Claude Sautet ist tot Regisseur des Banalen und der Bourgeoisie

Der französische Filmregisseur Claude Sautet ("Die Dinge des Lebens") ist im Alter von 76 Jahren gestorben. Zu seinen Lieblingsdarstellerinnen zählten Romy Schneider und Emmanuelle Béart.


Wollte Maler werden: Claude Sautet
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Wollte Maler werden: Claude Sautet

Paris - Der Filmemacher, der mit Vorliebe die französische Bourgeoisie unter die Lupe nahm, starb am Samstag in Paris. Wie sein Produzent Alain Sarde am Montag mitteilte, erlag Sautet einem Leberkrebsleiden.

Seinen internationalen Durchbruch schaffte Sautet 1969 mit dem Streifen "Die Dinge des Lebens" - in den Hauptrollen Romy Schneider und Michel Piccoli. In den letzten Jahren machte er vor allem durch "Ein Herz im Winter" (1992), ein musikalisches Kammerspiel um einen emotional verkümmerten Geigenbauer, von sich reden. Der Film wurde 1992 bei den Filmfestspielen in Venedig mit einem Silbernen Löwen bedacht und erhielt Anfang 1993 den Preis der französischen Filmkritik "Prix Mélies" sowie den César für den besten Regisseur.

Preisgekrönt wurde auch "Nelly und Monsieur Arnaud" (1995), ein einfühlsames Porträt über die ungewöhnliche Freundschaft zwischen einer jungen arbeitslosen Frau (Emmanuelle Béart) und einem älteren Mann (Michel Serrault). Zusammen mit Sandrine Bonnaire und Daniel Auteuil zählte Emmanuelle Béart in den achtziger und neunziger Jahren zu den Lieblingsdarstellern Sautets.

"Die Dinge des Lebens": Romy Schneider und Michel Piccoli
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"Die Dinge des Lebens": Romy Schneider und Michel Piccoli

Vorher holte der schwer einzuordnende Perfektionist für seine poetisch-melancholischen, komischen und dramatischen Gesellschaftsfilme mit Vorliebe Romy Schneider, Yves Montand und Michel Piccoli vor die Kamera - zum Teil mit überragendem Erfolg: "Das Mädchen und der Kommissar", "Cesar und Rosalie", "Mado" sowie "Eine einfache Geschichte" gehören zu den besten Filmen Romy Schneiders.

Charakteristisch für Sautets Filme ist das Sichtbarmachen verwirrter Gefühle und der kleinen Wechselfälle, an denen sich die Wirklichkeit einer Existenz viel eher zeigt als an den Katastrophen. "Mich interessiert das Banale" erklärte Sautet einmal, von dem es heißt, keiner habe die französische Gesellschaft so genau analysiert wie er.

Die ersten Schritte in der Filmbranche wagte der am 23. Februar 1924 in Montrouge/Paris geborene Industriellen-Sohn als Drehbuchautor für bekannte Regisseure. Er schrieb oder verbesserte die Bücher zu "Les Yeux sans Visage" (1960), "Peau de Banane" (1963, Regie: Marcel Ophüls), "La Vie de Chateau" (1965, Regie: Jean-Paul Rappeneau), "Le Voleur" (1967, Regie: Louis Malle) und verschaffte sich wegen seiner akribischen Arbeitsweise in der Branche einen Namen als "Drehbuchdoktor".

In den letzten Jahren war es stiller um ihn geworden: Er widmete sich verstärkt dem Schreiben und war ein gern gesehener Gast bei Retrospektiven.

Sabine Glaubitz



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