Box Office Spielzeugsoldat auf Siegeszug

Action-Figuren erobern das Kino: Nach "Transformers" feiert der Spielzeughersteller Hasbro erneut einen Sieg am amerikanischen Box Office - mit dem Soldaten-Spektakel "G.I. Joe". In Deutschland herrscht weiterhin Harry Potter.

Los Angeles/Hamburg - Es ist selbst in diesem an Superlativen nicht armen US-Kinosommer ein beeindruckendes Startergebnis: 56,2 Millionen Dollar setzte der Actionfilm "G.I. Joe - The Rise of Cobra" am vergangenen Wochenende in 4007 Kinos um - laut Branchenmagazin "Blickpunkt: Film" der viertbeste August-Start aller Zeiten.

Man mag sich fragen, warum, denn das Supersoldaten-Spektakel von Blockbuster-Regisseur Stephen Sommers ("Die Mumie") verfügt weder über große Stars (die Hauptrolle spielt Veteran Dennis Quaid), noch über große Ambitionen, was den Plot betrifft: Eine "G.I. Joe" genannte Elite-Einheit der Armee nimmt es mit finsteren Waffenschiebern auf - der Rest ist Getöse.

Aber "G.I. Joe", das erklärt vielleicht den Erfolg dieses zum Event aufgepusteten B-Movies, ist ein nationales Heiligtum, seit der Spielzeugkonzern Hasbro die gleichnamige Actionfigur 1964 erstmals auf den Markt brachte. Generationen von Amerikanern haben mit der "Government Issue" und ihren verschiedenen Ausprägungen, Dienstgraden und Peripherie-Produkten sowie der zugehörigen Comic-Reihe das Kriegsspiel im Kinderzimmer erlernt. Mit diesem Wissen richteten Hasbro und Paramount bei der Vermarktung des Films gesteigertes Augenmerk auf den traditionell konservativ geprägten Mittelwesten der USA, das sogenannte Heartland. Zudem verweigerte man der Presse eine Vorabvorführung und ersparte sich so vermeintlich schlechte Kritiken. Die Rechnung ging - zumindest am Startwochenende - auf. Auf Teil zwei dieser neuen Franchise muss man wahrscheinlich nicht lange warten.

Platz zwei der US-Charts ging an Nora Ephrons ebenfalls neu gestartetes Frauendrama "Julie & Julia", das in 2354 Kinos stolze 20,1 Mio. Dollar umsetzen konnte. Nach "Der Teufel trägt Prada" und "Mamma Mia!" bedeutet das für Hauptdarstellerin Meryl Streep den dritten Filmstart über der 20-Millionen-Dollar-Marke in vier Jahren.

Ex-Spitzenreiter "G-Force" landete mit 9,8 Millionen Dollar in der dritten Woche auf Platz drei. Insgesamt hat der 3D-Überraschungshit von Jerry Bruckheimer bereits 86,1 Millionen Dollar eingespielt. "Harry Potter und der Halbblutprinz" kam mit 8,9 Millionen Dollar auf Platz vier (Gesamt: 273,8 Millionen Dollar). Die Komödie "Funny People", vergangene Woche auf Platz eins, baute am zweiten Wochenende 65 Prozent ab und schaffte es mit 7,9 Millionen Dollar gerade noch in die Top fünf - ein eher mittelmäßiges bis mieses Ergebnis für Judd Apatows dritte Komödie.

Schwach waren auch die Besucherzahlen in den deutschen Kinos: Am schwächsten Wochenende seit knapp zwei Monaten blieben "Harry Potter und der Halbblutprinz" und "Ice Age 3" erneut die Spitzenreiter der Charts. Harry Potter hatte am Wochenende mit 250.000 Zuschauern rund 10.000 Besucher mehr als "Ice Age", allerdings liegt das eiszeitliche Animations-Abenteuer mit insgesamt 7.5 Millionen Besuchern deutlich vor Potter mit rund fünf Millionen deutschen Zuschauern.

Die romantische Komödie "Selbst ist die Braut" mit Sandra Bullock belegte mit 225.000 Kinogängern Platz drei, bester Neustart war Michael Manns Gangsterfilm "Public Enemies" auf Platz vier (rund 180.000 Zuschauer in 388 Kinos). Rang fünf ging an "Hangover" mit 170.000 Besuchern am dritten Wochenende.

Knapp die Top fünf verpasst haben laut "Blickpunkt: Film" Neele Leana Vollmars Komödie "Maria, ihm schmeckt's nicht!", die in 306 Kinos auf 150.000 Zuschauer kam. Die Bestseller-Verfilmung mit Christian Ulmen hatte damit den besten Start eines deutschen Films seit "Männersache" im März. Nur auf Platz sieben landete Pedro Almodóvar mit seinem neuen Film "Zerrissene Umarmungen", für den in 78 Kinos etwa 35.000 Tickets gelöst wurden. Insgesamt wurden 1,4 Millionen Kinokarten verkauft, noch einmal 100.000 weniger als in der Vorwoche.

bor
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