Box Office "Tron"-Fortsetzung hebt ab

Eine romantische Komödie mit Reese Witherspoon und ein neuer Film mit dem Trickfilmhelden Yogi Bär hatten nicht den Hauch einer Chance gegen den US-Kinostart des Wochenendes: "Tron: Legacy". In Deutschland wurde gerangelt in den Kinocharts - allerdings nur um den Platz hinter "Rapunzel". 

Futter für die Nerd-Nostalgie: Szene aus "Tron:Legacy"
Disney Enterprises

Futter für die Nerd-Nostalgie: Szene aus "Tron:Legacy"


Hamburg/Los Angeles - In den USA bleibt kaum ein Aspekt des Kinobesucherverhaltens unerforscht - deswegen erfahren wir nun auch, dass 66 Prozent der Zuschauer von "Tron: Legacy" am Wochenende männlichen Geschlechts und 75 Prozent älter als 18 waren, das berichten jedenfalls die Branchenkenner von Boxofficemojo.com unter Bezug auf Daten der Verleihfirma Walt Disney Pictures.

Erwachsene Männer sind also das Publikum der Fortsetzung von "Tron", jenem Spektakel um Computerspiele und virtuelle Realitäten, das seit 1982 so manchen Jungen zum Nerd gemacht haben dürfte. Deren nostalgische Neugier reichte, um "Tron: Legacy" am Wochenende zum erfolgreichsten Film in den amerikanischen Kinos zu machen. In 3451 Lichtspielhäusern spielte das fast komplett digitale 3D-Spektakel dem Branchendienst "Blickpunkt:Film" zufolge 43,6 Millionen Dollar ein - und startete somit etwa zweieinhalb Mal besser als das Original, das hat zumindest Boxofficemojo.com so errechnet.

Damit blieb "Tron: Legacy" klar vor dem ebenfalls neu gestarteten Kinderfilm "Yogi Bär", der in einer Mischung aus Real- und Animationsfilm den Zeichentrick-Grizzly der Hanna-Barbera-Studios aus den Sechzigern in die Gegenwart holt. 16,7 Millionen Dollar kamen in 3515 Kinos zusammen; genug, um die Produktionsfirma Warner Bros. weiter hoffen zu lassen, dass es der große Familienfilm für die Festtage werden könnte.

Definitiv ein Flop hingegen ist der dritte große Neustart der Woche: "How Do You Know" (deutscher Titel: "Woher weißt du, dass es Liebe ist?"), eine romantische Komödie von James L. Brooks, besetzt mit großen Namen wie Reese Witherspoon, Owen Wilson und Jack Nicholson, kam in 2483 Kinos nur auf 7,6 Millionen Dollar - bei kolportierten Produktionskosten von über 100 Millionen Dollar kein allzu hoffnungsvoller Start.

Die beiden großen Starts der Vorwoche hielten sich eher mäßig: Für "The Chronicles Of Narnia: The Voyage of the Dawn Treader" ging es von Platz eins auf drei herab mit eingespielten 12,4 Millionen Dollar, 48 Prozent weniger als am Startwochenende. Fast genau so viel, nämlich 47 Prozent, verlor Florian von Donnersmarcks Hollywood-Debüt "The Tourist" - allerdings reichten die 8,7 Millionen Dollar Einspiel nur noch für Platz fünf, knapp vor "Tangled" ("Rapunzel - neu verföhnt"), das in der vierten Woche noch immer auf stattliche 8,6 Millionen Dollar kam.

"The Tourist" wurde ja für einen Golden Globe als beste Komödie nominiert, tritt also nicht direkt gegen zwei andere Filme an, die sich an den Kinokassen für die Award-Saison präparieren: die als bestes Drama nominierten "The Fighter" und "Black Swan". Der Boxerfilm "The Fighter" mit Mark Wahlberg und Christian Bale war zunächst nur in wenigen Kinos gestartet, an seinem ersten richtigen landesweiten Kinowochenende (2503 Leinwände), spielte er 12,2 Millionen Dollar ein und kam auf Platz vier der Charts. "Black Swan" hingegen, ein Thriller im Ballett-Milieu von Darren Aronofsky ("The Wrestler"), lief in nur 959 Kinos, schaffte es aber mit 8,3 Millionen Dollar Umsatz trotzdem auf Platz sieben.

Kopf-an-Kopf-Rennen um Platz zwei in Deutschland

Geradezu märchenhaft erfolgreich ist in Deutschland der Disney-Animationsfilm "Rapunzel - neu verföhnt": Nach seinem zweiten Kinowochenende haben schon über eine Million Menschen die Langhaarsaga gesehen, etwa 375.000 Besucher kamen am Wochenende hinzu.

Umkämpft war der zweite Platz - und nach den vorläufigen Auswertungen der Verleihfirmen und Marktforschungsinstitute ist bisher ein Gleichstand zu vermelden: Jeweils etwa 220.000 Menschen sahen am Startwochenende "The Tourist" und "Die Chroniken von Narnia: Die Reise auf der Morgenröte".

Weltweit über 800 Millionen Dollar hat der vorletzte Teil der Harry-Potter-Geschichte bisher eingespielt, wie "Blickpunkt:Film" vermeldet - an diesem Wochenende kamen die Einnahmen von 165.000 in Deutschland verkauften Kinokarten für "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1" hinzu. Das reichte, um Platz vier der Kinocharts vor "Otto's Eleven" zu verteidigen, der auf 80.000 Zuschauer kam.

Dritter Neueinsteiger in die Top Ten war das Mönchsdrama "Von Menschen und Göttern" , der in 67 Kinos 20.000 Zuschauer anlocken konnte.

feb/dapd/dpa

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avollmer 20.12.2010
1. Psychische Lage der Nationen
Bezeichnend ist die Dominanz der Idolization Movies auf dem amerikanischen Markt. Filme, die Realitätsflucht zelebrieren und Traumwelten zum Ersatz des alltäglichen Lebens anbieten. Dass dabei sowohl Tron wie der Bärenfilm mit sentimentalen Versatzstücken aus einer wirtschaftlich erfolgreicheren Zeit der USA spielen, dürfte eine verstärkende Rolle spielen. Es sind Hochämter auf eine vergangene Zeit, die den Amerikaner als die "Gute Alte Zeit" gelten, als man noch die wirtschaftliche und militärisch führende Weltmacht war. Selbst der dritte Narnia-Schmachtfetzen fügt sich inhaltlich in diese Riege ein, hier ist sogar die literarische Vorlage eine Fluchtlektüre für die depressiven Kriegs- und Nachkriegsjahre in einem kriegswunden Britannien. Befindlichkeitskino. Da flopt eben eine romantische Komödie, zu real, zu lebensnah. Da fragt sich der US-Kinobesucher in vielen Szenen, wie zahlen die ihr Haus, ihren Lifestyle. Auf dem deutschen Markt siegen dagegen die leichten und verspielten Sujets, ohne depressive Untertöne und selbst Narnia und Harry Potter werden im deutschen Markt in einem anderen Kontext rezipiert und eskapistisch nicht existentiell wahrgenommen. Hier genießt man einfach die Action der magischen Reisen und Kämpfe. Spaßkino.
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