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Horror-Remake "Evil Dead": Im stahlgrauen Wald

Foto: Sony Pictures

Horror-Remake "Evil Dead" Ein zärtliches Blutbad

Diese Dämonenhand! Diese Motorsäge! "Evil Dead" gilt als einer der beliebtesten Horrorfilme überhaupt. Und nun kommt eine Neuverfilmung ins Kino. Das konnte doch nur schiefgehen. Ist es aber nicht - denn das Remake verbeugt sich mit rührendem Respekt vor Original und Fans.

Sam Raimis "Tanz der Teufel" aus dem Jahr 1981 ist für Horror-Nerds so etwas wie der heilige Gral des Splatter-Films: von Legenden umwoben, von magischem, übermenschlichem Ruf, und - zumindest in Deutschland - ziemlich schwierig zu bekommen.

Im Jahr 1984 hat die Staatsanwaltschaft alle Kino- und Videokopien beschlagnahmt, weil sie fand, dass der Film die Menschenwürde verletzt und eine schwere Gefährdung für Jugendliche darstellt. Eine um 43 Sekunden gekürzte Fassung wurde drei Jahre später zwar von der FSK durchgewinkt, von den Staatsanwälten wenig später aber auch beschlagnahmt. Erst 1992 entschied das Bundesverfassungsgericht, dass die Beschlagnahmung der geschnittenen Version unzulässig sei, mit der Begründung, dass es ja kein Gesetz gegen Gewalt gegenüber menschenähnlichen Wesen gebe. Wo doch jeder weiß, dass sich die Gewalt in "Tanz der Teufel" vor allem gegen Dämonen richtet.

Die geschnittene Fassung durfte wieder veröffentlicht werden, landete aber auf dem Index, womit der Film nicht beworben und nur unter der Ladentheke verkauft werden konnte. Die Originalversion ist hierzulande nach wie vor nur mühsam zu beschaffen. Amazon bietet eine um 14 Minuten (!) geschnittene Version an, die ab 16 freigegeben ist und so verstümmelt wurde, dass man aus Fansicht wirklich auf Verletzung der Menschenwürde pochen möchte.

Chaotischer Charme

Der abgebrühte Teenager von heute würde sich über den unzensierten Film wohl kaputtlachen. Die Splatter-Effekte, damals noch ohne Computerhilfe produziert, sehen so billig aus, dass davon heute wohl nicht mal Sechsjährige Alpträume befürchten müssen. Sie sind aber immer noch lange nicht so lustig wie die absurden Dialoge und die herzerweichend hölzernen Schauspieler. Dass der Film immer noch so verehrt wird, liegt eher an dem chaotischen Charme, an der Phantasie und der Leidenschaft, die Sam Raimi in sein Frühwerk gesteckt hat, zwei Jahrzehnte bevor er mit "Spider-Man" zum Weltstar wurde. Und natürlich an der oft kopierten und nie erreichten Kamera aus Dämonenperspektive, die wie im Rausch über den Waldboden jagt. Ein Klassiker eben, wie auch die beiden Fortsetzungen "Tanz der Teufel 2" und "Army of Darkness".

Daran vergreift man sich nicht.

So war die Skepsis bei den Hardcore-Fans groß, als ein Remake von "Evil Dead" (so der Originaltitel) angekündigt wurde. Noch dazu mit dem weitgehend unbekannten Argentinier Fede Alvarez in Raimis Regiestuhl und auch noch ohne den geradezu kultisch verehrten Bruce Campbell, der als tumb-zäher Dämonenjäger Ash alle drei Teile überlebt hat. Einige Anhänger kündigten auf den entsprechenden Websites früh den Boykott an, auch wenn Raimi und Campbell immerhin als Produzenten dabei waren und das Projekt damit ihren Segen hatte.

Alles so schick hier

Jetzt ist er da, der neue "Evil Dead", und das Verstörendste daran ist erst einmal, wie schick er im Vergleich zum konsequent billigen Original aussieht. An der Handlung wurde nicht viel verändert: Fünf junge Leute fahren in eine abgelegene Waldhütte, finden ein rätselhaftes magisches Buch und metzeln sich gegenseitig nieder, nachdem sie nacheinander von Dämonen besessen werden.

Aber alles ist irgendwie edler geworden - die stilvoll verkommene Hütte, der stahlfarbene Wald, die hübschen, mitunter gar talentierten Darsteller, Filmblut, das wirklich nach Blut aussieht. Das Ganze hat sogar etwas mehr Sinn bekommen, denn die Freunde hängen nicht einfach so im Wald herum, sondern wollen der drogensüchtigen Mia beim kalten Entzug beistehen, weswegen sie deren zunehmend dämonisches Verhalten erst als normale körperliche Reaktion fehldeuten.

Sonst gibt es das, was es auch 1981 gab: viel Blut, Gewalt, hin und wieder (hier sehr selten) etwas Slapstick. Alvarez inszeniert mit Tempo und Gefühl für Atmosphäre und Schockeffekte. Eigentlich nicht mehr als ein solider Beitrag in einem seit langem kreativ darbenden Genre. Doch die vielen kleinen Verweise an "Tanz der Teufel 1 & 2", die liebevolle Neuerfindung der klassischen Momente (Dämonenhand! Motorsäge!) zeugen von so viel Respekt für die Vorlage und für die Fans, dass Letztere ihren besonderen Spaß an "Evil Dead" haben sollten.

Kann man sich ansehen. Besonders, bevor wieder irgendein Staatsanwalt auf falsche Ideen kommt.


Evil Dead. Start: 16.5. Regie: Fede Alvarez. Mit Jane Levy, Shiloh Fernandez, Lou, Taylor Pucci.

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