Box Office Aus der Unterwelt in die Charts

Der Fantasy-Thriller "Underworld: Evolution" hat am Wochenende die amerikanischen Kinocharts erobert. Die wahren Box-Office-Abräumer sind jedoch die Golden-Globe-Gewinner. In Deutschland entwickelt sich überraschend die Komödie "Couchgeflüster" zum Publikumsrenner.


Los Angeles/Hamburg - Horror- und Fantasyfilme haben eine Art eingebautes Publikum. So überrascht es nicht, dass am Wochenende die Fortsetzung der düsteren Vampirsaga "Underworld" den meisten Umsatz brachte: Die durch den ersten Teil geschaffene Fangemeinde stürmte gleich zum Start in die Kinos, um den neuen, actionlastigen Abenteuern der attraktiven Vampirin Selene (Kate Beckinsale) beizuwohnen. 27,6 Millionen Dollar setzte "Underworld: Evolution" (Deutschlandstart am 2. März) in den ersten drei Tagen um.

Szene aus "Underworld: Evolution" (mit Kate Beckinsale): Verlässliche Fanbasis

Szene aus "Underworld: Evolution" (mit Kate Beckinsale): Verlässliche Fanbasis

Auf die hinteren Ränge ausweichen mussten die Spitzenreiter der Vorwoche, das Basketball-Drama "Glory Road" rutschte mit 9,13 Millionen Dollar Umsatz auf Rang drei ab; die boshafte Rotkäppchen-Animation "Hoodwinked" landete mit elf Millionen Dollar auf Platz zwei. Die Komödie "Last Holiday" besetzt mit 9,1 Millionen Dollar Umsatz den vierten Rang, gefolgt vom nun nicht mehr in limitierter Kopienzahl laufenden Golden-Globe-Gewinner "Brokeback Mountain".

Ang Lees Western über zwei homosexuelle Cowboys profitierte von dem Preissegen am vergangenen Montag wie kein anderer Film zuvor. Mit 7,8 Millionen Dollar Umsatz legte der Film um 35 Prozent gegenüber der Vorwoche zu. Laut US-Experten habe es zuvor noch nie einen so großen Sprung nach einer Golden-Globes-Verleihung gegeben. Ein Zeichen, dass man die als wichtigste Oscar-Indikatoren geltenden Filmpreise auch als kommerzielles Instrument ernst nehmen sollte.

Auch die Johnny-Cash-Biographie "Walk The Line" konnte sich gegenüber der Vorwoche verbessern. Der zweite Gewinner der Golden Globes steigerte seinen Umsatz gar um 77 Prozent, schaffte es aber nicht in die Top Ten der Box-Office-Charts.

Weitere Neustarts hatten weniger Glück am vergangenen Wochenende: Das Indio-Drama "End of the Spear" setzte 4,7 Millionen Dollar um und platzierte sich auf Rang acht. Die nur mit 161 Kopien angelaufene Satire "Looking for Comedy in the Muslim World" von und mit Albert Brooks setzte 455.000 Dollar um; die ambitionierte Dokumentation "Why We Fight" startete mit nur sechs Kopien und setzte 58.000 Dollar um.

In Deutschland gab es derweil eine Überraschung in den Kino-Charts: Die mit 243 neu gestartete romantische Komödie "Couchgeflüster" ("Prime") mit Uma Thurman und Meryl Streep belegte mit geschätzten 175.000 Besuchern Platz eins. Ähnlich erfolgreich war auch Rob Marshalls Bestseller-Verfilmung "Die Geisha", die von Warner Brothers mit 198 Kopien ins Rennen geschickt wurde und mit insgesamt etwa 145.000 Zuschauern Platz zwei belegte.

Dahinter folgen dicht gedrängt "Dick und Jane" mit rund 130.000 Kinogängern, "Herr der Diebe" mit 115.000 Besuchern sowie "Die Chroniken von Narnia - Der König von Narnia" mit 110.000 Zuschauern. Beachtlich hält sich Andreas Dresens Film "Sommer vorm Balkon", der mit rund 85.000 Zuschauern auf Platz sechs landete. Insgesamt wurden am Wochenende rund 1,5 Millionen Tickets gelöst.

