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27. Dezember 2010, 13:35 Uhr

Box Office

Coen-Western trotzt der Weihnachtsflaute

Alte Bauernweisheit aus Hollywood: Fällt Heiligabend auf einen Freitag, ist viel Platz in den Kinos. Die Überraschung: Ausgerechnet mit dem Western "True Grit" landen die Coen-Brüder in den USA ihren größten Hit. Die Deutschen mögen derweil Disney lieber als Donnersmarck.

Hamburg/Los Angeles - Der weihnachtliche Ansturm auf die Kinokassen ist ausgeblieben: 44 Prozent weniger Besucher als im Vorjahr kamen laut Branchendienst Boxofficemojo.com über die Feiertage in die US-amerikanischen Filmtheater. Das ist allerdings kaum verwunderlich: Wenn Heiligabend auf einen Freitag fällt, sind die Zahlen traditionell mau.

"Meine Frau, unsere Kinder und ich", der dritte Teil der "Fockers"-Saga, setzte sich wie erwartet an die Spitze der Kinocharts, schrieb aber zunächst nicht die erhofften Blockbuster-Zahlen: Am Weihnachtswochenende spielte der Film 34 Millionen Dollar ein, seit Filmstart am Mittwoch sind es insgesamt 48,3 Millionen Dollar. Zum Vergleich: "Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich", der zweite Teil der "Fockers"-Filmserie, startete 2004 ebenfalls an einem Weihnachtswochenende - und erzielte rund 12 Millionen Dollar mehr.

Die eigentliche Überraschung dieses Kino-Weihnachtens ist der neue Film der Brüder Ethan und Joel Coen: "True Grit", ein Remake des John Wayne-Klassikers "Der Marshall" von 1969, spielte am Wochenende 25,6 Millionen Dollar und seit Mittwoch 36,8 Millionen Dollar ein. Das ist erstaunlich, weil das Western-Genre in den USA als Kassengift gilt: Verstaubt, abgegrast und für ein junges Publikum uninteressant. Tatsächlich waren 70 Prozent derer, die sich "True Grit" angeschaut haben, über 25 Jahre alt, meldete der Verleih Paramount Pictures. Will heißen: Auch Menschen jenseits des College-Alters können in den USA für einen kleinen Kinohit sorgen. Und von den Coen-Brüdern schaut sich das Publikum offensichtlich auch gerne eine Pferdeoper an, - die beiden haben längst bewiesen, dass sie aus jedem Genrefilm ein funkelndes Unikat machen können. Für Ethan und Joel Coen ist "True Grit" der bislang größte kommerzielle Erfolg ihrer Karriere - der Film startete besser als "Burn After Reading", "No Country for Old Men" und "Oh Brother, Where Art Thou?".

"True Grit"-Hauptdarsteller Jeff Bridges darf sich doppelt freuen: Zum ersten Mal in seiner Karriere belegt der Schauspieler gleichzeitig die Plätze zwei und drei der US-Kinocharts. Der Film "Tron: Legacy", in dem Bridges eine der Hauptrollen spielt, erzielte am zweiten Wochenende 20,1 Mio. Dollar. Es folgt "Die Chroniken von Narnia: Die Reise auf der Morgenröte".

"The Tourist" nur knapp sechsstellig in Deutschland

Die Deutschen mögen's derweil märchenhaft: "Rapunzel - Neu verföhnt" hält sich auf Platz Nummer eins der deutschen Kinocharts. Am Weihnachtswochenende hatte der 50. Disney-Animationsfilm rund 200.000 Besucher und lag damit vor "Meine Frau, unsere Kinder und ich". Die Komödie brachte es auf rund 180.000 Besucher - der Vorgänger "Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich" hatte vor fünf Jahren noch fast die vierfache Zahl an Menschen in die Kinos gelockt.

Die schlechten Kritiken für Florian Henckel von Donnersmarcks "The Tourist" haben Wirkung gezeigt: Nur noch rund 100.000 Besucher fanden den Weg ins Kino, um sich den ersten Hollywood-Film des Oscar-prämierten Regisseurs anszusehen. "The Tourist" lag damit auf Platz vier der deutschen Kinocharts - hinter "Die Chroniken von Narnia".

Fünfstellig ging der neue Harry-Potter-Film aus dem Weihnachtswochenende: 80.000 Besucher sahen "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1", der insgesamt wohl aber noch in diesem Jahr die Fünf-Millionen-Besucher-Marke knacken sollte. Mit rund 50.000 Besuchern landete der neu gestartete Alien-Science Fiction-Film "Skyline" auf Platz sechs. Zwei weitere Neustarts schafften den Sprung in die Top Ten: "Yogi Bär " (30.000 Besucher) und "Drei" (20.000 Besucher) kamen auf Rang acht und zehn der deutschen Kinocharts. Insgesamt verkauften die deutschen Kinokassen am Weihnachtswochenende etwas mehr als 900.000 Tickets.

twi/dpa

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