Box Office Magie und Marketing

Eine gute Marketingkampagne bewirkt Wunder: Dank massiver Werbung setzte sich der Magier-Thriller "The Prestige" am Wochenende an die Spitze der US-Kinocharts. Das Nachsehen hatte Clint Eastwoods neuer Kriegsfilm. Deutschland hält weiter am "Sommermärchen" fest.


Los Angeles/Hamburg - Hugh Jackman, Christian Bale, Scarlett Johansson, Michael Caine, Andy Serkis, David Bowie und ein Regisseur, der seit "Batman Begins" zu Hollywoods hot tickets zählt: Christopher Nolan presste die Produktion von "The Prestige" zwischen zwei Batman-Sequels und landete mit der Anfang des vergangenen Jahrhunderts angesiedelten Fantasy/Thriller-Mischung einen Instant-Hit. 14,8 Millionen Dollar spielte das Historienstück am Wochenende ein - kein ganz großer Umsatz, aber durchaus beachtlich. Hilfreich war in jedem Fall die aggressive Marketing-Kampagne, die Warner Bros. in den USA für den Film aufgefahren hatte.

"The Prestige" (mit Scarlett Johansson, Hugh Jackman): Aggressives Magier-Marketing

"The Prestige" (mit Scarlett Johansson, Hugh Jackman): Aggressives Magier-Marketing

Nach den Flops des Sommers ("Poseidon", "Superman Returns") kann sich Warner nun im Herbst über die Doppelspitze der Charts freuen. Denn während der Vorwochen-Spitzenreiter "The Grudge 2" 63 Prozent seines Umsatzes einbüßte und mit 7,7 Millionen Dollar auf Platz 6 abrutschte, behauptete sich Warners "The Departed" in der dritten Woche auf Rang zwei und setzte solide 13,7 Millionen Dollar um. Mit einem Gesamtergebnis von 77,1 Millionen Dollar ist das Mafia-Epos mittlerweile nicht nur der erfolgreichste Film der US-Herbstsaison, sondern auch der vierterfolgreichste in der Laufbahn des Regisseurs Martin Scorsese. Der letzte Film des New-Hollywood-Veteranen, "Aviator", ist bisher mit 102,7 Millionen Dollar Einspiel der Topfilm des Filmemachers.

Nicht ganz so erfolgreich war Clint Eastwood Weltkriegs-Drama "Flags of Our Fathers". Das von Steven Spielberg produzierte Epos startete mit 2500 Kopien in 1876 Theater, konnte aber nur 10,2 Millionen Dollar umsetzen und landete auf Rang drei. Für das Paramount-Studio noch kein großes Problem: Man setze bei Eastwoods Filmen (zuletzt "Mystic River", "Million Dollar Baby") auf den Langzeiteffekt, hieß es. Und natürlich schielt man schon jetzt auf die Oscar-Verleihung Ende Februar. Sollte der Kriegsfilm über die Schlacht auf der Pazifikinsel Iwo Jima dort Preise abräumen, ist die langfristige Kino- und DVD-Auswertung allemal gesichert.

Platz vier hält das äußerst ausdauernde Animationsspektakel "Open Season", das noch einmal 8 Millionen Dollar umsetzte. "Flicka", der dritte Neustart des Wochenendes, eine rührselige Pferdeoper mit Alison Lohman, Maria Bello und Country-Star Tim McGraw, zog gleichauf mit "The Grudge 2" und setzte 7,7 Millionen Dollar um. Sofia Coppolas zunächst nur mit 859 Kopien gestartete "Marie Antoinette" belegte mit einem recht gutem Schnitt und 5,5 Millionen Dollar Umsatz Platz acht. Der eigentliche Gewinner des US-Wochenendes aber ist die um einige 3D-Effekte aufgemotzte Neuversion von Tim Burtons Klassiker "The Nightmare Before Christmas": 3,3 Millionen Dollar Umsatz in nur 168 Kinos.

In Deutschland herrscht auch weiterhin die WM-Stimmung der vergangenen Monate: Zum dritten Mal schaffte Sönke Wortmanns "Deutschland. Ein Sommermärchen" den Sprung an die Spitze der Kinocharts: Laut "Blickpunkt: Film" sorgten rund 500.000 Besucher am vergangenen Wochenende für einen weiteren Vorsprung der Fußball-Doku, dabei hatte es zu Beginn des Wochenendes noch so ausgesehen, als ob "Der Teufel trägt Prada" Ansprüche auf den Spitzenplatz erheben würde. Doch nun hält Wortmanns WM-Film als erste Dokumentation Kurs auf die Drei-Millionen-Besucher-Marke.

Die US-Komödie "Der Teufel trägt Prada" hielt indes mit rund 410.000 Zuschauern "Das Parfum" auf Distanz, das an seinem sechsten Wochenende noch einmal für rund 220.000 verkaufte Tickets sorgte und nun knapp vor dem Sprung über die Fünf-Millionen-Zuschauer-Hürde steht. Damit würde Produzent Bernd Eichinger frühere Erfolge wie "Werner - Beinhart" (4,9 Millionen Besucher), "Die unendliche Geschichte" (4,8 Millionen. Besucher), "Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" (4,7 Millionen Besucher) und "Der Untergang" (4,6 Millionen Besucher) hinter sich lassen. Erfolgreicher waren allerdings noch Eichingers Produktionen "Der Name der Rose" (5,9 Millionen Besucher) und "Der bewegte Mann" (6,2 Millionen Besucher).

Als bester Neustart landete der US-Thriller "The Guardian" auf Platz vier. Das Taucher-Drama mit Kevin Costner und Ashton Kutcher war mit 498 Kopien gestartet und lockte rund 110.000 Besucher. Platz fünf ging an das Teenager-Tanzdrama "Step Up" belegt, das noch einmal knapp 70.000 Zuschauer in die Kinos zog. Erst auf Platz elf kommt der nächste Neuling: Die Videospiel-Adaption "Dead or Alive" ging mit 152 Kopien an den Start, fand aber nur etwa 30.000 Besucher.

Auf einen recht guten Schnitt kam hingegen Stefan Krohmers "Sommer '04": 15.000 Zuschauer in 40 Kinos reichten für Platz 15. "Zaina, Königin der Pferde" lockte in 127 Kinos nur rund 12.000 Kinogänger. Und die Sex-Klamotte "Shortbus", angelaufen in 45 Kinos, landete mit knapp 10.000 Besuchern auf Rang 20.

bor/ap



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