Box Office "Watchmen" im freien Fall

Experiment fehlgeschlagen: Die aufwendige Comic-Verfilmung "Watchmen" musste in den USA an ihrem zweiten Wochenende empfindliche Umsatzeinbußen hinnehmen - das Massenpublikum blieb offenbar aus. In Deutschland kamen die Neustarts nicht gegen den "Vorleser" an.


Hamburg/Los Angeles - Aus der Traum vom großen Blockbuster: Die nicht nur in Fan-Kreisen mit Spannung erwartete Verfilmung des Kult-Comics "Watchmen" von Alan Moore und Dave Gibbons wird zum Problemfall an der amerikanischen Kinokasse. Nach dem durchaus ordentlichen Start in der Vorwoche ist die Neugier der Fans offenbar befriedigt - der Film büßte 67 Prozent seines Startumsatzes ein und spielte am zweiten Wochenende nur noch 18,1 Millionen Dollar ein, was immerhin noch für den zweiten Platz der Box-Office-Charts reichte.

Szene aus "Watchmen": Kein Flop, aber auch kein Erfolg
Paramount Pictures / Warner Bros.

Szene aus "Watchmen": Kein Flop, aber auch kein Erfolg

Nach zehn Tagen lag das knapp 150 Millionen Dollar teure Antihelden-Drama bei rund 85 Millionen Dollar Gesamtumsatz, Experten gehen von einem US-Einspiel von 120 Millionen Dollar aus. Was noch kein Flop wäre, aber auch kein Erfolg. Dabei hatte sich Regisseur Zack Snyder den Sprung vom Fan-Event in den Mainstream gewünscht. "Ich glaube, die Zeit ist reif, und das Publikum ist bereit für eine Entwicklung hin zu anspruchsvolleren Stoffen im Genre der Comicverfilmungen", sagte er im Interview mit SPIEGEL ONLINE. Doch die nackten Zahlen sprechen eine andere Sprache: Trotz umsatzstarker Comic-Verfilmungen wie "300" und "The Dark Knight" verweigert sich das Mainstream-Publikum den "Watchmen", was natürlich auch daran liegen kann, dass der zweieinhalbstündige Film etwas unausgegoren zwischen Autorenkino und Effekte-Spektakel pendelt.

Die Masse strebt lieber zum Altbewährten: Neuer Spitzenreiter in den amerikanischen Kinocharts ist der Disney-Abenteuerfilm "The Race To Witch Mountain" (deutscher Titel: "Die Jagd zum magischen Berg", Start am 9. April). Mit 3187 Kopien gestartet, kam die familientaugliche Actionkomödie mit Dwayne "The Rock" Johnson laut "Blickpunkt:Film" auf solide 25 Millionen Dollar Startumsatz.

"Sunshine Cleaning" - der Independent-Sommerhit?

Das Horrorklassiker-Remake "Last House on the Left", genregerecht am Freitag, dem 13. gestartet, hatte mit 14,7 Millionen Dollar ebenfalls einen soliden Start - Rang drei hinter den "Watchmen". Platz vier ging an den dauerhaften Thriller "Taken/96 Hours". Das Rache-Spektakel mit Liam Neeson baute abermals nur neun Prozent seines Vorwochenumsatzes ab, spielte 6,7 Millionen Dollar ein und liegt nun bei 126,8 Millionen Dollar Gesamtumsatz. Der unwahrscheinlich erfolgreiche Komiker und Filmemacher Tyler Perry mit seiner Komödie "Madea Goes to Jail" beschließt die Top fünf mit 5,1 Millionen Dollar und einem Gesamtumsatz von 83,2 Millionen Dollar.

Die neu gestartete Komödie "Miss March" musste sich mit 2,4 Millionen Dollar und Platz zehn bescheiden, während die mit limitierter Kopienzahl angelaufene Komödie "Sunshine Cleaning", der Nachfolgefilm der erfolgreichen "Little Miss Sunshine"-Produzenten, vielversprechend startete: 53.000 Dollar setzte der Film mit Amy Adams und Emily Blunt als sympathisch erfolgloses Schwesternpaar in nur vier New Yorker Kinos um. Ein kommender Independent-Sommerhit?

Erstmals seit Wochen brachen die Umsätze in den US-Kinos ein wenig ein. Branchenexperten sehen jedoch mit dem DreamWorks-Animationsfilm "Monsters vs. Aliens", der in zwei Wochen anläuft, bereits den nächsten potentiellen Blockbuster am Horizont. Deutschlandstart ist am 2. April.

Bis dahin dürfte sich auch in den hiesigen Kinocharts wenig ändern. "Der Vorleser" hielt das Publikum auch in seiner dritten Woche in seinem Bann. Zumindest nach Umsätzen. Nach reinen Besucherzahlen gerechnet, konnte sich die US-Komödie "Marley & ich" den Spitzenplatz sichern: Das Hunde-Dramolett mit Jennifer Aniston und Owen Wilson lockte laut "Blickpunkt: Film" 240.000 Besucher an und überholte den "Vorleser" mit 10.000 Tickets, der allerdings mit einem Einspielergebnis von 1,7 Millionen Euro um 100.000 Euro vor "Marley & ich" lag.

Bester Neustart des Wochenendes war "Shopaholic - Die Schnäppchenjägerin" auf Platz drei. Die US-Komödie lockte in 425 Kinos 170.000 Besucher an. Dahinter landeten "Hexe Lilli - Der Drache und das magische Buch" mit 105.000 Besuchern sowie "Der rosarote Panther 2" (100.000 Zuschauer).

Außerhalb der Top fünf platzierten sich am zweiten Wochenende die "Watchmen", die in Deutschland nicht ganz so dramatisch abbauten wie in den USA, dennoch aber ein Minus von mehr als 50 Prozent am zweiten Wochenende zu verkraften hatte. Knapp 100.000 Zuschauer sahen sich die Comic-Verfilmung am Wochenende an.

Der stärkste deutsche Film war der Neustart "Hilde", der mit dennoch enttäuschenden 80.000 Zuschauern auf Platz acht landete. Der Horrorfilm "The Unborn" landete mit 75.000 Besuchern ebenfalls noch knapp in den Top Ten.

Mit gesamt etwa 1,7 Mio. Besuchern verzeichneten die deutschen Kinos das bisher schwächste Wochenende des Jahres.

bor



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