Box Office "Avatar" versinkt im Schnee

Der Wintereinbruch hat James Camerons 3-D-Epos "Avatar" die Rechnung verhagelt: Ein Umsatzrekord blieb zum Kinostart in den USA aus. Rekordverdächtig lief es auch in Deutschland weiterhin nur für Til Schweigers "Zweiohrküken".


Los Angeles/Hamburg - Das hatte sich James Cameron bestimmt anders vorgestellt: Zwölf Jahre nach "Titanic" wollte sich der Regisseur und Produzent mit "Avatar - Aufbruch nach Pandora", dem wohl teuersten Film der Kinogeschichte, eindrucksvoll zurückmelden. Doch der Auftakt am US-Box-Office fiel angesichts der zuvor geschürten Erwartungen eher mau aus; das 3-D-Science-Fiction-Abenteuer gilt branchenintern als technologische Revolution.

77.3 Millionen Dollar in 3452 Kinos spielte das bildgewaltige Epos mit Sam Worthington und Sigourney Weaver laut Branchenmagazin "Variety" von Freitag bis Sonntag ein. Das ist der beste Dezemberstart eines Films in den USA (bisher: "I Am Legend" mit 77,2 Millionen Dollar), aber wenig im Vergleich zu Blockbustern wie "The Dark Knight", "Spider Man 3" oder zuletzt "New Moon", die zum Start jeweils fast das Doppelte einspielten.

Schuld daran soll vor allem das Wetter sein, analysierte die "New York Times" am Sonntag. Lokale Fernsehstationen an der amerikanischen Ostküste hätten ihre Zuschauer gewarnt, am Samstag vor die Tür zu gehen, heißt es, und damit den stärksten Kinotag des Wochenendes negativ beeinflusst.

Fotostrecke

12  Bilder
James Cameron: Technologische Entwicklung vorantreiben

Dem Filmportal Boxofficemojo.com zufolge hat "Avatar" in den USA jedoch immerhin einen neuen 3-D-Rekord aufgestellt: Die Hälfte der Kopien waren in Kinos mit 3-D-Technik zu sehen, die geschätzte 52 Millionen Dollar eingespielt haben. Das ist deutlich mehr als der bisherige Spitzenreiter "Oben" (Originaltitel: "Up"), der im Sommer 35,4 Millionen mit 3-D-Kopien umsetzte.

In die deutschen Kinos kamen rund 900.000 Besucher in 732 Kinos - nur der siebtbeste Start des Jahres. "Avatar" darf sich in den kommenden Wochen nicht zu schnell von diesem Niveau entfernen, um die Erwartungen insbesondere der Studios nicht vollends zu enttäuschen und dem Produktions- und Marketingbudget von geschätzten 460 Millionen Dollar gerecht zu werden.

Wo die wilden Kerle versagen

In den hiesigen Kinocharts hält sich auf dem zweiten Platz hinter Camerons "Avatar" Til Schweigers "Zweiohrküken" sehr gut. Am dritten Wochenende wurden 370.000 Tickets verkauft, womit die Komödie weiterhin deutlich über den Ergebnissen des Vorgängerhits "Keinohrhasen" liegt.

Fotostrecke

11  Bilder
Neue Disney-Prinzessin: Schwarz statt weiß

Disneys handgezeichneten Familienfilm "Küss den Frosch" sahen 190.000 Kinogänger. "New Moon - Bis(s) zur Mittagsstunde", der zweite Teil der "Twilight"-Saga, knackte mit 130.000 Zusehern die Marke von drei Millionen Besuchern. Dahinter landete wie in der Vorwoche Roland Emmerichs Katastrophenspektakel "2012", das deutlich abbaute und nur noch 50.000 Karten verkaufte.

"Wo die wilden Kerle wohnen", die Adaption eines als nicht verfilmbar geltenden Kinderbuchklassikers durch den Kultregisseur Spike Jonze ("Being John Malkovich"), startete äußerst schwach: Nur 30.000 Besucher kamen in 214 Kinos. In Nordamerika waren die Wilden - übrigens überlebensgroße Puppen, keine Computeranimationen - im Oktober wesentlich erfolgreicher.

