Box Office Tarantino schreckt die Massen

Die Diskussion über faschistoide Ästhetik oder Iran-feindliche Inhalte haben der Comic-Verfilmung "300" nicht geschadet: Das Spartaner-Drama sicherte sich auf Anhieb den ersten Platz der deutschen Kino-Charts. In den USA startete der neue Film von Quentin Tarantino weit hinter den Erwartungen.


Hamburg - In den USA ist "300" bereits aus den Top Fünf gerutscht, nähert sich aber dem Blockbuster-Umsatz von 200 Millionen Dollar. Im Vorfeld des Deutschlandstarts am vergangenen Donnerstag hatte Zack Snyders Verfilmung des Comics von Frank Miller eine Debatte über die Ästhetik des Spartaner-Gemetzels entfacht. Snyders am Computer stilisierten Bilderwelten wurden abwechselnd als bedeutungsschwanger oder inhaltsleer interpretiert. Die so geschürte Neugier lockte am Osterwochenende zahlreiche Zuschauer ins Kino und bescherte dem Film den drittbesten Start des Jahres. Laut Fachmagazin "Blickpunkt Film" interessierten sich 630.000 Besucher für die Schlacht der 300 Spartaner gegen die übermächtige Armee der Perser. Allerdings bleibt das Spektakel hinter den Startzahlen von "Die Wilden Kerle 4" und "Mr. Bean macht Ferien" zurück.

Szene aus "Grindhouse"-Segment "Planet Terror": Zombies in Suburbia
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Szene aus "Grindhouse"-Segment "Planet Terror": Zombies in Suburbia

Letzterer musste nach einer Woche auf den zweiten Platz weichen, aber immerhin wollten noch einmal rund 550.000 Besucher wissen, wie Rowan Atkinson als unbeholfener Brite seinen Urlaubstrip gestaltet. Der Film steuert mit seinem Gesamtergebnis auf die Zwei-Millionen-Besucher-Marke zu.

Auf Platz drei konnte sich die Cornelia-Funke-Adaption "Die Wilden Hühner und die Liebe" positionieren. Mit 135.000 Kinogängern war der Jugendfilm allerdings nur halb so erfolgreich wie der erste Teil. Den Vorgänger "Die wilden Hühner" sahen am Startwochenende 266.579 Zuschauer.

Dauerbrenner "Mitten ins Herz - Ein Song für dich" hält sich konstant in der oberen Hälfte der Charts und bescherte Hugh Grant und Drew Berrymore mit ungefähr 80.000 Besuchern einen guten vierten Platz.

Neu eingestiegen in die deutschen Charts ist die Fantasy-Parodie "Fantastic Movie" auf Rang fünf. Rund 80.000 Komödienfans wollten sehen, wie "Der Herr der Ringe" oder "Die Chroniken von Narnia" durch den Kakao gezogen werden. Letzter Neustart in den Top Ten ist "Freedom Writers". 30.000 Besucher sahen das US-Drama mit Hilary Swank als engagierter Lehrerin - Platz zehn.

In den USA ist über Ostern das neue Filmprojekt von Quentin Tarantino und seinem Regie-Freund Robert Rodriguez weitaus schlechter angelaufen als erwartet. In "Grindhouse" haben die beiden Kult-Regisseure zwei voneinander unabhängige Filme wie in einer Doppelvorstellung zusammengepackt, mit fiktiven Trailern ergänzt und so ein dreistündiges Spektakel geschaffen. Rodriguez ("Sin City") jagt in seinem Film "Planet Terror" die Schauspieler Rose McGowan und Freddie Rodriguez als martialische Zombie-Jäger durch eine Kleinstadt; "Pulp Fiction"-Regisseur Tarantino lässt in seinem Slasher-Film "Death Proof" einen mörderischen Kurt Russell samt Killer-Karosse auf schöne Frauen los. "Grindhouse", eine Hommage an das vor allem in Drive-in-Kinos erfolgreiche Exploitation-Genre der Fünfziger, spielte an seinem Debüt-Wochenende nur 11,6 Millionen Dollar ein. Gerechnet hatte man mit mindestens 20 Millionen. Damit kann das Regie-Doppel nur den vierten Platz belegen. Das offizielle Budget für das Mammut-Werk betrug 50 Millionen Dollar. Der Deutschland-Start ist für den Sommer geplant.

Das Duo Will Ferrell und Jon Heder hingegen behauptete sich in der zweiten Woche mit "Blades of Glory" ("Die Eisprinzen", deutscher Start: 10. Mai) als erstes männliches Eiskunstläufer-Paar nicht nur auf dem Eis, sondern mit einem Einspielergebnis von 23 Millionen Dollar auch an der Spitze der US-Charts. Auf Platz zwei ist die Disney-Familienkomödie "Meet the Robinsons" gelandet, die mit 17 Millionen Dollar an diesem Wochenende jetzt ein Gesamteinspielergebnis von 52,3 Millionen Dollar für sich verbucht.

Rapper Ice Cube konnte sich mit seiner Komödie "Are We Done Yet?" und 14,3 Millionen Dollar Umsatz den dritten Platz sichern. Der Vorläufer "Are We There Yet?" spielte 2005 insgesamt 82 Millionen Dollar ein. Auf Platz fünf kam mit 10,9 Millionen Dollar der Horrorfilm "The Reaping" in dem Hilary Swank sich mit einer Neuauflage der zehn biblischen Plagen konfrontiert sieht.

hae



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