Christina Ricci "Mein Körper ist ein Werkzeug"

In Sally Potters Emigranten-Drama "In stürmischen Zeiten" spielt Christina Ricci eine junge Jüdin in den Wirren des Zweiten Weltkriegs. Mit SPIEGEL ONLINE spricht Hollywoods "schreckliches Mädchen" über sein dunkles Image und die intime Zusammenarbeit mit Johnny Depp.


SPIEGEL ONLINE:

Ms. Ricci, in Ihrem neuen Film spielen Sie eine Heimatlose. Kennen Sie das Gefühl, eine Außenseiterin zu sein, aus dem Hollywoodbusiness?

Ricci: Ich habe mich von der Industrie, in der ich arbeite, immer sehr akzeptiert gefühlt. Ich liebe Filmsets. Das sind die Orte in meinem Leben, an denen ich mich am wohlsten und sichersten fühle. Dort hatte ich noch nie das Gefühl, ein Außenseiter zu sein.

SPIEGEL ONLINE: Immerhin pflegen Sie Ihr Image als düstere Diva nicht zuletzt auch mit der Wahl ihrer Rollen.

Ricci: Natürlich kann man seine ganze Karriere auch darauf ausrichten, die Leading Lady zu sein. Mir macht so was vielleicht hin und wieder mal Spaß, aber ständig? Nein danke. Vielleicht sind einige meiner Rollen traurig oder schwermütig. Aber emotionales Chaos macht einen Menschen doch interessant. Trotzdem finde ich es merkwürdig, dass die Leute mich als dieses dunkle Goth-Mädchen betrachten, denn das bin ich überhaupt nicht. Naja, immerhin habe ich ein außergewöhnliches Image!

SPIEGEL ONLINE: ...über das Sie sich auch immer mal wieder ärgern, zum Beispiel, wenn über Ihre drallen Formen diskutiert wird.

Ricci: Ich wünschte, die Leute würden aufhören, sich darüber einen Kopf zu machen. Für mich ist mein Körper ein Werkzeug. Natürlich werde ich nie die dürre Bohnenstange sein. Aber trotzdem haben die Figuren, die ich spiele, ganz unterschiedliche Körper. Mir geht es nicht darum, die atemberaubende Sexbombe zu sein, auf die alle Typen scharf sind, sondern darum, dass ich meinen Körper in den unterschiedlichsten Rollen einsetzen kann.

SPIEGEL ONLINE: "In stürmischen Zeiten" ist Ihre dritte Filmrolle als Partnerin von Johnny Depp. Sie haben mal gesagt, er sei wie ein großer Bruder für Sie, und Sie hätten manchmal Schwierigkeiten, intime Szenen mit ihm zu spielen.

Ricci: Wir machen unsere Witze darüber. Ich sage zum Beispiel: 'Merkwürdiges Gefühl, wenn man bedenkt, dass ich dich mit neun kennen gelernt habe'. Und er sagt: 'Ich weiß, ich fühle mich wie ein Kinderschänder'. Dann lachen wir uns kaputt. Tatsächlich macht es das einfacher, wenn man so damit umgehen kann.

SPIEGEL ONLINE: Jetzt versuchen Sie sich auch hinter der Kamera: Bei "Prozac Nation" traten Sie erstmals auch als Produzentin auf, inzwischen haben Sie mit "Pumpkin" einen zweiten Film produziert. Ist es nicht ein seltsames Gefühl, mit 20 schon Produzentin zu sein?

Ricci: Nein, es macht riesigen Spaß mitzureden. Es ist das Größte, sich mit der Finanzierung, der Skriptentwicklung und der Auswahl des Regisseurs zu beschäftigen. Ich denke, dass ich ganz gute Voraussetzungen für den Job habe, weil ich ohne allzu viel Vorbehalt ans Werk gehe. Ich fühle mich nicht so sehr unter Druck gesetzt, denn sogar wenn ich scheitern sollte, würde das nichts weiter bedeuten als dass meine Produktionsfirma nie einen Film zustande bekommen hätte. Ist das so schrecklich? Nein.

SPIEGEL ONLINE: Manche Leute behaupten, Sie wirkten sehr reif für Ihr Alter. Fühlen Sie sich auch so?

Ricci: Die meisten Leute meines Alters sind eben noch damit beschäftigt, sich zu überlegen, was sie mit ihrem Leben anfangen wollen. Ich wusste das schon sehr früh, und das ist wohl ein großes Glück. Jetzt möchte ich ein paar Dinge verändern, mich zum Beispiel mehr in anderen Bereichen des Filmemachens umtun. Nach zehn Jahren halte ich das für ganz normal.



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