George Clooney top, Hugh Grant flop

Mit großem Abstand auf den Spitzenreiter "Avatar" findet sich am US-Box-Office Disneys "Küss den Frosch", der 12,2 Millionen Dollar einspielte. Dahinter: das Football-Drama "The Blind Side", das zehn Millionen Dollar umsetzte und insgesamt bereits auf 164,7 Millionen Dollar kommt. Der Film hat damit den Sommer-Hit "Selbst ist die Braut" (Originaltitel: "The Proposal") als erfolgreichsten Film in der Karriere von Hauptdarstellerin Sandra Bullock abgelöst.

Auf Platz vier landete die romantische Komödie "Haben Sie das von den Morgans gehört?" (Originaltitel: "Did you Hear About the Morgans?" mit mauen sieben Millionen Dollar Einspiel in 2718 Kinos. Als verheirateter Mann statt ewiger Junggeselle kommt Hugh Grant scheinbar nicht so gut an. Im Film wird seine Figur Paul Morgan samt baldiger Ex-Ehefrau (Sarah Jessica Parker) im Rahmen des Zeugenschutzprogramms in ein Kaff in Wyoming verfrachtet. Die Top Fünf wird vom "Twilight"-Sequel "New Moon" mit 4,4 Millionen Dollar komplettiert, in den USA hat die Vampirschmonzette inzwischen 274,6 Millionen Dollar eingespielt.

Für den Golden-Globe-Favoriten "Up in the Air" mit George Clooney in der Rolle des vielreisenden Geschäftsmannes Ryan Bingham läuft es weiter bestens. Die Dramedy von "Juno"-Regisseur Jason Reitman wurde von 72 auf 175 Locations ausgeweitet und setzte 3,1 Millionen Dollar um. Damit gelang dem Film auch ohne landesweite Vorführungen der Sprung unter die ersten Zehn.

Neu dabei ist das ebenfalls mehrfach Golden-Globe-nominierte "Nine" von "Chicago"-Regisseur Rob Marshall. In nur vier Kinos spielte die prominent besetzte Musical-Romanze 247.000 Dollar ein.

can

insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Shimodax, 21.12.2009
1. Schweiger PWND Spiegel.
Ansich ist mir der Film zwar egal, aber nach den elitär hochnäsigen Verrissen im Spiegel gönn ich Till Schweiger den Erfolg.
luckyallstar 21.12.2009
2. Unsinn
"Avatar versinkt im Schnee"? Bullshit. 73 Mio sind TOP Zahlen für ein NON-Franchise und NON-Sequel Film. Deshalb ist der Vergleich mit Dark Knight, New Moon und Spidey 3 völlig fehl am Platz. Denn dabei handelt es sich um große Franchises mit vielen Fans. "Schuld daran soll vor allem das Wetter sein, analysierte die "New York Times" am Sonntag." Damit ist nur gemeint, dass sie mit NOCH höheren Zahlen rechneten. Denn wie gesagt; 73 Mio sind völlig ausreichend für ein Opening Weekend. Abgesehen davon.. weltweit erzielte der Film bereits einen Rekord. Mit insg. $232.2 Mio zählt es als "highest-grossing nonfranchise, nonsequel opening ever."
Morgennebel 21.12.2009
3. Zustimmung
Zitat von ShimodaxAnsich ist mir der Film zwar egal, aber nach den elitär hochnäsigen Verrissen im Spiegel gönn ich Till Schweiger den Erfolg.
Dem kann ich nur zustimmen! Viel Erfolg, Herr Schweiger, mit allen ihren zukünftigen Filmen - und bleiben sie ruhig bei der Verfahrensweise mit dem Spiegel...
averell 22.12.2009
4. ...
Zitat von ShimodaxAnsich ist mir der Film zwar egal, aber nach den elitär hochnäsigen Verrissen im Spiegel gönn ich Till Schweiger den Erfolg.
Ich kann auch nicht gerade sagen, dass ich großer Till Schweiger Fan bin, aber irgendwie freut es mich für ihn, dass genau das eingetreten ist, was er im Spiegel Interview prophezeit hatte. Vielleicht sollte sich der eine oder andere vergeistigte Kritiker mal überlegen, für wen Filme gemacht werden und ob an Komödien der gleiche Maßstab angelegt werden sollte wie an Dokumentarfilme.
Dj Holgie, 23.12.2009
5. nix
Ich würds Avatar gönnen, weil endlich mal was neues und nicht der 6. Teil von z.B. Saw.. Endlich mal was gewagtes, innovatives. Meiner Meinung nach ein super Film, besonders technisch mal was neues, erfrischendes, der den Erfolg verdient hat.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.