Box Office Baden gehen mit Shyamalan und Schlossgespenst

Es war das Wochenende der unerfüllten Erwartungen: An der US-Kinokasse konnte M. Night Shyamalans neuer Mystery-Thriller "Lady in the Water" nicht gegen die Piraten der Karibik bestehen; in Deutschland zog "Hui Buh" gegen rasende Nagetiere den Kürzeren.


Los Angeles/Hamburg - Der "Fluch der Karibik" lastet schwer auf allen Neustarts im amerikanischen Kino. Selbst Star-Regisseur M. Night Shyamalan ("The Sixth Sense") hatte gegen Johnny Depp und seine Freibeuter aus "Pirates of the Carribean: Dead Man's Chest" keine Chance. Das Piraten-Sequel setzte an seinem dritten Wochenende noch einmal 35 Millionen Dollar um und durchbrach nach nur 16 Tagen als schnellster Film aller Zeiten die 300-Millionen-Dollar-Umsatzmarke. "Star Wars: Episode III - Die Rache der Sith" und "Spider-Man 2" waren jeweils einen Tag langsamer. Schon jetzt ist die Fortsetzung besser als der Original-"Fluch der Karibik" (Gesamtumsatz: 305,4 Millionen Dollar) und rangiert derzeit auf Platz 16 der ewigen Bestenliste.

Szene aus "Lady in the Water" (mit Bryce Dallas Howard, Paul Giamatti): Von Piraten im Regen stehen gelassen
Warner Bros.

Szene aus "Lady in the Water" (mit Bryce Dallas Howard, Paul Giamatti): Von Piraten im Regen stehen gelassen

M. Night Shyamalan musste sich laut "Blickpunkt: Film" mit seinem neuen Mystery-Thriller "Lady in the Water" sogar mit Platz drei der nordamerikanischen Box-Office-Charts zufrieden geben. Zum vielfach erwarteten Zweikampf an der Chartspitze kam es also gar nicht erst. Der seit "Sixth Sense" und "Signs" erfolgsverwöhnte Regisseur musste mit dem Wasser-Mysterium (Hauptrollen: Bryce Dallas Howard, Paul Giamatti) seine erste Umsatzniederlage hinnehmen. "Lady in the Water" spielte am Wochenende nur 18,2 Millionen Dollar ein.

Wahrscheinlich hatte man bei Warner Brothers zu sehr auf den zugkräftigen Namen des Filmemachers gesetzt und dabei den Mangel an erstklassigen Stars außer Acht gelassen. Shyamalan hatte für Schlagzeilen gesorgt, als er bekannt gab, dass er seinen 75 Millionen Dollar teuren Film nicht mehr für Disney drehen würde. Sein letzter für Disney, "The Village - Das Dorf", war vor zwei Jahren noch mit 50,7 Millionen Dollar Dollar angelaufen, gilt aber nicht zwingend als Kritiker- und Publikumsliebling. Den besten Start hatte vor vier Jahren "Signs - Zeichen" mit 60,1 Millionen Dollar. Nach dem schwachen Abschneiden von "Poseidon" und "Superman Returns" ist "Lady in the Water" schon die dritte Enttäuschung für Warner in diesem Sommer.

Mehr Glück hatte Konkurrent Sonys mit dem von Robert Zemeckis und Steven Spielberg produzierten Animations-Spektakel "Monster House", das am Wochenende mit 23 Millionen Dollar Umsatz auf Platz zwei gelangte. Die Horror-Komödie wurde mit demselben Motion-Capture-Verfahren aufgenommen, mit dem auch schon "Polar Express" produziert wurde.

Zwei weitere Neustarts finden sich in den amerikanischen Top Ten: Kevin Smiths lange herbeigesehnte Fortsetzung seines Debütfilms, "Clerks II", kam mit soliden 9,6 Millionen Dollar auf Platz sechs, gefolgt von der Superheldinnen-Komödie "My Super Ex-Girlfriend" (mit Uma Thurman, Luke Wilson), die 8,7 Millionen Dollar umsetzte.

Auch in Deutschland gab es enttäuschte Hoffnungen, in diesem Fall von Constantin, die für ihre Verfilmung von "Hui Buh, das Schlossgespenst" auf einen ersten Platz der Kinocharts gehofft hatten. Doch nicht einmal Bully Herbigs Stimme konnte etwas gegen die schiere Übermacht des amerikanischen Animationsfilms "Ab durch die Hecke" ("Over the Hedge") ausrichten. Nachdem das CGI-Abenteuer von Dreamworks in der vergangenen Woche bereits auf den zweiten Rang verdrängt worden war, sicherte es sich nun mit rund 285.000 Besuchern erneut die Spitzenposition (gesamt: 1,7 Millionen Zuschauer).

"Hui Buh" wurde als große deutsche Hoffnung des Kinosommers mit 686 Kopien ins Rennen geschenkt, konnte aber nicht mit den vormals ebenfalls im Sommer angelaufenen Bully-Hits "Der Schuh des Manitu" (954.303 Besucher) und "(T)Raumschiff Surprise" (2,2 Mio. Besucher) mithalten: Laut "Blickpunkt: Film" sahen den Film von Freitag bis Sonntag rund 230.000 Zuschauer. Das ist immerhin der zweitbeste Start eines deutschen Films in diesem Jahr hinter "Die wilden Kerle 3", der mit 639.368 Besuchern (bei 571 Kopien) angelaufen war. Nun muss man abwarten, wie sich Sebastian Niemanns Schlossgespenst am kommenden Wochenende gegen "Fluch der Karibik 2" halten kann.

Platz drei ging an den Vorwochenspitzenreiter "The Fast and the Furious: Tokyo Drift", der um mehr als 50 Prozent abbaute und noch etwa 200.000 Besucher in die Kinos lockte. Auf Platz vier landete "Poseidon" mit rund 70.000 Kinogängern, gefolgt von "Das Haus am See" mit etwa 65.000 Besuchern. Claude Chabrol schaffte es mit seinem neu gestarteten Film "Geheime Staatsaffären" (51 Startkopien) auf Platz sieben, wofür allerdings 12.000 Tickets ausreichten. Insgesamt wurden am Wochenende 1,1 Millionen Tickets verkauft.

bor

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