"Der Schatz" Rumänische Glücksritter

Die Suche nach Opas Reichtümern führt in der lakonischen Komödie "Der Schatz" zumindest die Zuschauer zu Gold: Der Film ist ein weiteres Meisterwerk des rumänischen Regisseurs Corneliu Porumboiu.
Filmszene aus "Der Schatz"

Filmszene aus "Der Schatz"

Foto: Adi Marineci/ Grandfilm

Es gibt Filme, über die man besser so wenig wie möglich verrät, weil sich so das Wunder, das sie bereithalten, am besten entfaltet. Maren Ades "Toni Erdmann" ist so ein Film und nun auch Corneliu Porumboius "Der Schatz". Das ist nur ein halber Zufall, denn die beiden Regisseure sind befreundet, und ihre Verbundenheit ist ein Grund dafür, warum "Toni Erdmann" größtenteils in Rumänien gedreht wurde.

Gleichzeitig unterscheiden sich ihre Wege stark. Ade hat, wie viele der Vertreter des neuen rumänischen Kinos, den Schritt zum Großkunstwerk vollzogen. Im Mai waren sowohl sie als auch Cristian Mungiu und Cristi Puiu mit ihren neuen Arbeiten im Wettbewerb von Cannes vertreten, all ihre Filme zwischen zwei und drei Stunden lang. Porumboiu ("Police, Adjective") bleibt dagegen bei dem, was er nicht nur persönlich am besten kann, sondern was er so gut wie keiner sonst im Weltkino kann: Er entwickelt aus überaus minimalistischen Figurenkonstellationen und Plots heraus Filme, deren Humor und erzählerische Wucht einen in Zeitlupe überwältigen.

Die Ausgangssituation von "Der Schatz" ist denkbar einfach: Familienvater Costi (Toma Cuzin) wird von seinem Nachbarn Adrian (Adrian Purcarescu) gefragt, ob er sich an der Suche nach dem buchstäblichen Schatz beteiligen will, der im Garten von Adrians Großeltern vergraben sein soll. Da Adrian finanziell arg in Bedrängnis ist, müsste Costi das Geld für den nötigen Metalldetektor aufbringen. Dafür erhielte er die Hälfte vom Schatz. Wenn es ihn denn gibt - und wenn sie ihn denn finden.

Costi (Toma Cuzin, links) und Adrian (Adrian Purcarescu)

Costi (Toma Cuzin, links) und Adrian (Adrian Purcarescu)

Foto: Adi Marineci/ Grandfilm

Costi willigt ein und wird damit wie Adrian zu einer Figur, die einem ebenso sympathisch in ihren Nöten wie suspekt in ihren Entscheidungen ist. Gemeinsam machen sie sich an die Umsetzung ihres Plans, der schon im Vorfeld mehrfach vom Scheitern bedroht ist. Die Anmietung des Metalldetektors erweist sich als viel komplizierter als gedacht. Dann steht plötzlich die Frage im Raum, ob Adrian überhaupt Zugriff auf das Grundstück seiner Großeltern hat und damit Rechte auf alles Gefundene geltend machen kann.

Die Zumutungen des rumänischen Alltags und die Strategien der Menschen, mit diesen klarzukommen, sind die großen Themen des neuen rumänischen Kinos. Cristian Mungiu verwandelt sie in erschütternde Dramen, Porumboiu in lakonische Komödien. Welthaltig sind sie beide, auch wenn Porumboiu die Zeitdiagnostik in seinen Arbeiten beständig unterspielt und das Exemplarische an "Der Schatz" mit Anleihen aus dem Märchenhaften verdeckt.

Seine stilistischen Kniffe erscheinen dagegen fast expressiv. Porumboiu, der stets auch seine eigenen Drehbücher verfasst, erzählt in kleinteiligen Szenen, die er in langen Einstellungen ohne größere Kamerabewegungen und aus der mittleren Distanz filmt. So entsteht eine grandiose Lakonie, die gleichzeitig nicht der Spannung entgegensteht, die "Der Schatz" auch entwickelt. Genauer gesagt bedingen sie sich gegenseitig. Gerade weil die Figuren und die Situationen, in denen sie sich wiederfinden, leise absurd sind, scheint bald alles möglich zu sein - dass alles gut wird, aber auch dass alles den Bach runtergeht.

Die wohl schönste Pointe, die Porumboiu schlägt, ist aber, dass der Film selbst am Ende auf pures Gold stößt: Er hat schlicht die beste Schlusspointe, die dieses Kinojahr zu bieten hat. Aber mehr sei wirklich nicht verraten.

Im Video: Der Trailer zu "Der Schatz"

"Der Schatz"

Rumänien/Frankreich 2015

Originaltitel: Comoara

Buch und Regie: Corneliu Porumboiu

Darsteller: Toma Cuzin, Adrian Purcarescu, Corneliu Cozmei

Produktion: 42 Km Film, Les Films du Worso, Rouge International

Verleih: Grandfilm

Länge: 89 Minuten

Start: 6. Oktober 2016

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