Chicken Run Showdown der Knethühner

Die Henne Ginger will endlich runter von der scharf bewachten Hühnerfarm. Ein amerikanischer Superhahn, der fliegen kann, kommt da gerade recht. Gespickt mit britischem Humor zeigt "Chicken Run - Hennen rennen" einen der besten Showdowns der Kinogeschichte.
Von Christian Bartels

Es ist der Mund: der breite, tendenziell eckige Mund, dessen Lächeln irgendwie gequält wirkt, und mehr noch die Zahnreihen, auf die er den Blick freigibt. Sie machen die plastilinen Kreaturen aus dem britischen Animationsstudio Aardman so unwiderstehlich. Ob es sich nun um Menschen, Hunde oder Schafe handelt. Oder um Hühner, die Stars des ersten abendfüllenden Kinofilms der Knetmeister aus Bristol, die mit Videoclips (Peter Gabriels "Sledgehammer") und den "Wallace & Gromit"-Kurzfilmen berühmt wurden.

Zusammen mit dem Dreamworks-Studio haben die Regisseure Nick Park und Peter Lord 42 Millionen Dollar aufgebracht, ohne die künstlerische Kontrolle abzugeben. Tatsächlich hält "Chicken Run" das hohe Niveau früherer Aardman-Filme (drei Oscars) über 91 Minuten.

Die Geschichte entstammt einem britischen Lieblingsgenre: dem Great-Escape-Film. Die Filmheldin Ginger lebt und legt mit hunderten anderer Hennen auf Mrs. Tweedys Hühnerfarm. Im Großen und Ganzen hat sich der Hühnerhaufen mit der Gefangenschaft abgefunden. Man schätzt es, mit Futter versorgt zu werden, außerdem fahren nur die Hühner auf Nimmerwiedersehen in "Ferien", die beim morgendlichen Appell keine Eier vorweisen können.

Allein: Ginger ahnt, dass es hinter den Hügeln am Horizont noch etwas anderes geben muss. Sie steckt die anderen mit ihrem Freiheitsdrang an, doch, ob mit Teelöffeln als Schaufeln oder in Verkleidungen, immer wieder misslingt der große Ausbruch. Erst ein amerikanischer Zirkushahn namens Rocky bringt neue Hoffnung ins Hühnerlager. Er ist geflogen und notgelandet, das hat Ginger selbst gesehen, muss also das Geheimnis des Fliegens kennen. Der Hahn, der mit seinem großspurigen Auftreten ein Defizit verdeckt, und das zurückhaltende, aber willensstarke Huhn Ginger geraten bald in Streit und fühlen sich doch voneinander angezogen...

Mit dem Traum vom Fliegen sowie dem englisch-amerikanischen Gegensatzpaar à la "Notting Hill" hat das Drehbuch genug dramatisches Potenzial, um eine abendfüllende Handlung in Gang zu halten und nicht allein - wie es manch ehrgeiziger Animationsfilm tut - auf den Sympathie-Bonus der Machart zu setzen. Der kommt hier hinzu: Jede Bewegung der Hühner ist schon deswegen eine Freude, weil sie sichtlich in sorgfältiger Handarbeit hergestellt wurde. Computer hat das Studio nur zur Kontrolle eingesetzt, "Chicken Run" ist nicht nur animiert im technischen Sinne: Er ist beseelt.

Cineasten können sich auch an vielen Filmzitaten freuen. Die "Indiana Jones"-Filme des Dreamworks-Partners Spielberg und Wolfgang Petersens Luftfahrt-Abenteuer "Air Force One" standen Pate für Actionszenen, Norman Bates' Villa in Hitchcocks "Psycho" war Vorbild für das Wohnhaus der Tweedys.

In den USA ist "Save the Chickens!" bereits zum populären Schlachtruf geworden: Die amerikanische Fast-Food-Kette Burger King, ein Werbepartner der Produzenten, hat ihre Kunden aufgefordert, die Hühner zu schonen und stattdessen mehr Burger zu essen. Die Film-Hühner retten sich auf andere Weise, in einem atemlosen Showdown, der die leichten Längen des Films mehr als vergessen lässt.

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