"Der Flug des Phönix" Absturz eines Himmelsstürmers

Als Robert Aldrich 1965 "Der Flug des Phönix" fertig stellte, schuf er einen Klassiker des Abenteuerkinos. Genau so spannend wie der Film waren die Dreharbeiten. Als ihr heimlicher Star gilt der Stuntflieger Paul Mantz, der bei der Produktion ums Leben kam.
Von Joachim Hoelzgen

Irgendwo in der Sahara muss das Flugzeug einer Ölgesellschaft namens Arabco notlanden. Die zweimotorige Maschine wird dabei schwer beschädigt. Hoffnungslos erscheint die Lage eines Dutzend Überlebender: Sie sind von Sanddünen umgeben, die sich wie zu Amphitheatern auftürmen.

Was dann folgt, ist die Schlüsselstelle des Abenteuerfilms "Der Flug des Phönix", den der amerikanische Regisseur Robert Aldrich 1965 drehte und der als Kultfilm verehrt wird. Der Deutsche Heinrich Dorfmann, ein Konstrukteur von Modellflugzeugen, will aus den Wrackteilen der großen Transportmaschine ein neues, kleineres Flugzeug bauen - ein Flucht-Flugzeug aus der glühend heißen Wüste. Seine Schicksalsgenossen sind skeptisch, machen sich dann aber mit Dorfmann daran, ihren Phönix zu montieren.

Zum Glück gab es im Frachtraum der Transportmaschine Stahlkabel, ein Schweißgerät und einen Flaschenzug sowie Stahlschienen samt U- und T-Trägern. Und hilfreich war auch, dass das havarierte Flugzeug eine Fairchild C-82A mit einem Doppel-Leitwerk war. Das linke Leitwerk und der Leitwerksträger ließen sich nach den Anweisungen des Schauspielers Hardy Krüger alias Heinrich Dorfmann vom Wrack abtrennen. Und ebenso die Steuerbord-Tragfläche, die als Flügel für das neue Flugzeug diente. Starten sollte die Selbstbaumaschine auf Gleitkufen, für die man die Stahlschienen verwenden konnte.

Dorfmann bewegt sich in dem Film unbeirrbar wie die Nadel eines Kompasses. Doch ausgerechnet der Pilot Frank Towns, dargestellt von einem illusionslosen James Stewart, kommt mit dem kalten, mathematischen Verstand Dorfmanns nicht klar. Der Kulturpessimismus des Älteren und eigentlich Ranghöchsten in der Gruppe gipfelt in einem seherischen Satz, den Towns in das Logbuch schreibt: "Diesen Kerlen mit ihren Rechenschiebern und Computern wird eines Tages die Erde gehören."

Remake-Flop mit Waschbrettbauch

Vier Jahrzehnte nach dem Meisterwerk Aldrichs hat sich ein Remake des Films als Flop erwiesen - jedenfalls nahm ihn Ende Juli der Verleih prompt aus den Lichtspielhäusern. In der Neuverfilmung stürzt das Flugzeug im mongolischen Teil der Wüste Gobi ab, während des Sandsturms gab es einen technischen Defekt: Ein Propeller brach ab und raste in den Rumpf - eine Art Kettensägenmassaker der Lüfte.

Dem kreischenden Spektakel folgten viele weitere Trickfilmszenen aus den einschlägigen Labors Hollywoods, und nur die Muskelpakete der Akteure wirkten echt - der aggressive Waschbrettbauch des Hauptdarstellers Dennis Quaid etwa sprang die Kinogänger wie ein Raubtier an. Im Original dagegen gab es keinen einzigen entblößten Oberkörper. Stoisch trug James Stewart seine mattgrüne Pilotenjacke, und Standish, der Buchhalter von Arabco, hatte einen Regenmantel an.

Dem Regisseur Aldrich waren Gewohnheiten und das scheinbar Unscheinbare wichtig. Und William Aldrich, seinem Sohn, der das Remake produzierte, wäre ein anderes Thema womöglich weit spannender geraten - und zwar die Fortsetzung des Originals mit einer Geschichte, in der Mut, Glamour und Tragik auf faszinierende Weise zusammenkommen.

Veteran und Luftikus

Denn am 8. Juli 1965 starb während der Dreharbeiten für den ersten "Phönix" Paul Mantz, der Stunt-Pilot des klapprigen Flugapparats. Als Double James Stewarts war Mantz mit einem Rad des Fahrwerks gegen einen Sandhöcker geprallt, als die Startsequenz aufgenommen wurde. In Sekundenschnelle brach das Flugzeug auseinander. Es überschlug sich, und Paul Mantz wurde vom Motor erdrückt. Experten vermuten, dass der Stuntman einen alten, knochentrockenen Bau eines Präriehunds rammte.

Auf dem Grab von Mantz im kalifornischen Corona del Mar liegen auch heute noch rote Rosen. Seit den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts galt er als König der Stunt-Flieger Hollywoods, obwohl er an Vertigo - Gleichgewichtsstörungen - litt. Angefangen hatte er als tollkühner Pilot auf Kirmesfesten, der Durchbruch gelang ihm über der Stadt San Mateo, wo er 46 Loopings nacheinander vollführte - ein Rekord, der fast 50 Jahre lang von niemandem gebrochen werden konnte.

Sein Ruf, zwar waghalsig, aber stets zuverlässig und präzise zu sein, brachte ihn bald mit den Größen Hollywoods zusammen. Er flog Cecil B. DeMille zu den Drehorten des Kolossalfilms "Cleopatra", doubelte für Gangster-Darsteller James Cagney und nahm Aufträge entgegen, die von normal zurechnungsfähigen Piloten aus gutem Grund nicht angenommen wurden.

