Britsche Baftas verliehen "American Beauty" räumt wieder ab

Die US-Gesellschaftssatire "American Beauty" hat am Wochenende in London sechs britische Baftas gewonnen. Der Film war mit 14 Bafta-Nominierungen und fünf Oscar-Auszeichnungen im Rücken absoluter Favorit bei der 52. Bafta-Verleihung.


London - Der Regisseur des Erfolgsfilms, der 34-jährige Brite Sam Mendes, ging bei der Preisverleihung der "British Academy for Film- Television Arts" (Bafta) allerdings leer aus. Er musste die Trophäe für die beste Regie dem Spanier Pedro Almodovar für "Alles über meine Mutter" überlassen.

Kevin Spacey mit einem Bafta
AFP

Kevin Spacey mit einem Bafta

"American Beauty" blieb bei den "britischen Oscars" dennoch die meistprämierte Produktion. Die Geschichte eines unzufriedenen Mittelstand-Amerikaners, der ein radikal neues Leben beginnt, wurde zum besten Film des Jahres gekürt. Annette Bening und Kevin Spacey erhielten die Preise als beste Schauspielerin und bester Schauspieler. Auch in den Kategorien Kinematografie, Musik und Schnitt gewann "American Beauty".

Bei Ausstattung und Kostümen war der Horrorstreifen "Sleepy Hollow" erfolgreich, während "The Matrix" die Bafta-Preise für Ton und Spezialeffekte erhielt. Charlie Kaufman wurde für das Drehbuch von "Being John Malkovich" ausgezeichnet. Aufsehen erregte Michael Caine, der für seine Lebensleistung geehrt wurde. Der aus einer Londoner Arbeiterfamilie stammende Schauspieler äußerte sich verbittert: "Ich habe mich meinem Land nie zugehörig gefühlt. Es ist ziemlich kalt gewesen da draußen. Vielleicht fühle ich mich in meinem eigenen Land künftig etwas willkommener."

Michael Caine bei der diesjährigen Bafta-Verleihung
AP

Michael Caine bei der diesjährigen Bafta-Verleihung

In der Kategorie der nicht-englischsprachigen Filme wurden nicht wie erwartet "Buena Vista Social Club" von Wim Wenders oder "Lola rennt" von Tom Tykwer prämiert. Der Preis ging stattdessen an Pedro Almodovar mit "Alles über meine Mutter".

Ein Geheimtipp, "East is East" über das Leben von pakistanischen Einwanderern im Londoner Osten, wurde bester britischer Film. Die Regisseurin Leslee Udwin berichtete, sie habe große Schwierigkeiten gehabt, eine Produktionsgesellschaft zu finden. Manche Ablehnung sei "am Rande des Rassismus" gewesen. Der für nur 2,5 Millionen Pfund (acht Millionen Mark) produzierte Film hat inzwischen 14 Millionen Pfund (45 Millionen Mark) eingespielt. Der Publikumspreis, über den 70.000 Kinogänger abstimmten, ging allerdings an die Filmkomödie "Notting Hill" mit Hugh Grant und Julia Roberts.

Die Bafta hat 4000 Mitglieder, die jedes Jahr fast zeitgleich mit der Oscar-Verleihung über die Auszeichnungen entscheiden. Bei den Academy-Awards in Hollywood stimmen in der Mehrheit Schauspieler über die Kandidaten der verschiedenen Kategorien ab. Bei den Baftas läuft dies anders: Die Mitglieder der britischen Akademie wählen jeweils nur den Preisträger der Kategorie, in der sie selber tätig sind. Dadurch rechnen die Briten ihren Baftas mehr fachmännische Aussagekraft zu als den glamourösen Oscars.



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