Der Herr der Ringe "Das hat eben seinen Preis"

Im Dezember 2001 startet der erste Teil von Peter Jacksons "Herr der Ringe"-Trilogie in deutschen Kinos. SPIEGEL ONLINE sprach mit Peter Heinzemann, Geschäftsführer des Kinowelt-Filmverleihs, über die schon jetzt beginnende PR-Kampagne, die Macht der Fans und die Harry-Potter-Gefahr.

Von Rüdiger Sturm


Szene aus "Herr der Ringe": Sean Bean als "Boromir"

Szene aus "Herr der Ringe": Sean Bean als "Boromir"

SPIEGEL ONLINE:

Herr Heinzemann, kommt es im Winter 2001 zum großen Kinoduell zwischen "Harry Potter" und "Herr der Ringe"?

Peter Heinzemann. Ich hoffe nicht. Natürlich ist die Situation unglücklich, aber in Deutschland hat Warner den "Harry Potter"-Start um eine Woche vorverlegt und wir sind eine Woche zurückgegangen. Das sollte reichen.

SPIEGEL ONLINE: Taugt ein über 50 Jahre altes Buch überhaupt noch zum Blockbuster?

Heinzemann: Ja sicher, als Film hat "Der Herr der Ringe" doch den gleichen Status wie "Star Wars".

SPIEGEL ONLINE: Kennen Sie die Tolkien-Trilogie?

Heinzemann: Als 16-Jähriger habe ich mal damit angefangen, bin dann aber wieder ausgestiegen. Jetzt habe ich mir das deutschsprachige Hörspiel gekauft, das ich mir demnächst zu Gemüte führe. Doch man muss die Bibel nicht ganz gelesen haben, um zu wissen, welche Bedeutung sie hat.

SPIEGEL ONLINE: Diese Bibel hat eine eingeschworene Fangemeinde. Wie wichtig ist die für einen Verleiher?

"Herr der Ringe"-Plakat: "Status wie Star Wars"

"Herr der Ringe"-Plakat: "Status wie Star Wars"

Heinzemann: Sie ist unsere Kernzielgruppe. Deshalb wollen wir den Fans schon vorher zeigen, wie die Verfilmung aussieht. Denn wenn sie überzeugt sind, dass "Der Herr der Ringe" richtig umgesetzt ist, dann werden die Filme ankommen.

SPIEGEL ONLINE: Welchen Input holen Sie sich noch von den Tolkien-Anhängern?

Heinzemann: Ganz besonders wichtig sind sie beim Internet-Auftritt. Wir werden sie auch bei Tests von Werbematerialien mit einbinden. Und wir werden uns mit ihnen beraten, welche Übersetzung wir für die Synchronfassung nutzen. Die neue Version kommt ja nicht besonders gut an.

SPIEGEL ONLINE: Die Fans scheinen sogar Einfluss auf das Drehbuch zu nehmen. Peter Jackson hat die mit Liv Tyler besetzte Rolle der Arwen angeblich wieder zusammengestrichen, weil die Gemeinde gegen Abweichungen von der Vorlage revoltierte.

Heinzemann: Das ist eine Ente. In einem Interview fiel eine missverständliche Aussage, und die hat sich dann wie ein Lauffeuer im Internet verbreitet. Aber das Drehbuch wurde so verfilmt, wie es geschrieben war.

SPIEGEL ONLINE: Das Internet ist ja eine wahre Brutstätte für die inoffizielle "Herr der Ringe"-Berichterstattung. Ist das nicht lästig für einen Verleiher, der seine PR strategisch planen möchte?

Heinzemann: Wenn Sie gegen all diese Fotoaufnahmen vorgehen, setzen Sie sich dem Ruf aus, dass Sie etwas zu verbergen haben. Deshalb hat man sich für eine weiche Variante entschieden: Halblegale Sachen werden geduldet, solange sie das Projekt nicht ins schlechte Licht setzen.

SPIEGEL ONLINE: Welche offizielle Werbung ist in der nächsten Zeit geplant?

Heinzemann: Voraussichtlich am 11. Januar startet der Teaser-Trailer in 200-250 deutschen Kinos, exklusiv mit dem Kinowelt-Film 'Lost Souls'.

Treten gegen die Tolkien-Verfilmung an: "Harry Potter"-Darsteller Daniel Radcliffe (M.), Emma Watson und Rupert Grint
AP

Treten gegen die Tolkien-Verfilmung an: "Harry Potter"-Darsteller Daniel Radcliffe (M.), Emma Watson und Rupert Grint

SPIEGEL ONLINE: Der ja in den USA heftig gefloppt ist. Wollen Sie dessen Einspiel künstlich nach oben treiben?

Heinzemann: Wir haben keinen anderen Film zu dieser Zeit. Der nächste läuft erst Mitte Februar an, und ich wollte den Fans nicht noch vier Wochen Wartezeit zumuten. Abgesehen davon wird der Teaser eine Woche später ins Internet gestellt und dann ganz generell im Vorprogramm laufen.

SPIEGEL ONLINE: Bringt er denn etwas Anderes als der erste Internet-Trailer?

Heinzemann: Rund 12 bis 15 Ausschnitte, jeweils etwa vier, fünf Sekunden lang; von denen waren viele vorher noch nie offiziell zu sehen.

SPIEGEL ONLINE: Und am 20. Dezember 2001 feuern Sie Teil 1 mit über 1000 Kopien in die deutschen Kinos. Ist das nicht ein bisschen gewagt?

Heinzemann: Wir erwarten eine hohe Millionenzahl an Besuchern, und bei der kurzen Auswertungszeit von Filmen heutzutage schaffen wir das nur, wenn wir einen Massenstart hinlegen.

SPIEGEL ONLINE: Solche Zahlen haben die "Herr der Ringe"-Filme auch nötig. Immerhin ist das Budget von 130 Millionen auf über 300 Millionen Dollar hochgeschnellt.

Heinzemann: Weil die Computeranimation wesentlich teurer wurde als erwartet. Und Peter Jackson will den Stoff eben genau verfilmen. Das heißt, Bauten und Kostüme wurden detailgetreu angefertigt. Als ich in Neuseeland war, habe ich Tausende von Kostümen für Statisten gesehen, alle in Handarbeit genäht. Das hat eben seinen Preis.

SPIEGEL ONLINE: Dabei sollte doch der Dreh in Neuseeland ganz billig werden.

Heinzemann: Ist er auch. In den USA hätte die Trilogie fast 500 Millionen Dollar gekostet.

SPIEGEL ONLINE: Will sich Kinowelt einen größeren Anteil bei den Kinobetreibern holen wie seinerzeit Twentieth Century Fox mit "Star Wars: Episode I"?

Heinzemann: Wir kennen die derzeitigen Schwierigkeiten am Kinomarkt und wollen uns nicht das Wasser abgraben. Zwar sollte man bei einem guten Produkt über die Preisgestaltung sprechen, aber Killerkonditionen wird es für den "Herrn der Ringe" sicher nicht geben.



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