Cruise bei Oprah Winfrey Tom sucht Liebe

Letzte Chance für Tom Cruise: In einer Homestory für Talkshow-Queen Oprah Winfrey hat der Schauspieler Abbitte für seine Ausfälle und PR-Sünden geleistet. Er gab sich betont sanft, betont entspannt, sprach über seine Familie - es war ein Sado-Maso-Spektakel in drei Akten.

Von , Sedona, Arizona


Es ist eines jener demütigenden Rituale, mit denen sich die Entertainment-Welt ihre verlorenen Schäfchen wieder einverleibt. Erst interviewte Oprah Winfrey Tom Cruise in seinem Haus in Colorado, am Montag ist er erneut in ihrer Talkshow zu sehen.

Zurück auf Anfang: Als Cruise im April 2005 wie ein Berserker auf Winfreys Couch herumhüpfte, um seine frisch erblühte Liebe zu Katie Holmes zu illustrieren, nahm eine Kette bizarrer Auftritte ihren Anfang. Seine Karriere als einer der höchstbezahlten Entertainment-Persönlichkeiten drohte in einer Serie der Peinlichkeiten zu implodieren.

Es war also höchste Zeit für eine Homestory, wie sie Oprah jetzt mit der gewohnten Mischung aus pseudo-bohrenden Fragen und kumpeliger Nähe inszenierte: Cruise führt Oprah durch seine weitläufige rustikale Villa in den Rocky Mountains. Das ordentlich mit Namensschildchen markierte Hausschuhregal, Tochter Suris Spielhaus aus Holz, der fantastische Blick auf die Berge. Er zeigt ihr seine Drehbuchsammlung und erinnert sich mit ihr an die Eröffnungsszene aus "Risky Business", in der er als 19-Jähriger in Unterwäsche tanzte.

Dann wird es ernst. Man habe ja schon lange kein ausführliches Gespräch mehr geführt, sagt Oprah streng, und wer habe ahnen können, dass das letzte in einen Skandal münden würde - was war also los? "Es war ein spontaner Moment", sagt Cruise.

Er wirkt bemüht. Er gibt sich betont sanft, betont entspannt – kein angriffslustiges Funkeln im Blick, nur ein freundlich-harmloses Lächeln. Kein entschiedenes Gestikulieren, sondern weiche, fließende Handbewegungen. "Ich habe dich noch nie so entspannt gesehen!", ruft Oprah aus, auch wenn ein Händeringen hier, ein Herumrutschen dort seine Nervosität verraten.

Hier strengt sich jemand an, wieder geliebt zu werden - und plötzlich steht einem die Entertainment-Welt in ihrer ganzen Grausamkeit vor Augen. Man fühlt sich an die zermürbende TV-Abbitte von Mel Gibson nach seinem betrunkenen Ausfall gegen einen Verkehrspolizisten erinnert. Auch Cruise wählt seine Worte vorsichtig, stockt, lässt Sätze in der Luft hängen. Es ist ein Spießrutenlauf - aber die einzige Möglichkeit, eine beispiellose Karriere zu retten.

Wahrlich keine leichte Aufgabe für Cruise - zu viel hat er falsch gemacht. Kurz nach dem peinlichen Oprah-Auftritt hatte er erst die Schauspielerin Brooke Shields im Fernsehen dafür kritisiert, Medikamente gegen ihre Postpartum-Depression genommen zu haben. Dann bezeichnete in einem Magazininterview die Psychiatrie als eine Nazi-Wissenschaft und fuhr mit unangebrachter Heftigkeit dem bekannten Fernsehjournalisten Matt Lauer über den Mund, als der ihn darauf ansprach.

In wenigen Monaten wandelte sich Cruises Image gründlich. Was zuvor als energische Intensität beschwärmt worden war, wirkte auf einmal wie ungeheure Anstrengung. Cruise schien angestrengt konzentriert, angestrengt entschlossen, angestrengt energisch. Und, auf Oprahs Couch, angestrengt fröhlich.

Streicheleinheiten und Druck

Es war, als träte ein orientierungsloser kleiner Junge unter der Maske des verbissen kontrollierten Megastars hervor. Cruise war im freien Fall. 2006 veröffentlichte die größte amerikanische Tageszeitung "USA Today" eine Umfrage, derzufolge mehr als die Hälfte der Befragten eine "unvorteilhafte Meinung" von Cruise hatten. Wenig später kündigte ihm Paramount nach 14 Jahren den Vertrag. Der Begriff "jumping the couch" war da bereits Synonym für "durchgeknallt".

Es folgten Durchhänger an der Kinokasse. Der dritte Teil der Actiontrilogie "Mission Impossible" blieb 2006 weit hinter den Erwartungen zurück, der Politthriller "Lions For Lambs" erwies sich im letzten Jahr gar als Flop. Im Januar schließlich fand ein Scientology-Video seinen Weg ins Internet, in dem sich Cruise unartikuliert raunend und idiotisch kichernd für die nicht näher ausgeführten Vorzüge der Sekte begeistert. Der einstige Superheld schien erledigt.

Und jetzt die Entschuldigungen: Die Bemerkungen über Brooke Shields seien "falsch rübergekommen", weil er sich unter Druck gesetzt fühlte, sagte Cruise zu Winfrey. Und überhaupt: Jeder müsse selbst entscheiden, was für ihn gut sei. Pflichtbewusst rehabilitiert er Scientology gleich mit: "Der Scientology-Kodex verlangt, andere Glaubensweisen zu respektieren", sagt er. "Wir sind hier, um zu helfen." Oprahs Frage, worum es bei Scientology eigentlich geht, will Cruise nicht beantworten. "Das sollte jeder selbst nachlesen. Das ist das Beste."

