"Costa Concordia" Unglücksschiff war Filmkulisse
Schauplatz "Costa Concordia" in Godards "Film Socialisme": Dekadente Vorhölle
Foto: DPA/ NFP/ Vega FilmHamburg - Ein Film wie ein böses Omen: Der französische Filmemacher Jean-Luc Godard wählte als Kulisse für sein jüngstes Werk ausgerechnet die "Costa Concordia", wie der "Guardian" berichtet. Das vor der toskanischen Küste havarierte Kreuzfahrtschiff symbolisiert in dem 2010 gedrehten "Film Socialisme" eine dekadente Vorhölle. Nicht einmal zwei Jahre später wird die "Costa Concordia" zum realen Schauplatz einer Vorhölle für Passagiere und Besatzung - angesichts der mitschwingenden Gesellschaftskritik bei Godard ein fast zynisches Bild.
Im ersten Teil des Films fängt Godard mit der Kamera banale Alltäglichkeiten auf dem Schiff ein, das da noch seelenruhig durchs Mittelmeer schippert. Zwischen Stationen wie Barcelona, Griechenland und Ägypten treffen UN-Vertreter und Kriegsverbrecher aufeinander, andere Passagiere wandeln in den Szenen scheinbar lustlos durchs exklusive Interieur und dienen dem Regisseur als Futter für seine Attacken gegen Dekadenz und Bourgeoisie. Kontrastiert werden die Ausschnitte im typischen Collagen-Stil Godards mit Aufnahmen der schwappenden Meeresoberfläche, die gewaltig und geduldig unter dem Irrsinn hinwegwogt.
Bei der Erstaufführung in Cannes 2010 wurde das Werk des Nouvelle-Vague-Regisseurs durchaus unterschiedlich aufgenommen. Während einige Kritiker den experimentellen Stil Godards lobten, kritisierten ihn andere als zu altbacken. Der Film schließt mit der Meldung "No Comment". Was dem Zuschauer bleibt, ist die Gewissheit, dass die Erde dem Untergang geweiht ist. Doch der Film endet, bevor es zur finalen Katastrophe kommt - das hat nun die Wirklichkeit für den Regisseur übernommen.