40 Jahren an der Reihe beteiligt. Ihr gemeinsamer Film mit dem Arbeitstitel "Bond 25" soll im April 2020 in die Kinos kommen.

SPIEGEL ONLINE: Frau Broccoli, Herr Wilson, von außen betrachtet scheint die Produktion von "Bond 25" die bislang schwierigste gewesen zu sein: Mit Danny Boyle und John Dodge hat der Film kurz vor Drehbeginn sowohl seinen Regisseur als auch seinen Drehbuchautor verloren. Sie mussten die Produktion um fast ein Jahr verschieben. Wie hat es sich denn von innen angefühlt?

Broccoli: Keine Produktion ist einfach. Aber hier war es schon schwieriger, das Ganze überhaupt zum Laufen zu bringen. Als Danny [Boyle] ausstieg, war das schon ein Rückschlag, aber wir haben uns freundschaftlich getrennt. Nun haben wir mit Cary [Fukunaga] als Regisseur und Co-Autor sowie Robert Wade, Neal Purvis und Scott Burns als Drehbuchautoren ein wunderbares Team zusammen. Uns war immer am wichtigsten, die Fans nicht zu enttäuschen und den bestmöglichen Film zu machen.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben zusätzlich noch die britische Showrunnerin Phoebe Waller-Bridge, von der Serienhits wie "Fleabag" und "Killing Eve" stammen, dazugeholt, um das Drehbuch zu überarbeiten. Was soll sie beitragen?

Broccoli: Daniel [Craig] hat sie vorgeschlagen, und wir sind sehr glücklich, sie dabei zu haben. Sie hat sowohl an einzelnen Storylines als auch Dialogen und dem Humor generell gearbeitet.

SPIEGEL ONLINE: Bond-Filme sind mit einem sich stetig ändernden kulturellen Klima konfrontiert: Immer wieder kochen die Debatten hoch, dass es Zeit für einen weiblichen Bond oder einem schwarzen Bond sei. Wie beeinflusst das Ihre Arbeit?

Wilson: Bond ist als Mann konzipiert, das wollen wir nicht ändern. Bond ist außerdem Brite, ansonsten gibt es keine Festlegungen. Hautfarbe spielt in jedem Fall keine Rolle.

Broccoli: Ich halte auch nichts davon, ursprünglich männliche Rollen für Frauen umzuschreiben. Mir ist es lieber, wenn Frauen originelle Figuren für Frauen schreiben.

SPIEGEL ONLINE: Bei der Präsentation von Cast und Crew sprach Cary Fukunaga davon, dass sich nach "Bond 25" ein neues Kapitel in der Reihe öffnen werde. Inwiefern wird "Bond 25" denn ein Kapitel beschließen?

Wilson: Wir werden Bond einige Strapazen zumuten. Er wird sich körperlichen und mentalen Herausforderungen stellen, wie er sie noch nicht gekannt hat. Wir werden auch Bezug auf die Geschichte der Filmreihe nehmen. Deshalb haben wir auch die aktuelle Präsentation von Bond-News auf Jamaika in dem ikonischen Haus, in dem Fleming seine Bond-Romane geschrieben hat, stattfinden lassen. Hier wird sich Bond auch zu Beginn des Films aufhalten. Er wird nicht mehr im Dienst sein und versuchen, das Leben zu genießen. Der Film soll aber nicht nostalgisch sein, er soll sowohl jüngere als auch ältere Fans ansprechen.

SPIEGEL ONLINE: Wie wollen Sie sicherstellen, dass sich auch jüngere Zuschauer den Film ansehen werden? Unter ihnen sind schließlich Themen wie Diversität und weibliche Selbstermächtigung sehr wichtig.

Wilson: Wir konzentrieren uns darauf, einen guten Film zu machen, einen mit einer guten Geschichte, der aufregend und ansprechend auf der ganzen Welt ist. Wir möchten mit unseren Filmen niemanden bekehren und auch keine spezifische politische Weltsicht vertreten. Wir bemühen uns aber, sie in der modernen Welt zu verorten und mit dem Zeitgeist gehen zu lassen.

