Gerichtsurteil Kameramann von "Das Boot" stehen weitere 315.000 Euro zu

Der Kameramann des Welterfolgs "Das Boot" forderte mehr Geld - jetzt hat das OLG Stuttgart Jost Vacano eine große Summe versprochen. Eine beklagte ARD-Anstalt befürchtet nun gravierende Auswirkungen.

Szene aus dem Film "Das Boot"
DPA/ Constantin

Szene aus dem Film "Das Boot"


Nach dem Oberlandesgericht (OLG) München hat auch das OLG Stuttgart dem Chefkameramann des Erfolgsfilms "Das Boot" einen finanziellen Nachschlag für seine Arbeit zugesprochen. Jost Vacano stünden von acht verschiedenen Rundfunkanstalten der ARD zusammen rund 315.000 Euro plus Umsatzsteuer zu, entschieden die Richter.

Das OLG München hatte ihm vergangenes Jahr bereits rund 588.000 Euro von der Produktionsfirma Bavaria Film, dem Westdeutschen Rundfunk (WDR) und der E.V.M. GmbH zugesprochen, die den Film auf Video und DVD verbreitet. Gegen acht übrige ARD-Anstalten hatte Vacano in Stuttgart geklagt.

Dort entschieden die OLG-Richter nun, dass Kameramann Vacano für 41 Ausstrahlungen von "Das Boot" im Programm der Sender zwischen 2002 und 2016 laut Urhebergesetz eine weitere Beteiligung zustehe. Zwischen der vom Kläger mit der Produktionsfirma vereinbarten Vergütung und den aus der Nutzung erzielten Erträgen und Vorteilen der Sender bestehe ein auffälliges Missverhältnis, hieß es (Az. 4 U 2/18). Um die Vorteile der Rundfunkanstalten durch die Ausstrahlung zu bemessen, griffen die Richter nach eigenen Angaben auf tariflich festgelegte Vergütungssätze für die Ausstrahlung von Wiederholungen zurück.

SWR will Urteil zunächst gründlich analysieren

Vacano hatte für seine Arbeit damals umgerechnet rund 100.000 Euro bekommen. Das Landgericht Stuttgart hatte ihm zuvor 77.000 Euro Nachschlag zugesprochen, was Vacano aber zu wenig war. Die beklagten Rundfunkanstalten wollen gar nicht mehr bezahlen, deshalb ging der Fall zum OLG. Abgeschlossen ist er noch nicht. Die Stuttgarter Richter ließen gegen ihr Urteil die Revision zum Bundesgerichtshof zu. Die Münchner Entscheidung liegt dort bereits zur Überprüfung.

Vor zwei Jahren hatte der 84 Jahre alte Vacano dem SPIEGEL gesagt, dass es in diesem Prozess auch um die Anerkennung seines Berufsstandes geht. Kameraleute, so Vacano, seien weit mehr als Handlanger der Regisseure, er wolle dem Urheberrechtsgesetz "auch in der Praxis zur Durchsetzung verhelfen".

Der SWR als eine der beklagten ARD-Anstalten erklärte, man werde das Urteil zunächst gründlich analysieren, bevor über weitere Schritte entschieden werde. Das Gericht scheine für seine Berechnung Teile eines Tarifvertragssystems heranzuziehen, das für ganz andere Konstellationen abgeschlossen worden sei.

Damit würden Preise festgelegt, die mit der Realität nichts zu tun hätten. Wenn das künftig generell so gemacht werden müsste, hätte das laut SWR gravierende Auswirkungen auf das Fernsehprogramm.

bam/dpa

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insgesamt 19 Beiträge
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Flying Rain 26.09.2018
1. Ahm
Ahm was ich hier im Artikel vermisse ist wie es dazu kommt das ihm das Geld zusteht. Hatte er damals vertraglich einen Anteil an den Erlösen des Films zugesprochen bekommen oder was?
filmmix 26.09.2018
2. Urheberrecht...
... nennt man das, denke ich. Ist gerade ein ziemlich großes Thema bei allen Filmschaffenden. Ist ja durchaus Kunst, was da geschaffen wurde und somit auch wertvoll. Gilt für viele weitere Film-Berufszweige, wie auch Ton, Schnitt etc.
philosophus 26.09.2018
3. "Handlanger"?... Wie kommt er darauf?...
"Kameraleute, so Vacano, seien weit mehr als Handlanger der Regisseure..." ===>> Kameramann und Regisseur: zwei verschiedene Berufe welche sich aber wechselseitig ergänzen. Der Kameraman (oder Director of photographie), ist das "Auge" des Regisseurs, wobei aber das "Auge" ohne den Regisseur quasi unbrauchbar ist. In dem Sinne, keiner ist "Handlanger" des Anderen, im Idealfall verschmelzen sie sogar, zu einer "Person". Das erklärt auch, warum Regisseure meistens mit demselben Kameramann zusammenarbeiten ...
jufo 26.09.2018
4. Welche Konsequenzen?
"Wenn das künftig generell so gemacht werden müsste, hätte das laut SWR gravierende Auswirkungen auf das Fernsehprogramm.". Und die Auswirkungen wären? Ein Programm mit weniger Schmachtfetzen?
albatross507 26.09.2018
5. Missbrauch
Aus meiner Perspektive ein Missbrauch des Urheberrechts. Der Kameramann ist entsprechend seines Vertrags bezahlt worden. Jahrzehnte später kommt er an und versucht mithilfe von Winkeladvokaten das Urheberrecht geltend zu machen, obwohl dieses für solche Fälle nicht gedacht ist. Klar hätte das Auswirkungen auf das Fernsehprogramm, wenn ein erfolgreicher Film entsprechend der Wiederholungen an die Teammitglieder nachzahlen muss, obwohl dies im Vertrag nicht vereinbart ist.
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