Coronavirus und der Endzeit-Thriller "Contagion" Nahrung für die Angst

Steven Soderberghs Virus-Schocker "Contagion" hat es neun Jahre nach seiner Veröffentlichung wieder in die iTunes-Charts katapultiert. Auch in den sozialen Netzwerken wird über den Film geredet. Was soll das?
Gwyneth Paltrow ist im Film "Contagion" als Patientin 0 erkrankt

Gwyneth Paltrow ist im Film "Contagion" als Patientin 0 erkrankt

Foto:

Cineliz/ AllPix/ laif

Leere Autobahnen, leere Bahnhöfe, leere Flughafenterminals, Supermärkte, Bürokomplexe, Kinos, die Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen. Wer den Film "Contagion" 2011 im Kino gesehen (oder in den vergangenen Jahren gestreamt) hat, dem haben diese Bilder sicher einen Schauer über den Rücken gejagt. Jetzt allerdings, wo sich das Coronavirus verbreitet und damit auch die Angst vor einer Ansteckung, scheint das immer mehr Menschen so zu gehen: Steven Soderberghs Drama ist nämlich zurück in den iTunes-Charts  (Platz 33 in Deutschland, Platz 20 in Österreich, Platz 13 in den USA).

"Passt sehr gut zur momentanen Situation", schreibt ein Nutzer zu dem Film auf Amazons Streamingplattform Prime Video . "Dieser Film hat mich noch paranoider gemacht", kommentiert jemand anders. Auch bei Twitter wird dieser Tage immer wieder unter dem Hashtag #contagion über die Parallelen von Film und Realität gemutmaßt.

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Soderberghs Virus-Schocker zeigt, wie rasant sich Krankheiten in Zeiten der Globalisierung verbreiten können: Nachdem Beth Emhoff (Gwyneth Paltrow) von einer Asien-Geschäftsreise in die USA zurückkehrt, bricht sie ihrer Familie in Minneapolis zusammen und stirbt kurze Zeit darauf. Der Grund: ein unbekanntes Virus. Das verbreitet sich rasend schnell über den Planeten und setzt Institutionen und Individuen in Bewegung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schickt Epidemie-Experten los, Forscher suchen nach einem Impfstoff, bereits Infizierte kommen unter Quarantäne. Der Erreger zieht Schneisen der Leere und Verwüstung und Angst - das hat Soderbergh in eindrucksvolle Aufnahmen übersetzt. Dass er dafür einen prominenten Cast - Kate Winslet, Matt Damon, Jude Law, Laurence Fishburne, Marion Cotillard - gewonnen hat, unterstützt den Effekt. Zumal einige Promis nur wenige Filmminuten überleben.

Es ist nicht schwer, Parallelen zwischen Film und Wirklichkeit herzustellen: Die Zahl der Menschen, die sich mit dem neuartigen Coronavirus 2019-nCoV infiziert haben, steigt. In China, wo die Krankheit ausbrach, werden Millionenmetropolen abgeriegelt. Die WHO hat den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Noch gibt es keinen Impfstoff und kein Medikament, das vor einer Ansteckung schützt. Und: Gerüchte und Panik verbreiteten sich wesentlich schneller als das Virus.

Zutaten vieler Pandemiefilme

Allerdings sind das auch die Grundzutaten vieler ähnlicher Pandemie-Thriller ("Outbreak"), von Zombie-Filmen und -Serien ("Zombieland", "Resident Evil", "Walking Dead") und noch sehr viel mehr Thriller, die beides vermischen ("28 Days Later", "Stadt der Blinden", "World War Z"). Damit ist man dann auch schon wieder bei der Fiktion.

Denn bisherigen Berichten zufolge hat die Erkrankung am Coronavirus bislang vor allem bei Älteren und Menschen einen schweren Verlauf genommen, die unter einer Vorerkrankung litten, also bereits geschwächt waren. Vier der sechs erkrankten Deutschen seien "pumperlgsund, haben keine Symptomatik, sind fieberfrei, husten nicht", sagte der behandelnde Chefarzt Clemens Wendtner am Donnerstag. Und derzeit schätzen die Behörden die Mortalität auf etwa zwei bis vier Prozent  - beim Sars-Virus waren es rund zehn. Das bedeutet nicht, dass sich das Virus nicht weiter über den Erdball verbreiten kann - aber dass sich Fiktion und Realität glücklicherweise eben doch in vielen Punkten unterscheiden.

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