Gebrüder Hemsworth Das doppelte Hünchen

Der eine Jüngling hat Oscar-Chancen und eine sanfte Seite. Der andere betört Teenie-Mädchen und hatte was mit Miley Cyrus am Laufen. Blonde Hünen sind sie beide. Wer ist denn nun eigentlich wer? Die Gebrüder Chris und Liam Hemsworth - eine Gebrauchsanweisung.

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Von Roland Huschke


Warum soll ich etwas über die Hemsworth-Brüder wissen wollen?

Nun ja, die beiden zählen zu Hollywoods größten Hoffnungen. Allein in diesem Herbst hagelt es förmlich Hemsworth-Filme. Neben der Franchise-Fortsetzung mit Chris ("Thor - The Dark World"), die diese Woche anläuft, kann man Junior Liam, 23, in "Paranoia" sehen, einem Thriller aus den Chefetagen der Hightech-Hochfinanz. Und dann ist da natürlich "Rush - Alles für den Sieg", in dem Chris Hemsworth, 30, als Formel-1-Pilot James Hunt zum Duell gegen Niki Lauda (Daniel Brühl) antritt. Mit einem Australier und einem Deutschen testet Hollywood hier erstmals das volle Potential seiner Leading-man-Importe. Für die Hemsworths ist es die heißeste Phase ihrer Karriere. Die Brüder müssen außerhalb der gängigen Erfolgsmarken wachsen, wenn die Jungstars nicht - Pardon - so enden wollen wie Mark Hamill, der ewige Luke Skywalker.

Was unterscheidet die beiden eigentlich?

Zwei australische Hünen, der eine blonder und breitschultriger als der andere, getrennt bloß durch sieben Jahre Altersunterschied - die beiden Brüder kann man schon mal verwechseln. Doch wenn das sogar der Zeitschrift "Cinema" passiert, die unter ein Coverfoto von Donnergott "Thor" den Namen Liam Hemsworth schreibt, scheint die Verwirrung groß. Fast fühlt man sich an die Neunziger erinnert, als hinter jedem Film-Busch ein Baldwin hervorsprang.

Bei den Hemsworths ist die Perspektive ungleich vielversprechender. Beide haben bereits früh in ihrer Karriere langjährig angelegte Blockbuster-Serien gefunden, die sich nicht in die Quere kommen. Wo Chris Hemsworth als Soloheld und im "Avengers"-Verbund vor allem die Testosteronjünger bedient, ist Liam Hemsworth in "Die Tribute von Panem"auch als Augenschmaus für die jungen Leserinnen der Erfolgsromane besetzt.

Warum hat Chris die Zen-Ruhe weg?

Die Suche nach dem Quell seiner Gelassenheit führt in die Wüste New Mexicos, wo Kenneth Branagh 2010 den ersten "Thor" drehte. Hunderte Bewerber gab es, auch sehr prominente. Aber Nobody Chris habe alle überragt, so Branagh - und das nicht nur physisch. Tatsächlich ist es kein geringer schauspielerischer Talentbeweis, umgehend ernst genommen zu werden, selbst wenn man mit rotem Cape und wallender Blondmähne durch die Tür hereinstapft.

Arme wie Baumstämme, man könnte einen Macho erwarten. Generell gelten australische Schauspieler ja eher als grobschlächtige Adrenalinreservoirs, siehe Russell Crowe. Chris Hemsworth dagegen klingt in Interviews bis heute bescheiden und konzentriert sich augenscheinlich auf seine Etappenziele. "Hey, ich habe in einer Seifenoper angefangen", so der Kernsatz, "und weiß, dass ich für jeden Fortschritt viel arbeiten muss." Thor mag ein ungestümer Krieger sein. Sein Darsteller aber ist in die Schule des Surfens gegangen und hat beim Warten auf perfekte Wellen die Tiefenentspannung gelernt.

Warum ist das Lager von Liam nervös?

Auch Liam Hemsworth war einst beim "Thor"-Casting im Rennen. Und wer weiß, wie das Fernduell der Brüder ausgegangen wäre, hätte sich Marvel für eine jüngere Version des Kriegers entschieden. Bei Google rangiert Liam Hemsworth zwar schon vor Liam Neeson und Liam Gallagher - allerdings hauptsächlich wegen seiner turbulenten Beziehung zum Popsternchen Miley Cyrus. Die engen Grenzen des Teenie-Marktes versagten ihm bislang die Entwicklung einer künstlerischen Persönlichkeit.

