Cannes-Eklat Polizei vernimmt Lars von Trier wegen Hitler-Äußerungen

Beim Filmfestival in Cannes sorgte Lars von Trier mit Nazi-Äußerungen für erhebliche Irritationen. Jetzt hat die Polizei den Regisseur in der Sache vernommen. Dem 55-Jährigen droht eine Anklage wegen Verharmlosung von Kriegsverbrechen.
Lars von Trier in Cannes 2011: Will sich nie wieder öffentlich äußern

Lars von Trier in Cannes 2011: Will sich nie wieder öffentlich äußern

Foto: Guillaume Horcajuelo/ dpa

Kopenhagen - Seine wirre Sympathiekundgebung für Adolf Hitler beim diesjährigen Filmfestival in Cannes könnte für Lars von Trier ein juristisches Nachspiel haben. Der Filmemacher ist nach eigenen Angaben am Mittwoch von der dänischen Polizei im Zusammenhang mit seinem Auftritt bei einer Pressekonferenz des Festivals befragt worden. In der Vernehmung sei es um eine mögliche Anklage der französischen Staatsanwaltschaft in Grasse wegen Verharmlosung von Kriegsverbrechen gegangen, erklärte der Regisseur in einer schriftlichen Mitteilung.

Zugleich gab der dänische Filmemacher an, sich künftig nie wieder in der Öffentlichkeit äußern zu wollen - weder in Interviews, noch durch Stellungnahmen. Er sei offenbar nicht in der Lage, sich klar und unmissverständlich auszudrücken, schrieb Trier. Das schließe er aus der Schwere der Vorwürfe der Staatsanwaltschaft in Grasse.

Trier hatte im Mai bei der Vorstellung seines Films "Melancholia" beim Filmfestival von Cannes gesagt, er sympathisiere "ein bisschen" mit Hitler. Der 55-Jährige, der für schwarzen Humor und politische Unkorrektheit bekannt ist, wurde daraufhin von der Festivalleitung zur unerwünschten Person erklärt. Später entschuldigte er sich für seine Äußerungen und teilte mit, er habe nur Spaß gemacht.

In einem Interview mit dem SPIEGEL versuchte Trier kürzlich, die Äußerungen mit seiner kommunikativen Ungeschicklichkeit zu erklären: "Als ich sagte, ich sei ein Nazi, hat keiner gefragt, wie ich das meine. Dann hätte ich erklären können, dass ich glaube, dass in jedem von uns ein kleiner Nazi steckt. Diese Erklärung fehlte. Ich dachte, ich spreche zu Leuten, die mich kennen. Ich habe zu spät verstanden, dass ich zur ganzen Welt sprach."

Bereits im August hatte Trier der französischen Tageszeitung "Libération" in einem Interview gesagt, nie wieder Pressekonferenzen geben zu wollen. In Cannes habe er sich vom Festivalchef zu der Teilnahme überreden lassen und sei völlig unvorbereitet gewesen. "Ich habe idiotische Sachen gesagt und kann mir bis heute nicht verzeihen, dass ich damit Leute verletzt habe."

Der Festivalbeitrag des dänischen Regisseurs, "Melancholia", hatte in Cannes trotz des Eklats weiter am Wettbewerb teilnehmen dürfen - und wurde geehrt: Hauptdarstellerin Kirsten Dunst erhielt die Goldene Palme als beste Schauspielerin. Der Film startet am Donnerstag in Deutschland in den Kinos.

fdi/Reuters/AFP/dapd
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