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lejuge, 15.12.2005
1. Es ist schlimm ...
---Zitat von sysop--- Einer der teuersten Filme aller Zeiten lief an: Regisseur Peter Jacksons Mega-Unternehmen "King Kong" soll Maßstäbe setzen. Wie hat Ihnen die aktuelle Version des Monster-Stoffes gefallen? ---Zitatende--- ... dass die europäische Filme im Weihnachtszeiten von den Kinosälen vertrieben werden.
Mirrior 15.12.2005
2. Überraschend gut...
Mit gemässigten Erwartungen schaute ich den Film und muss zugeben, dass ich doch recht positiv überrascht war. Zwar darf man von dem Remake keine spektakulären Neuerungen erwarten, doch die Spezialeffekte waren beeindruckend. Auch wenn die Logik zuweilen böse auf der Strecke bleibt, so handelt es sich bei dem Film ja auch um "Popcornkino" und nicht um eine Naturdokumentation. Da darf dann auch die Hauptdarstellerin (im dünnen Abendkleid) durch das verschneite New York der dreissiger Jahre laufen, ohne dass ihr auch nur etwas kühl an den Schultern wird :-) Dennoch ist der Film unterhaltsam und sehenswert (nach meiner subjektiven Meinung)
georgeskoch, 15.12.2005
3. Überflüssiges Remake
Ein weiterer Beweis, dass der Filmindustrie die Ideen ausgehen. Ich verstehe auch nicht wieso sich die Medien, der Spiegel eingeschlossen,an diesem Film so hochziehen. Diese neue Version kann meiner Meinung nach niemals Kultstatus erreichen, den der alte Film bereits erlangt hat. Wir kennen inzwischen diese Computeranimationen in- und auswendig. Sie tragen einen Grossteil zur Langweile bei, die Hollywood verbreitet. Ich bin für jeden gut gemachten Film dankbar, der auf diesen Technik-Quatsch verzichtet.
HussVomBosporus, 15.12.2005
4.
---Zitat von georgeskoch--- Ich bin für jeden gut gemachten Film dankbar, der auf diesen Technik-Quatsch verzichtet. ---Zitatende--- Dem kann ich nur zustimmen. Computergraphik-Effekte sind nicht alles. Als ich im Kino "Stealth" gesehen habe, bin ich einige Male eingeschlafen und habe davon geträumt wie es denn wäre wenn ich auf meine Freundin gehört hätte und wir "Melinda & Melinda" geguckt hätten. Super-Effekte. Geile Explosion... aber ja und? Wen juckt das wenn die Geschichte nicht stimmt. Jedoch stört es mich nicht wenn die Effekte als Mittel zum Zweck benutzt werden, wie es zum Beispiel bei "Kung Fu Hustle" der Fall war. Da haben die Effekte Sinn ergeben. Gestern habe ich "King Kong" im Cinedom in Köln gesehen. Also echt klasse Film und er kann auch mit dem Original mithalten. Damals waren die Effekte ja auch revolutionär und ich denke, dass man über die Animation des Riesengorillas das gleiche sagen kann. Was mich jedoch stört ist was Kollege lejuge schon vorher schrieb. Filme aus anderen ländern werden vertrieben. Ich konnte meinen Augen nicht glauben, als ich sah, dass "King Kong" im Cinedom in etwa 8 von den 15 Kinosäälen lief. Da wundert es mich nicht, dass sich weder in Köln noch in Bonn ein einziges Kino finden lässt, in welchem der französische Film "Le Grand Voyage" ("Die große Reise") läuft, welcher offiziell am 24.11.2005 angelaufen sein sollte. Was bleibt da einem anderes übrig als sich den Film woandersher zu besorgen. Der Film war dann aber auch so, dass ich mir die DVD kaufen werde, was ich aber bei "King Kong" nicht behaupten kann. Auch ist mir das asiatische Kino zu wenig vertreten. Brilliante Filme wie "Ke Ke Xi Li" läuft in Köln in bloß einem Kino mit einer einzigen Vorstellung pro Tag. Gerne hätte ich mir gewünscht, dass so großartige Filme wie die "Infernal Affairs"-Trilogie im Kino gelaufen wäre. "Kung Fu Hustle" war ja ganz nett, aber muss man sich Asiakino immer nur auf Kung Fu und Jackie-Chan-Filme zurückgreifen. Ich halte Jackie Chan für einen großen Meister des Unterhaltungskino, aber es gibt so großartige Dramen aus Asien, die hier leider extrem vernachlässigt werden und wenn überhaupt mal auf DVD erscheinen.
mitglied, 15.12.2005
5. Hallo Hollywood, es gibt auch noch mehr Geschichten
Ich bin ja dafuer, dass massiv High Tech verwendet wird. Vermutlich werde ich den Film auch schauen, nur deswegen. Aber eine Story wird nicht besser, wenn man sie zweimal erzaehlt. Diese ist sooo was von kitschig, dass sie fast schon wieder gut ist. An Peter Jacksons stelle hätte ich aber doch lieber an einem eigenen Kult gearbeitet anstatt alte Kloesse aufzuwaermen. Deckel zu, Affe tot.
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