Auch er hat - wie Bruder Chris - zunächst in einer australischen Soap Opera den Durchbruch geschafft. Doch zwischen "Panem"-Hysterie und Miley-Statusmeldungen wirkt er noch immer wie eine in einer Show gefangene, medial verzerrte Kunstfigur. Interviews zu neuen Filmen werden angekündigt, mehrfach verschoben - und grundlos abgesagt. Sein Image bleibt ferngesteuert von Beratern, die ihn als Investment im Teenie-Markt pflegen, der aber bekannterweise eine recht kurze Halbwertszeit hat. Eine riskante Strategie, manch "Twilight"-Star kann ein Lied davon singen.

Liam Hemsworths erster Ausflug ins dramatische Fach mit "Paranoia" muss übrigens als gescheitert angesehen werden. In den USA floppte der Film - trotz Staraufgebot mit Harrison Ford und Gary Oldman. Zu abgeschmackt wirkte auf viele das Rezept, ein "Wall Street"-Update für die Internetgeneration zu drehen, in dem Hemsworth als forscher Idealist fiese Kapitalisten austrickst.

Und wie gehen die beiden mit ihrer Rivalität um?

Weil es auch in Hollywood selten vorkommt, dass Geschwister zeitgleich vor dem Aufstieg in die A-Liga stehen, wäre es reizvoll zu erfahren, ob die Brüder Erfahrungen austauschen, einander beraten oder ob bei Erfolgen des einen auch mal der Haussegen schief hängt. Kein Thema indes, das beide zu vertiefen gedenken. Es gibt kaum gemeinsame Auftritte, schon gar keine gemeinsamen Filmpläne. "Wir feuern uns gegenseitig an, wie es sich für Brüder gehört", sagt Chris Hemsworth, "doch bei der Arbeit hat jeder seinen eigenen Kopf und eigene Ziele. Das Business bleibt ausgespart, wenn wir uns zum Familiendinner treffen".

Klingt vernünftig, und wahrscheinlich verfiele man ja auch gar nicht unbedingt auf die Idee, die schauspielerische Entwicklung der beiden zu vergleichen, wenn sie nicht denselben Nachnamen hätten. Doch wie zuvor schon bei den Baldwins, Fondas oder Sheens sind natürlich auch die Hollywood-Schicksale der Hemsworths aneinander gekoppelt: Geht der eine mit starken Karriereschritten voraus, hat der andere stets mit einem langen Schatten zu kämpfen.

Momentan legt Chris Hemsworth mächtig vor, manche halten ihn mit seinem "Rush"-Auftritt sogar reif für eine erste Oscar-Nominierung. Für Liam Hemsworth mag das Ansporn oder Bürde sein, abzuschreiben ist er trotz "Paranoia"-Fehlstart aber schon allein dank drei weiterer "Panem"-Filme nicht. Doch das nächste Soloprojekt muss sitzen. Andernfalls ist kaum auszuschließen, dass sein Name nur noch dann auf einem Magazin-Cover erscheint, falls ihn wieder mal jemand mit dem großen Bruder verwechselt.



insgesamt 12 Beiträge
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juttakristina 29.10.2013
1. Australien
hat doch nicht nur Schauspieler des Typs Russel Crowe zu bieten! Da hätte man z. B. auch an Hugh Jackman denken können. Es gibt inzwischen eine Reihe bekannter Schauspieler von Down Under, Neuseeland oder Tasmanien.
franko_potente 29.10.2013
2.
Zitat von sysopGetty ImagesDer eine Jüngling hat Oscar-Chancen und eine sanfte Seite. Der andere betört Teenie-Mädchen und hat was mit Miley Cyrus am Laufen. Blonde Hünen sind sie beide. Wer ist denn nun eigentlich wer? Die Gebrüder Chris und Liam Hemsworth - eine Gebrauchsanweisung. http://www.spiegel.de/kultur/kino/chris-und-liam-hemsworth-im-doppelportraet-a-926490.html
ich hätt auc gern was mit Miley am laufen :D
dreamdancer2 29.10.2013
3.
Och, Chris Hemsworth bedient durchaus nicht nur die Testosteronjünger... sein Anblick löst nicht gerade Schmerzen aus im weiblichen Auge, rein persönlich empfinde ich ihn sogar als den besser aussehenden der beiden Brüder ;-)
mapel 29.10.2013
4.
Dann mal los, die beiden sind getrennt. Ist also nicht ganz aktuell der Artikel
Mackito 29.10.2013
5.
Oops, peinlich: wenn man schon eine Anleitung anbietet wie man die Brüder auseinanderhält, dann sollte man sie auch tatsächlich auseinander halten können! Im ersten Absatz schreibt Ihr man könne Liam neben "Thor" auch in "Paranoia" sehen, leider ist aber Chris der Thor-Darsteller, wie Ihr selber mit etwas Schadenfreude im 2. Absatz bei "Cinema" festgestellt habt ;-)
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