»Bin kein Heuchler« Brendan Fraser will nicht an »Golden Globe«-Verleihung teilnehmen

Die Golden Globes haben im Jahr 2023 einen Besucher weniger: Selbst wenn er nominiert würde, so US-Schauspieler Brendan Fraser, wolle er nicht kommen. Es geht um Vorwürfe der sexuellen Nötigung gegen den Ex-Chef des Veranstalters.
Brendan Fraser: »Kein Heuchler«

Brendan Fraser: »Kein Heuchler«

Foto: Jeff Spicer / Getty Images

Als Protagonist im US-Film »The Whale«  feierte er 2022 schon auf mehreren Filmfestivals Erfolge: Brendan Fraser gehörte zu den gefeierten Stars bei den Filmfestspielen in Venedig, beim Toronto International Film Festival bekam er für seine schauspielerische Leistung den TIFF Tribute Award. Nun gab Fraser in einem Interview mit dem US-Magazin »GQ«  bekannt: Auch wenn er für die Golden Globes nominiert wird, will er zu der Preisverleihung nicht kommen. Fraser begründete seine Entscheidung mit einer »längeren Geschichte«, die er mit den Globe-Organisatoren, dem Verband der Hollywood-Auslandspresse (HFPA) habe.

Der US-Schauspieler spielt damit auf Vorwürfe aus dem Jahr 2018 an: Damals hatte Brendan Fraser den früheren Präsidenten des HFPA der sexuellen Nötigung beschuldigt. Bei einem gemeinsamen Mittagessen in Beverly Hills im Jahr 2003 habe Philip Berk ihm an den Hintern gefasst und zwischen Genitalien und Anus berührt. »Ich fühlte mich krank«, sagte Brendan damals im Gespräch mit dem »GQ« . »Wie ein kleines Kind.« Berk bestritt jegliches Fehlverhalten. Er gab zu, Fraser bei der Veranstaltung in den Hintern gekniffen zu haben, im »GQ«-Gespräch sagte er aber, er habe dies im Scherz getan.

Fraser behauptete nun gegenüber dem »GQ«, die HFPA sei hinter den Kulissen nach den Anschuldigungen noch einmal auf ihn zugekommen und habe ihm vorgeschlagen, eine Erklärung abzugeben: »Obwohl man zu dem Schluss gekommen ist, dass Herr Berk Herrn Fraser unangemessen berührt hat«, so der angebliche Wortlaut, »sprechen die Beweise dafür, dass dies als Scherz und nicht als sexueller Annäherungsversuch gedacht war.« Fraser habe sich geweigert, die Erklärung zu unterschreiben. Jene »Geschichte« wiege mehr als der »Respekt« gegenüber der HFPA. »Meine Mutter hat keinen Heuchler großgezogen«, so Fraser.

Berk blieb nach den Anschuldigungen zunächst weiterhin HFPA-Mitglied, bis 2021 Rassismusvorwürfe um den früheren HFPA-Vorstand laut wurden: Zuvor ging eine E-Mail an die Öffentlichkeit, in der er Black Lives Matter als »Hassbewegung« bezeichnete. Daraufhin wurde Berk gefeuert, er verlor seine Mitgliedschaft.

Der Verband der Auslandspresse in Hollywood (HFPA) war 2021 wegen Rassismus und fehlender Diversität in Kritik geraten. Der Fernsehsender NBC sagte die Übertragung der Verleihung 2022 deshalb ab. Im Anschluss wählte der Verband einen neuen Vorstand mit mehr Mitgliedern. Künftig wird der Preis von einem Privatunternehmen vergeben, die HFPA bleibt den Globes als Organisation aber weiterhin verbunden.

isb
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