Filmblamage "Charlies Welt" Der leere Kaputtnik

Ist Charlie Sheen noch zu retten? Mit der Kinokomödie "Charlies Welt" versucht Roman Coppola, seinem Kumpel ein selbstironisches Comeback zu verschaffen. Doch der abgestürzte Ex-Serienstar reitet sich mit einer schauspielerischen Null-Leistung nur noch tiefer in die Grütze.
Filmblamage "Charlies Welt": Der leere Kaputtnik

Filmblamage "Charlies Welt": Der leere Kaputtnik

Foto: Koch Media

Sind Sie schon mal auf einer Party an eine Person geraten, die eindeutig zu viel von was auch immer intus hatte, und mangels Urteilsfähigkeit vollends von der eigenen Originalität überzeugt war? Und Sie infolge mit einem elliptischen Monolog nervte, der Sie mit Langeweile und Fremdscham erfüllte? Dann haben Sie bereits eine Vorstellung davon, was Sie in "Charlies Welt" erwartet.

Denn der Regisseur und Autor Roman Coppola hat seinen Jugendfreund Charlie Sheen ins Zentrum einer narzisstischen und quälend zähen Nummernrevue gestellt, die besser als kurioses Homevideo im privaten Bekanntenkreis verblieben wäre.

So aber behelligt Coppola ein konsterniertes Publikum mit seiner Kunstfigur Charles Swan III (Sheen), die im diffus gezeichneten Los Angeles der Siebziger als Grafikdesigner und Playboy residiert. Dessen Geschichte ist eigentlich schnell erzählt: Nachdem ihn seine Freundin Ivana (Katheryn Winnick) im Streit verlassen hat, landet Swan auf mäßig witzigem Umweg mit seinem Oldtimer-Cadillac in einem Pool. Nun ist dies nicht "Sunset Boulevard", weshalb der lädierte Swan auch alsbald in einem Krankenhausbett liegt, wo er über Leben und Liebschaften sinniert.

Oder vielmehr phantasiert, denn der Egoexpress von Coppola und Sheen soll vornehmlich mit Traumsequenzen befeuert werden. Fahrt nimmt er indes keine auf, ganz gleich ob Charles Swan die eigene Beerdigung im Kreis verflossener Freundinnen, eine krude Westernszenerie oder ein Musical mit sich selbst in der Hauptrolle imaginiert. Zumeist als Freunde an seiner Seite dabei sind Jason Schwartzman als jüdischer Stand-up-Comedian und Urban-Cowboy Kirby Starr sowie Bill Murray in der Rolle von Swans Manager und Rechtsbeistand Saul.

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Kinokomödie "Charlies Welt": Und noch ein Absturz

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Das sind fraglos illustre Mitspieler, die hier jedoch wie unscheinbare Trabanten nur den einsamen Planeten Charlie Sheen umkreisen. Die plane Inszenierung der gezwungen surrealen Vignetten tut ein Übriges, um die Freudlosigkeit des Films vollkommen zu machen. Und auch die knalligen Siebziger-Dekors und -Accessoires inklusive Airbrush-Motiven und Kussmundsofa können nichts retten. Früher nannte man solche Anhäufungen bizarrer Figuren und Ausstattungsgegenstände gerne "fellinesk". Was bei allen Filmen, die nicht von Federico Fellini sind, als Warnung zu verstehen ist. Bei einigen Werken Fellinis allerdings auch.

Noch näher - wohl auch gewollt - liegt natürlich der Vergleich mit den überbordenden Bilderwelten von Wes Anderson. Schließlich hat Roman Coppola als Second Unit Director an "The Life Aquatic with Steve Zissou" (2004) mitgewirkt und war Co-Produzent beziehungsweise Co-Autor von "The Darjeeling Limited" (2007) und "Moonrise Kingdom" (2012). Für letzteres waren Anderson und er in diesem Jahr sogar für den Oscar für das beste Original-Drehbuch nominiert. Zudem bevölkern mit seinem Cousin Jason Schwartzman und Bill Murray gleich zwei Stammschaupieler Andersons "Charlies Welt".

Er bleibt der Schlagzeilen-Kaputtnik

Das erweiterte Familientreffen am Set bestätigt jedoch nur die Qualität von Andersons Arbeiten, denen die detailbesessene Ausstattung als Mittel der pointierten Charakterzeichnung dient. Bei Coppola hingegen wähnt man sich beim Räumungsverkauf auf dem Sunset Strip, und was eigentlich den Figuren mehr Persönlichkeit verleihen soll, gerinnt augenblicklich zum Kitsch.

Als Sitcom ohne Pointen und Happening, in dem nichts von Interesse passiert, bleibt "Charlies Welt" da nur die trostlose Fixierung auf den Hauptdarsteller. Womöglich stand am Anfang des Unterfangens ja tatsächlich die Absicht, die öffentliche Skandal-Persona des einstigen Teen-Idols und Ex-Serienstars Charlie Sheen spielerisch zu beleuchten. Aber mutmaßliche Intentionen nutzen herzlich wenig, wenn das Ergebnis nur sämige Selbstdarstellung zeitigt. Schmerzhaft anzusehen etwa das Totalversagen jener Szenen, in denen Charlie Swan im Gespräch mit seiner Schwester Izzy (Patricia Arquette) so etwas wie Reflexion oder gar Empathie zeigen soll. Immerhin, die emotionale Leere dieser Momente ist beeindruckend.

Traurige Wahrheit bleibt, dass Sheen weiterhin nur in seiner Rolle als Schlagzeilen-Kaputtnik auf Aufmerksamkeit hoffen kann. Coppolas handzahmes Bemühen, Eitelkeiten und Exzesse zu romantisieren, und Swan/Sheen geschichtsklitternd in eine so nie gewesene Hollywood-Tradition von liebenswerten Lebemännern zu stellen, ist jedenfalls misslungen.

La-La-Land ist abgebrannt. Und nicht einmal die Paparazzi bleiben, um ein Foto zu machen.

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