Christoph Waltz über Corona-Leugner »Eine Gruppe von asozialen Vollidioten«

Oscar-Preisträger Christoph Waltz hält nichts von Privilegierten, die in der Pandemie jammern – und erst recht nichts von »Querdenkern«: »Setzt doch die blöde Maske auf und bleibt zwei Meter entfernt von mir.«
Schauspieler Christoph Waltz (Archivbild)

Schauspieler Christoph Waltz (Archivbild)

Foto:

Laurent KOFFEL / Gamma-Rapho / Getty Images

Hollywoodstar Christoph Waltz hat sich im Interview mit der Zeitschrift  »GQ« über sein Leben in der Coronakrise geäußert – und dabei ordentlich ausgeteilt gegen all jene, die sich gegen Schutzmaßnahmen sträuben.

»Diese Leute, die sich ›Querdenker‹ nennen, denken entlang des Brettes, das sie vorm Kopf haben«, sagte der 64-Jährige. Wer das Tragen einer Maske als Beschränkung seiner Grundrechte empfinde, habe im Denkvorgang ein Problem. »Der ist nicht quer. Der ist einfach nur deppert.«

Solche Menschen glaubten wohl, einen persönlichen Vorteil daraus zu ziehen, »dass sie das Naheliegende demontieren«. Dabei habe man doch am Beispiel Donald Trump, »diesem irrsinnigen Präsidenten in den Vereinigten Staaten«, gesehen, wie leicht es sei, etwas zu zerstören – »und wie unglaublich schwierig, etwas aufzubauen«.

Die Empfehlung des Schauspielers: »Setzt doch die blöde Maske auf und bleibt zwei Meter entfernt von mir.« Die Institutionen funktionierten im Prinzip, »werden aber durch eine Gruppe von asozialen Vollidioten in die Enge getrieben«.

Privilegierte sollten nicht jammern

Der Hollywoodstar Waltz (»Inglourious Basterds«, »Der Gott des Gemetzels«) lebt in der Pandemie zwischen Wien und Berlin und wartet auf den richtigen Zeitpunkt, um in seine Wahlheimat Los Angeles zurückzukehren.

Dennoch liegt es ihm laut eigenem Bekunden fern zu jammern: »Ich hab gewisse Hemmungen, über die Tatsache zu reden, dass ich Zeit zum Reflektieren habe, zum Lesen, und Zeit zum Sortieren«, sagte der Schauspieler der »GQ«, die derzeit in Deutschland vierteljährlich statt monatlich erscheint. »Ich bin in einer so privilegierten Situation, dass ich nicht über meine vermeintlichen Entbehrungen reden kann«, so der zweifache Oscarpreisträger.

Er könne es nicht mehr hören, wenn Prominente betonten, wie schlimm die Krise für sie sei. »Sie können gar nicht mehr ins Restaurant oder sich mit Freunden treffen. Ja, dann triffst dich halt nicht!«, so der gebürtige Wiener.

Er selbst habe keine Not, sondern »eigentlich nur Unannehmlichkeiten«: »Ich denke aber an die Menschen, die auf 50 Quadratmetern zu dritt leben und ihren Job verlieren. Das ist eine andere Sache. Für mich ist es, solange ich gesund bin, nicht existenziell. Für viele ist es trotz Gesundheit existenziell.«

Das Ende der Pandemie werde sich über ein, zwei Jahre hinziehen, meint Waltz, »und vieles von dem wirklichen Schaden wird sich erst dann erweisen. Das wird nicht so: Der Frühling ist da, wir sind geimpft, hurra, wir fangen wieder an. Es wird viel zäher werden. Und die Pleitewelle, die kommt erst. Das wird wirklich eine Katastrophe.«

»Da braucht man kein Marxist zu sein«

Im vergangenen Jahr hat Waltz laut eigener Aussage nur einen kleinen Werbefilm gedreht und laufende Produktionen zu Ende gebracht. Ein paar Monate leise zu treten, mache ihm jedoch nichts aus.

»Für mich war es nicht schlecht, nichts zu machen«, betont er. »Warum war es nicht schlecht? Weil ich es mir leisten konnte. Also, da braucht man kein Marxist zu sein, um drauf zu kommen, wie sehr die ökonomischen Umstände in die privatesten, ja bis in die intimsten Bereiche hineingreifen.«

Waltz 2019 in Los Angeles

Waltz 2019 in Los Angeles

Foto: Axelle / Bauer-Griffin / FilmMagic / Getty Images

Sein Talent zum geduldigen Warten führt Waltz auf seine Erfahrungen als Schauspieler zurück: »Warten ist in meiner Branche die Hauptbeschäftigung«, sagt er. »Wenn ich drehe, warte ich von zehn Arbeitsstunden etwa sechs.« Damit habe er kein Problem, denn es gehöre zu seinem Job. »Von null auf hundert, aus dem Stand, das ist das, was ich beruflich mache.« Das sei seine Arbeit, er sei in der Lage, sich »rauf- und runterzumanipulieren«.

ala/dpa