SPIEGEL ONLINE: Zwischen Bond 24 und 25 werden fünf Jahre vergangen sein, wenn der neue Film im Frühjahr 2020 in die Kinos kommt. In dieser Zeit hat sich die Welt politisch stark verändert. Inwiefern spielt das mit rein?

Broccoli: Bond hat sich schon immer mit jeder Menge Bösewichten rumgeschlagen. Und Gott weiß, dass es mehr als genug von ihnen auf der Welt gibt. Unser Genre sind eben Fantasy-Abenteuerfilme, die sich thematisch darum drehen, wie Bösewichten das Handwerk gelegt werden kann. Dafür denken wir uns aber lieber neue aus.

SPIEGEL ONLINE: Was für ein Bösewicht wird denn Rami Malek sein, der gerade als Besetzung bekannt gegeben wurde?

Broccoli: In der Vergangenheit von Ramis Figur liegt etwas sehr Düsteres, ein dunkles Geheimnis. Er hat außerdem eine Verbindung zu einer anderen Figur aus dem Ensemble, die nicht Bond ist. Er ist also eine ziemlich undurchschaubare Figur - und eine todbringende. Bond wird es schwer fallen, ihm standzuhalten.

SPIEGEL ONLINE: Die Art, wie Blockbuster-Reihen von den Studios konzipiert werden, hat sich im Laufe der Bond-Reihe stark verändert. Haben Sie schon mal überlegt, das Franchise um Spin-Offs zu erweitern, wie es etwa " Star Wars" mit "Rogue One" oder "Solo" getan hat?

Broccoli: Nein, wir haben schon genug mit dem aktuellen Film zu tun.

Wilson: Wir orientieren uns da an Ian Fleming: Der hat auch nur über Bond und nicht über Nebenfiguren geschrieben.



insgesamt 38 Beiträge
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Seite 1
Das Pferd 25.04.2019
1.
Bond-Filme sind keine Erziehungssendungen, in denen erklärt wird, wie man risikoarm Auto fährt, sich gesund ernährt und korrekt mit Frauen umgeht. Waren sie noch nie. Das ist alle 2 Jahre mal Popcornkino. Könnte es nicht einfach dabei bleiben?
Aberlour A ' Bunadh 25.04.2019
2. Bond-Girls
Bond ist zwar als männliche Figur konzipiert, aber was wären Bond-Filme ohne "Bond-Girls"? Dabei sind die "bösen Bond-Girls" immer ein wenig interessanter gewesen, als die guten. Dennoch wäre es mal Zeit abzugraden. Eine Million Schüsse (von denen eh keiner trifft), eine Million Explosionen, eine Million Verfolgungsjagden - und das in ersten 5 Minuten des Films sind einfach too much. "The Spy Who Loved Me" war der letzte wirklich gute Bond-Film. Meiner Meinung nach.
EinInteressierterBuerger 25.04.2019
3. Diversity?
Brauche ich jetzt nicht unbedingt in jedem Film und die Bond-Filme haben mMn jetzt auch nicht den Anspruch politisch korrekt zu sein. Wichtig ist eher das es nicht zu abgedreht wirkt und die Story stimmt.
Mehrleser 25.04.2019
4.
"...sind schließlich Themen wie Diversität und weibliche Selbstermächtigung sehr wichtig..." Hier geht es um einen Kinofilm und nicht das Parteiprogramm der Grünen. Wobei die 007-Filme aufgrund ihrer exotischen - darf man das noch so schreiben? - Schauplätze immer Diversität in der Besetzung hatte. Möchte ich 007 als schwarze Transgenderperson sehen? Nein, genauso wenig wie Darth Vader, Spock oder Gandalf.
oelfinger 25.04.2019
5.
"Wie wollen Sie sicherstellen, dass sich auch jüngere Zuschauer den Film ansehen werden? Unter ihnen sind schließlich Themen wie Diversität und weibliche Selbstermächtigung sehr wichtig." Tatsächlich? Ob das vielen jüngeren Menschen SO wichtig ist daß sie nicht zwischen Fiktion und Realität unterscheiden können wage ich zu bezweifeln. Ausserdem: Ich will mich von einem Film unterhalten lassen. Da kann ich die großen Probleme der Welt auch mal vor dem Kinoeingang lassen.
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