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»Der Prinz aus Zamunda 2« bei Amazon Prime Gestern ein Prinz

Eddie Murphy spielte die beliebten Revolverschnauzen der Achtzigerjahre, seither landete er nur wenige Hits. Nun versucht er ein Comeback. Doch Murphy fürchtet sich offenbar vor der Gegenwart.
aus DER SPIEGEL 10/2021
Das Problem an der Fortsetzung ist nur, dass der Film im Grunde nichts fortsetzt. Arsenio Hall und Eddie Murphy in »Der Prinz aus Zamunda 2«

Das Problem an der Fortsetzung ist nur, dass der Film im Grunde nichts fortsetzt. Arsenio Hall und Eddie Murphy in »Der Prinz aus Zamunda 2«

Foto: Amazon

Könnte es gerade eine schönere Liebesgeschichte geben als die zwischen einem Mann mit üppig wuchernder Haarpracht und einer Friseurin? Zumal sich der jugendliche Held wie eingesperrt fühlt und sich nach Lockerungen sehnt. Für einen kurzen Moment glaubt man, Eddie Murphys neuer Film »Der Prinz aus Zamunda 2« wäre auf der Höhe der Zeit. Bis man feststellt, dass er sich mit aller Kraft an die Vergangenheit klammert.

In der Komödie, die nun auf Amazon Prime zu sehen ist, spielt Murphy den Herrscher über das fiktive afrikanische Königreich Zamunda. King Akeem Joffer bereitet seine älteste Tochter Meeka (KiKi Layne) auf die Thronfolge vor, als er von einem unehelichen Sohn namens Lavelle (Jermaine Fowler) erfährt. Akeem reist nach New York und holt ihn nach Zamunda.

Darsteller Murphy, Fowler: Nur weg aus der Wirklichkeit

Darsteller Murphy, Fowler: Nur weg aus der Wirklichkeit

Foto: Amazon Studios

Der Film ist der zweite Teil von Murphys Blockbuster-Erfolg »Der Prinz aus Zamunda« (im Original »Coming to America«), der 1988 ins Kino kam und weltweit 300 Millionen Dollar einspielte. Der Schauspieler Murphy war damals auf dem Zenit seines Erfolgs, Actionkomödien wie »Nur 48 Stunden« (1982) und »Beverly Hills Cop« (1984) hatten ihn zum ersten afroamerikanischen Superstar Hollywoods gemacht.

Er spielte in diesen Filmen Revolverschnauzen, die jedes Rededuell dank Geistesgegenwart und Sprechtempo gewannen und selbst schwer bewaffnete Gegenspieler einfach über den Haufen quatschten. Hatten schwarze Stars wie Sidney Poitier in ihren Filmen bis dahin noch um Einlass in die weiße Mehrheitsgesellschaft gebeten, verschaffte sich Murphy Zutritt, ohne zu fragen.

Auf das sogenannte Blackfacing, bei dem sich weiße Schauspieler die Gesichter schwarz schminken, antwortete er mit Whitefacing und verwandelte sich in »Der Prinz aus Zamunda« unter anderem in den grantelnden Juden Saul. Auch im neuen Film ist er wieder in dieser Rolle zu sehen.

Murphy begann als Stand-up-Comedian, der bei seinen Auftritten wenig Rücksicht auf Verluste nahm und auf politische Korrektheit pfiff. Seine Gags gingen immer wieder auf Kosten von Frauen und Homosexuellen. Immerhin, in den Neunzigerjahren entschuldigte er sich für einige seiner besonders rüden Scherze.

Zu dieser Zeit funktionierten seine Filme kommerziell schon weniger gut. Die Welt drehte sich weiter, und Murphy konnte nicht mithalten. Sein breites Grinsen, das anfangs amüsant wirkte, weil es ein rassistisches Klischee über Afroamerikaner grotesk überzeichnete, war aus der Zeit gefallen.

Drei Jahrzehnte sind vergangen, mit nur sehr wenigen Hits. Doch nun soll alles besser werden. Das Problem an der Fortsetzung »Der Prinz aus Zamunda 2« ist nur, dass der Film im Grunde nichts fortsetzt. Eigentlich möchte er alles noch mal so machen wie damals, in den guten alten Zeiten.

Wieder der Culture-Clash, wieder Murphy in verschiedenen Rollen

Wieder die operettenhafte Inszenierung einer stinkreichen afrikanischen Bananenrepublik, nur diesmal mit computeranimierten Löwen und Elefanten. Wieder der Culture-Clash, wenn der Held nach Queens kommt, wo das Pflaster deutlich härter ist als in der Savanne. Und wieder der Hauptdarsteller Murphy, der in verschiedene Rollen schlüpft, damit das Publikum mitraten kann, wie viele Figuren er diesmal verkörpert.

In New York spielt der Film im Gegensatz zum Original nur kurz, was auch damit zu tun haben könnte, dass er in Georgia gedreht wurde, wo es für Filmproduktionen üppige Steuererleichterungen gibt. In einer einzigen Szene – als sich Sohn Lavelle auf einen Job bewirbt und mit der Überheblichkeit seines weißen Gegenübers konfrontiert wird – kommt das satirische Potenzial des Films zum Ausdruck. Doch wenige Augenblicke später hat »Der Prinz aus Zamunda 2« die amerikanische Wirklichkeit schon wieder hinter sich gelassen.

Es hat fast etwas Tragisches, dass Murphy und sein Regisseur Craig Brewer ständig auf der Flucht sind: vor dem Rassismus eines unter Donald Trump radikalisierten Amerikas – und vor einem Hollywood, in dem es mittlerweile Filme wie »Black Panther« und schwarze Superhelden gibt. Murphy und Brewer fürchten sich offenbar vor der Gegenwart.

Klar, Zugeständnisse müssen schon sein, vor allem an die veränderten Geschlechterrollen. In »Der Prinz aus Zamunda« gingen einige recht billige Gags auf Kosten der weiblichen Figuren. Diesmal müssen die Frauen zeigen, wie stark sie sind, und können Kampfsport.

Zugleich gibt es wieder tumbe Frauenfiguren, damit auch die Zuschauer, die sich heute noch an der Darstellung weiblicher Einfalt ergötzen, auf ihre Kosten kommen. Dann behelligt »Der Prinz aus Zamunda 2« sein Publikum mit einem Humor, der schon in den Achtzigerjahren grenzwertig war.

Mal verliert sich der Film in überkandidelten Musicalnummern und schrillster Komik, mal tut er so, als würde er ernsthaft von den Liebesqualen eines jungen Prinzen erzählen, der statt seiner Friseurin eine für ihn auserwählte Frau heiraten muss. »Der Prinz aus Zamunda 2« leidet an Demenz: Schon ein paar Minuten später kann sich der Film nicht mehr erinnern, was er in der Szene zuvor erzählt hat.

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