In John Fords Flieger-Melodram "Air Mail" flog Mantz mit einem Doppeldecker durch Flugzeug-Hangare. Bei anderer Gelegenheit preschte er unter der Brooklyn Bridge hindurch. Und bei einem Schweiz-Abstecher trennte den Gipfel des Matterhorn kaum mehr als ein Handbreit von seiner Maschine.

Mantz steuerte das Flugboot in der Langstrecken-Saga "China Clipper" und doubelte auch schon einmal James Stewart - in Billy Wilders Lindbergh-Film "The Spirit of St. Louis". Als Piloten-Ausbilder hatte er eine gelehrige Schülerin: Amerikas Fliegerheldin Amelia Earhart, die beim Versuch, erstmals die Erde entlang des Äquators zu umrunden, mit ihrer Lockheed Electra leider im Zentralpazifik abstürzte.

Doch Mantz beließ es nicht bei waghalsigen Flügen. Zum Lebensstil des Haudegens im Dienst von Hollywood gehörte auch das harte Trinken - und Mantz trank härter als die anderen. Er habe schon auch mal im Cockpit einen Schluck genommen, wurde getuschelt.

Den Stars der Traumfabriken diente er auch noch mit einem Charterunternehmen, das vielsagend "Honeymoon Express" hieß: Von Burbank aus flog Mantz damit einen wahren Who's Who zur Heirat - oft aber auch gleich wieder zur Scheidung - nach Las Vegas.

Durchstarten in die Katastrophe

Zu den Phönix-Dreharbeiten wurde Paul Mantz mit 62 Jahren aus dem Ruhestand zurückgeholt. Als Schauplatz der Dreharbeiten hatte Aldrich das Buttercup Valley ausgewählt, eine wilde Dünenlandschaft westlich von Yuma an der Grenze zu Mexiko. Hier war schon das Fremdenlegionärsdrama "Beu Geste" verfilmt worden - und später sollten George Lucas' "Rückkehr der Jedi-Ritter" und die Zeitsprung-Klamotte "Stargate" folgen.

Inzwischen war auch Hardy Krügers Phönix fertig - ironischerweise ein Entwurf des deutschstämmigen Flugzeug-Designers Otto Timm. Die fliegende Seifenkiste bestand aus einem Rumpf, der tatsächlich dem Leitwerksträger des Filmwracks nachgebildet wurde, auch wenn er aus Hartholz bestand, das außen mit Sperrholz verklebt worden war.

Zur Enttäuschung von Phönix-Puristen stammte der Motor aber nicht von der C-82A, sondern von einer Ausbildungsmaschine des damaligen Rüstungskonzerns North American - ein Sternmotor mit neun Zylindern. Die Tragflächen wiederum wurden einer Beech C-45 entnommen - ein Ganzmetallflugzeug, das während des Kriegs zum Training von Bombenschützen verwandt wurde. Und damit der Phönix auch wirklich ramponiert aussah, nahm man als Verdrahtung an Leitwerk und Rumpf Wäscheleinen.

Vier Jahrzehnte danach, in der Neuverfilmung mit dem Pseudeo-Piloten Dennis Quaid, genügte ein Leitwerksträger samt Tragflächen, der zum Start von einem Katapultschlepper beschleunigt wurde. Den spektakulären Rest besorgten die Computerfilmer im Trickstudio.

Stunt-Senior Paul Mantz dagegen musste den zusammengeflickten Phönix tatsächlich fliegen. Kein Problem, so schien es, das Flugzeug war immerhin in die Luftfahrt-Bibel "Jane's All the World`s Aircraft" aufgenommen worden. Und Mantz hatte mehrere Probeflüge unternommen, bei denen er allerdings auf einer Asphaltpiste gelandet war.

Perfekter Start, tödliches Ende

Alles schien zunächst wie geplant zu klappen. Sauber flog Mantz den Wüstenboden im Buttercup Valley an, um eine "touch-and-go"-Landung zu machen: Da ein regulärer Start dort wegen des Sands nicht möglich war, sollte er vor zwei Kameras lediglich kurz aufsetzen, Gas geben und gleich wieder abheben - im Film der Beweis, dass der Phönix wundersamerweise wirklich fliegt.

Das erste Manöver gelang bestens, obwohl das Wäscheleinen-Flugzeug in der Hitze etwas träge reagierte und Mantz nach der ersten Kamera aufsetzte. Zur Sicherheit sollte deshalb noch ein "extra shot" gemacht werden. Geduldig machte Mantz den zweiten Anflug - hinein in die Katastrophe.

Hinter ihm stand im offenen Cockpit der Stunt-Pilot Billy Rose, der den Part Hardy Krügers übernahm. Rose überlebte den Crash mit einem schmerzhaften Bruch des Schulterblatts.

Für den berühmten Schluss des Films - den Anflug auf eine rettende Oase - musste nun ein neuer Phönix den zerstörten Phönix doubeln. Als Ersatz fungierte eine kürzere und gedrungenere Aufklärungsmaschine - eine North American O-47A. Ihre hell glänzende Oberfläche aus Aluminium musste dunkel lackiert werden, um sie wie das Original aussehen zu lassen - den Clochard der Luftfahrt, der in die Filmgeschichte einging.

Seine Trümmer befinden sich noch immer im Buttercup Valley, von Wind und Sand zugeweht.

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