Zweiter Akt des Sado-Maso-Spektakels: Oprah nimmt den Druck weg, verteilt Streicheleinheiten. Es sei ja auch nicht einfach, ein Star zu sein. Cruise nickt und erzählt, wie schon zwölf Stunden nach Katie Holmes' Schwangerschaftstest die Nachricht durch die Klatschpresse geisterte. Wie er sich einen Sonografen kaufte, weil Katie "keine Sonogramme unseres Kindes im Internet wiederfinden wollte".

Doch jetzt muss die Privatsphäre, die er so eifersüchtig hütete, der TV-Sühne geopfert werden – an jenem intimen Ort, an dem er zuletzt mit Familien und Freunden die Geburt von Suri feierte. Katies Eltern? "Unglaubliche Menschen." Seine Mutter und die vier Schwestern? "Schon immer meine besten Freunde." So sei er aufgewachsen, sagt Cruise: "Wenn es schwierig wird, wenn das Leben hart ist, redet man nicht drüber, man arbeitet daran, dass es besser wird."

Er arbeitet verdammt hart daran. "Ich bin mit dem Wunsch aufgewachsen, zu verstehen, wer ich bin", sagt er, und plötzlich scheint der Knackpunkt erreicht. "Manchmal muss man loslassen und einfach nur ..." – er stockt. "Man selbst sein?", schlägt Oprah vor. "Das beste tun, was ich kann", beendet Cruise den Satz.

Im dritten Akt lassen die beiden das plötzlich übermächtige Haus hinter sich und treten ins Freie. Auf dem Schneemobil fahren sie zu "Toms Lieblingsplatz", einer Aussichtsterrasse mit Blick auf schneebedeckte Gipfel. "Ich wünsche Dir den inneren Frieden, den diese Berge vermitteln", sagt Oprah. Inzwischen ist es längst egal, ob dies eine Meisterleistung in Public Relations ist oder ein weiterer Möchtegern-Blick in die Seele eines Mannes, der sein Innerstes doch nicht offenbaren will. Die Abbitte ist geleistet, der Berserker ist zur Vernunft gekommen. Und die Show kann weitergehen.



insgesamt 11 Beiträge
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Stanley365 03.05.2008
1. Who cares ?
Tom Cruise ist ohne Frage ein begnadeter Schauspieler. Das beantwortet für mich jede Frage nach der Glaubwürdigkeit solcher öffentlichen Inszenierungen.
sfaawr 03.05.2008
2. Mensch sein
Tom Cruise ist ein Mensch, und als Mensch von denen die ihn persoenlich kennen oder mit ihm gearbeitet haben, sehr beliebt. Man kann in Hollywood Jeden fragen, sei es Beleuchter, Make Up artist oder Production Assistant, wer der groesste Gentleman und sympatischste Kerl unter den Superstars ist und die Antwort lautet zu 99 %: Tom Cruise. Ja, er hat sich laecherlich benommen, sich ein paar Dinge zu sagen erlaubt die nicht okay waren, aber dass passiert nun mal jedem Menschen einmal. Auch ich habe die Oprah Sendung gesehen und fand sie sehr ehrlich und offen (Liebe Frau Rehfeld, leider ist Ihre Uebersetzung nicht korrekt: "Wenn es schwierig wird, wenn das Leben hart ist, redet man nicht drüber, man arbeitet daran, dass es besser wird." Ich weiss nicht wie man: "YOU SHOULD TALK ABOUT IT" mit "redet man nicht drüber" ueberstetzen kann, ) Fakt ist, Tom Cruise ist erfolgreich, reich, sieht gut aus, hat alles was man sich ertraeumen kann, und trotzdem ist er Mensch, der Fehler macht, sie eingestehen kann, und dass finde ich geht in Ordnung. Spitzen Popcorn Filme macht er alle Mal, und ich schau mir garantiert seinen naechsten auch wieder an.
DorisP 03.05.2008
3. Was soll man dazu sagen ?!
Zitat von sysopLetzte Chance für Tom Cruise: In einer Homestory für Talkshow-Queen Oprah Winfrey hat sich der Schauspieler für seine Ausfälle und PR-Sünden entschuldigt. Cruise zeigte sich reuig, sprach sanft über seine Familie - es war ein Sado-Maso-Spektakel in drei Akten. http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,551213,00.html
Tom Cruise ist der meist überschätzte Schauspieler... Ein zu klein geratener gerne groß...
desperate_housewife 03.05.2008
4. ....
Was muss sich Mr. Cruise denn noch alles in der Öffentlichkeit erlauben, bis die Menschen endlich merken, dass er ein völlig weltfremder und gefährlicher (weil für eine furchtbare Sekte werbende) Spinner ist?
Abhefter 03.05.2008
5. Tom Cruise
Letztendlich geht es bei solchen Interviews nur darum, dass Cruise und Winfrey ihre gigantischen Ego's wieder einmal zur Schau stellen dürfen. Der eine sieht sich gerne in der Rolle des ewigen Hollywood-Jünglings, die andere als Retterin der Dritten Welt. Einfach zwei durchgeknallte Spinner die sich wieder einmal gefunden haben. Cruise ist inzwischen zum Kinokassengift mutiert, und Winfrey einfach nur noch eine Labertasche die krampfhaft versucht sich einen weltretterischen Touch zu geben. Diese ständige Lobhudelei, und dieses, "sich gegenseitig Zucker in den Arsch blasen", nervt irgendwann einfach. Diese ganzen Hollywood-Grössen, a la Jolie, Pitt, Madonna, Winfrey und Co., merken schon garnicht mehr, dass sie uns "Normalos" eigentlich nur noch auf den Sack gehen.
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